Wehrpflicht-Fragebogen: Welche Angaben Pflicht sind und wo Vorsicht geboten ist
Bundeswehrsoldaten auf dem Weg zur Kaserne: Was beinhaltet der neue Wehrdienst-Fragebogen für 18-Jährige?
(Bild: Mo Photography Berlin/Shutterstock.com)
Schon bei Interesse-Stufe 1 statt 0 gilt man als potenzieller Rekrut – und muss Kontaktdaten hinterlassen. Welche Daten sind wirklich Pflicht?
Seit dem 1. Januar 2026 erhalten alle 18-Jährigen in Deutschland einen Brief des Verteidigungsministeriums, in welchem die sogenannte Bereitschaftserklärung für den Wehrdienst enthalten ist. Über den Ablauf der Befragung, die Folgen eines Ignorierens des Fragebogens, des Eignungstests und der Musterung schrieb bereits Uwe Kerkow an dieser Stelle.
Doch was steht genau drin? Was wird der Jahrgang 2008 gefragt? Welche Annahmen und Interessen stecken hinter den Fragen? Wo verbergen sich Fallstricke, wo ist besondere Vorsicht geboten?
Der Fragebogen beginnt bereits mit einer inhaltlichen Setzung. Eingeblendet wird das Werbeplakat mit der Aufforderung "Mach, was wirklich zählt" und der Begründung "Weil wir wissen, was auf dem Spiel steht".
Interesse an Daten
Im Fragebogen für Wehrpflichtige fragt die Bundeswehr unter anderem das Geschlecht und den Familienstand ab. Sämtliche Staatsangehörigkeiten müssen angegeben werden. Auch die aktuelle Adresse ist eine Pflichtangabe im Fragebogen. Männer müssen den Bogen beantworten, für Frauen ist er freiwillig.
Der letzte angestrebte beziehungsweise erreichte Bildungsabschluss ist ebenfalls eine Pflichtangabe. Dies begründet die Bundeswehr damit, dass sie "eine Vielzahl von Tätigkeiten" anbiete, "welche unterschiedliche Qualifikationen und Interessen" voraussetzten – um "einschätzen zu können, welche Tätigkeiten zu Ihnen passen können." Das gleiche gilt für Berufsausbildungen, den Bereich der Berufsausbildungen sowie Qualifikationen wie Fahrerlaubnisse und Fremdsprachen.
Ebenfalls angegeben werden müssen die Körpergröße, das Körpergewicht und anerkannte Schwerbehinderungen. Dies begründet die Bundeswehr damit, dass die "Verwendung in den Streitkräften […] an bestimmte körperliche Voraussetzungen gebunden sein" könne. Körpergröße und Körpergewicht setzen "beispielsweise während des Einsatzes in Fahrzeugen oder Booten, eine natürliche Grenze".
Die Befragten müssen ferner eine Selbsteinschätzung ihres "Fitnesslevels" abgeben. Die Antwortmöglichkeiten lauten "sehr gut", "gut", "mittel", "gering" und "obwohl ich kaum oder keinen Sport betreibe, fühle ich mich fit."
Begründet wird dies damit, dass "die Ausbildung zur Soldatin / zum Soldaten […] ein Mindestmaß an körperlicher Fitness" erfordere, welches allerdings "in der Regel durch die militärische Ausbildung nochmals verbessert" werde. Die Frage sei dafür da, "Ihre Eignung für die militärische Ausbildung einschätzen zu können". Ferner ermögliche die Angabe "eine gezieltere Einplanung im Hinblick auf mögliche Verwendungen".
Auffälligerweise wird auch danach gefragt, ob der Befragte einen weiteren Wehrdienst in einem anderen Staat ableisten muss oder das bereits getan hat. Begründet wird dies wie folgt:
"Die Bundeswehr braucht Menschen, die ggf. bereit und in der Lage sind, unser Land gegenüber Aggressoren anderer Staaten zu verteidigen. Hierbei kann es insbesondere zu Ihrem eigenen Schutz wichtig sein, ob Sie bereits Wehrdienst in einem anderen Staat leisten, geleistet haben bzw. sich dazu verpflichtet habe." Im Anschluss wird die Frage gestellt: "Für welchen Staat?"
Suggestiv- und Fangfragen
Die folgenden Fragen zielen stärker auf die Einsatzbereitschaft und -möglichkeiten des Befragten ab. Zunächst wird eine eigene Bewertung des "Interesses am Dienst als Soldatin oder Soldat" gefordert. Die Bewertungsskala reicht von 0 bis 10. 0 bedeutet hierbei: "Ich habe kein Interesse." Die Ziffern 1 bis 9 bedeuten für die Bundeswehr: "Ich kann es mir vorstellen, Soldatin oder Soldat zu werden." Die 10 bedeutet: "Ich möchte unbedingt Soldatin oder Soldat werden."
