Lebenserwartung: Schlafdauer ist nach Rauchen der wichtigste Faktor

Ein Mensch schläft neben einer Katze auf einem Bett

Mehr als nur eine gute Nacht: Eine neue Studie zeigt, dass die Schlafdauer einer der wichtigsten Schlüssel für ein langes Leben sein könnte.

(Bild: zhukovvvlad/Shutterstock.com)

Zu wenig Schlaf verkürzt das Leben. Eine US-Studie zeigt: Die Schlafdauer ist nach dem Rauchen der stärkste verhaltensbedingte Prädiktor für Lebenserwartung.

Wer regelmäßig weniger als sieben Stunden pro Nacht schläft, lebt im Schnitt kürzer – und das unabhängig davon, ob er in einer wohlhabenden Stadt oder einer armen Landgemeinde wohnt, ob er krankenversichert ist oder nicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Sleep, Chronobiology, and Health Laboratory der Oregon Health & Science University (OHSU), die im Dezember 2025 in der Fachzeitschrift Sleep Advances veröffentlicht wurde.

Die Untersuchung analysierte Daten aus dem sogenannten Behavioral Risk Factor Surveillance System (BRFSS) der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC – einem monatlichen Telefonsurvey, der seit Jahren Gesundheitsverhalten auf Landkreisebene erfasst.

Für die Studie wurden Daten aus den Jahren 2019 bis 2025 aus allen 3.143 Landkreisen der USA ausgewertet. Damit handelt es sich um eine der umfangreichsten Analysen zum Zusammenhang zwischen Schlafdauer und Lebenserwartung auf lokaler Ebene, die bislang durchgeführt wurde.

Rauchen schlägt Schlaf – aber kaum etwas sonst

Die Forscher um Hauptautor Andrew McHill untersuchten, wie stark verschiedene Verhaltensweisen mit der Lebenserwartung auf Landkreisebene zusammenhängen – darunter körperliche Inaktivität, Ernährungsunsicherheit, Arbeitslosigkeit, Schulabschluss, Krankenversicherungsstatus und soziale Einbindung. Als Schwellenwert für unzureichenden Schlaf galt weniger als sieben Stunden Schlaf pro 24-Stunden-Periode, wie von der American Academy of Sleep Medicine und der Sleep Research Society empfohlen.

Das Ergebnis: Schlafdauer war nach dem Rauchen der stärkste verhaltensbedingte Faktor für die Lebenserwartung. In einem statistischen Modell, das all diese Variablen gleichzeitig berücksichtigte, zeigte unzureichender Schlaf einen Koeffizienten von minus 0,17 – Rauchen lag bei minus 0,31.

Körperliche Inaktivität oder schlechte Ernährung schnitten schwächer ab. In einem zweiten Modell, das zusätzlich Adipositas und Diabetes einbezog – beides Zustände, die sowohl Ursache als auch Folge von Schlafmangel sein können –, blieb der Zusammenhang zwischen unzureichendem Schlaf und niedrigerer Lebenserwartung statistisch hochsignifikant.

"Ich hatte nicht erwartet, dass unzureichender Schlaf so stark mit der Lebenserwartung korreliert", sagte McHill nach Veröffentlichung der Studie . "Wir haben immer gewusst, dass Schlaf wichtig ist, aber diese Forschung unterstreicht das wirklich: Menschen sollten, wenn irgend möglich, sieben bis neun Stunden Schlaf anstreben."

Kaum ein Bundesstaat ohne Zusammenhang

Die Analyse zeigte zudem, dass der Zusammenhang zwischen Schlafmangel und niedrigerer Lebenserwartung in nahezu allen US-Bundesstaaten statistisch nachweisbar war. Im Jahr 2025 wiesen alle Bundesstaaten bis auf drei diesen Zusammenhang auf. In den Vorjahren war der Befund ähnlich konsistent: 2019 zeigten 84 Prozent der Bundesstaaten eine signifikante Assoziation, 2024 waren es 100 Prozent.

Zur Veranschaulichung diente unter anderem der Bundesstaat Oregon: Landkreise mit niedrigerem Anteil an Kurzschläfern wiesen dort systematisch höhere Lebenserwartungswerte auf als Landkreise mit höherem Anteil. Dieses Muster wiederholte sich landesweit.

Die Forscher verwendeten sogenannte gemischte Effektmodelle – ein statistisches Verfahren, das es erlaubt, die Verschachtelung von Daten zu berücksichtigen: Landkreise liegen innerhalb von Bundesstaaten, und die Beobachtungen erstrecken sich über mehrere Jahre. Dieses Vorgehen erhöht die Robustheit der Ergebnisse gegenüber einfacheren Regressionsanalysen.

Kein kausaler Beweis, aber ein starkes Signal

Die Studie ist rein beobachtend angelegt. Das bedeutet: Sie kann nicht beweisen, dass Schlafmangel direkt Jahre von der Lebenserwartung abzieht.

Wechselwirkungen zwischen Schlaf, Ernährung und Bewegung lassen sich auf dieser Datenbasis nicht vollständig entwirren. Auch fehlen im verwendeten Datensatz Informationen zu Schichtarbeit, Schlafstörungen wie Schlafapnoe oder psychiatrischen Diagnosen – Faktoren, die den Zusammenhang weiter erklären könnten.

Ein weiterer methodischer Hinweis: Im BRFSS-Datensatz werden Personen, die mehr als sieben Stunden schlafen, gemeinsam erfasst – also sowohl Menschen mit gesunder Schlafdauer als auch sogenannte Langschläfer, bei denen übermäßig langer Schlaf seinerseits mit gesundheitlichen Risiken verbunden ist. Würde man Langschläfer separat ausweisen, würden die beobachteten Zusammenhänge den Angaben der Forschenden zufolge wahrscheinlich noch stärker ausfallen.

Auch die Covid-19-Pandemie könnte die Daten beeinflusst haben: Studien zeigen, dass sich Schlafdauer und Schlafzeiten während der Lockdowns weltweit verändert haben. Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen Schlafmangel und Lebenserwartung auch in den Pandemiejahren stabil blieb.

Öffentliche Gesundheit auf Landkreisebene

McHill und sein Team betonen, dass die Aufschlüsselung auf Landkreisebene gezielt lokale Maßnahmen ermöglichen könnte. "Diese Forschung zeigt, dass wir Schlaf mindestens genauso priorisieren müssen wie Ernährung oder Bewegung", so McHill. "Eine gute Nacht verbessert nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch die Lebenserwartung."

Dass der Zusammenhang unabhängig von Einkommen, Krankenversicherungsstatus oder geografischer Lage – also städtisch oder ländlich – nachweisbar ist, macht ihn aus Sicht der Forscher besonders relevant für die öffentliche Gesundheitspolitik. Schlaf sei ein veränderbares Verhalten, das prinzipiell in allen Bevölkerungsgruppen adressiert werden könne – auch dort, wo Zugang zu medizinischer Versorgung oder gesunder Ernährung eingeschränkt ist.

Die Studie wurde durch Mittel der National Institutes of Health sowie der Oregon Health & Science University finanziert. Die Daten sind öffentlich zugänglich über das Portal County Health Rankings.