Stärkung der Verbindungen oder Überwachung?

Für welche Pressemitteilungen interessieren sich Journalisten?

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Besonders "kundenfreundlich" will P. R. Newswire sein. Der Verteiler von Firmenmitteilungen, der auch eine Website unterhält, schickte, wie die New York Times berichtet, kürzlich eine Email an einige hundert Journalisten. Darin war zu lesen, dass man versuchen will, die Verbindung "zwischen Firmen, die Pressemitteilungen veröffentlichen, und Journalisten wie Ihnen, die Sie verwenden, zu stärken". Diese Stärkung der Verbindung gefiel allerdings einigen der Angesprochenen nicht.

Erst im Februar hatte P.R. Newswire eWatch gekauft, eine Firma, die Online-Publikationen, Diskussionsforen, Chaträume oder Mailinglisten nach Stichworten überprüft, um Unternehmen darüber zu informieren, was Neues im Umlauf ist, wie es um ihr öffentliches Ansehen bestellt ist, ob Gerüchte zirkulieren, Insiderhandel stattfindet, was die Konkurrenz macht oder welche Trends gerade aktuell sind.

Dadurch offenbar auf den Geschmack gekommen will man jetzt nicht nur Kunden anbieten, ihre Mitteilungen gezielt an jene Investoren zu schicken, die am wahrscheinlichsten an ihren Wertpapieren interessiert sind, sondern auch die Wirksamkeit der Pressemitteilungen bei den Journalisten erhöhen. In der Email schrieb P.R. Newswire weiter: "Ab Anfang April werden Werbeexperten wissen können, welche Journalisten ihre Pressemitteilungen im Presseraum der Website geöffnet haben. Es wird Berichte geben, die mitteilen, wer, von welchem Medium und wann eine bestimmte Pressemitteilung zur Kenntnis genommen wurde."

Das hat natürlich einigen der Journalisten weniger gefallen, die darin für sich keinen Vorteil sehen. Wie die New York Times schreibt, hatte damit P.R. Newswire selbst eine gute Werbekampagne nötig, um sich wieder aus dem Schlamassel zu ziehen. Die Sprecherin des Unternehmens sagte allerdings wenig Hilfreiches. Man sei halt mit dem Kauf von eWatch in das Geschäft gekommen, Kommunikation besser zu überwachen. Die angekündigten Berichte würden aber nicht die Namen der Journalisten oder der Nachrichtenagenturen enthalten, wenn diese nicht explizit erlaubt hätten, sie zu überwachen. Zunächst macht man halt, was möglich ist, um dann wieder ein bisschen zurückzufahren. Wieder einmal zeigt sich die "Wissensgesellschaft" mit ihren Medien und Techniken als Grundlage für Begehrlichkeiten, möglichst weitgehend alles zu überwachen und auszuspionieren, nur eine andere Umschreibung für die Stärkung der Verbindungen zwischen Unternehme und Kunden oder vielleicht auch zwischen Staaten und ihren Bürgern. Nicht geschickt war es möglicherweise, die Journalisten über die Pläne überhaupt in Kenntnis zu setzen. Vielleicht verfährt man da in Zukunft auch anders.

Allerdings bietet eWatch auch gleich Gegenmaßnahmen dafür an, wenn falsche Informationen über ein Unternehmen verbreitet werden oder andere sich Informationen über das Informationen sammelnde Unternehmen beschaffen wollen. Im Informationswettrüsten muss man sich auf der Höhe der Zeit bewegen und schnell reagieren können. Dafür gibt es eWatch CyberSleuth. Versprochen wird, dass man denjenigen identifiziert, der hinter unliebsamen Postings in Newsgroups, verbrecherischen Websites oder Hackversuchen steht, aber auch versucht, "die online veröffentlichte Information zu neutralisieren", indem man die Mitteilung entfernt oder die Website schließt, auch wenn es sich nicht um strafrechtlich verfolgbare Dinge handelt.