Wird die Ziffer 0 angekreuzt, wird der Fragebogen "an der Stelle beendet und müsste nur noch abgeschickt werden". Bei 1 bis 10 "wird nun gebeten, zum Zweck der schnellen Kontaktaufnahme zwischen Personalgewinnung und Interessent eine E-Mail-Adresse oder Telefonnummer anzugeben." Dies ist dann eine Pflichtangabe.
Mit anderen Worten: Nur, wer auf einer Skala von 0 bis 10 klar mit 0 angibt, dass er kein Interesse am Wehrdienst hat, muss die folgenden Fragen nicht mehr beantworten und keine weiteren Kontaktdaten hinterlassen. Wer nur geringe Zweifel daran hegt, dass er oder sie nicht Soldatin oder Soldat werden möchte, muss für eine weitere Kontaktaufnahme der Bundeswehr bereit sein.
Darauffolgend wird die mögliche Dauer eines Wehrdienstes abgefragt. Angekreuzt werden können "Ich bin vollkommen flexibel", "6 Monate", "7-11 Monate", "12-23 Monate", "2-4 Jahre", "4-6 Jahre", ">6 Jahre" oder "ich weiß es noch nicht".
Mindestdauer eines Wehrdienst sind hierbei sechs Monate. Ab 12 Monaten Wehrdienst ist ein Auslandseinsatz des Soldaten möglich. Bis zu 24 Monaten kann ein Wehrdienst andauern. Längere Dienstdauern bedeuten die Vereidigung als Zeitsoldat. Die Dauer von mehr als sechs Jahren ist vor allem für Offizierslaufbahnen und Studiengänge der Bundeswehr relevant. Auch der mögliche Beginn ist eine Pflichtangabe.
Ohne ausführliche Information, Debatte und Möglichkeit zur Zurücknahme werden die Befragten darum gebeten, ihren möglichen Dienstzeitraum und -beginn anzugeben.
Schließlich wird von den Ausfüllenden des Fragebogens noch der bevorzugte "Einsatzbereich" abgefragt. Wahlmöglichkeiten sind hierbei das Heer, die Luftwaffe, die Marine, der Cyber- und Informationsraum sowie der Unterstützungsbereich, zu welchem der Sanitätsdienst, die Logistik, die Feldjäger, das Wachbataillon, die ABC-Abwehr und die zivil-militärische Zusammenarbeit gehören.
Die Waffengattungen werden in Ein- bis Zweizeilern vorgestellt, so etwa das Heer als "Rückgrat der Landstreitkräfte" und "Träger von Landoperationen", die Luftwaffe als "verantwortlich für die Sicherung des deutschen Luftraums und den Lufttransport", die Marine als "weltweit auf See im Einsatz – zum Schutz von Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern, zur Konfliktverhütung und Krisenbewältigung, für humanitäre Hilfe und zur Verteidigung".
Unhinterfragte Grundannahmen
Erstmals seit Aussetzung der Wehrpflicht im Jahre 2011 wird wieder eine militärische Musterung des Jahrgangs der kommenden 18-Jährigen durchgeführt. Deutlich wird ein umfangreiches Interesse an Daten, betreffend unter anderem den Ausbildungs- und Fitnessstand und die Wehrverpflichtung gegenüber anderen Staaten.
Noch einmal: Wer nach Bearbeitung des Fragebogens in Ruhe gelassen werden möchte, muss klar mit 0 angeben, dass er oder sie kein Interesse hat. Schon kleine Zweifel am eigenen Entschluss, ausgedrückt beispielsweise mit der Ziffer 1, werden von der Bundeswehr als ein mögliches Ja gedeutet und führen zu weiteren Kontaktaufnahmen. Wer dies tut, soll aus dem Stegreif auch gleich über die Dauer des Einsatzes und bevorzugte Waffengattungen Bescheid wissen.
Als selbstverständliche Grundannahme des Fragebogens gilt, dass die Bundeswehr eine Verteidigungsarmee sei. Ihr Umbau zu einer globalen Interventionsarmee und ihre Einbindung in militärische Abschreckungsmanöver – die anderen Staaten auch als Drohung gelesen werden können – wird hier nicht thematisiert.
Seit Anfang des Jahres ist die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung um mehr als 70 Prozent gestiegen. Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigung der Kriegsdienstverweigerer stellt ferner eine erhöhte Nachfrage nach ihren Beratungsangeboten für Betroffene fest. Derweil kündigt das Bündnis "Schulstreik gegen Wehrpflicht" einen weiteren Aktionstag am 5. März an.
In der Zwischenzeit empfiehlt es sich, den Fragebogen gründlich zu lesen, die konkreten Arbeitsbedingungen im Internet zu recherchieren und seine Haltung zur militärischen Dienstbereitschaft lieber deutlich als vage anzugeben.