Rassvet: Moskaus Antwort auf Starlink ist im Orbit

Raketenstart im dunkeln

Start der ersten 16 Satelliten am 23. März an Bord einer Sojus-2 Rakete

(Bild: Russisches Verteidigungsministerium/Spacevoyaging)

16 Satelliten sollen der Beginn von Russlands Antwort auf Starlink werden. Auch eine militärische Nutzung ist geplant. Ein Überblick.

Russland hat den Startschuss für ein eigenes Breitband-Internet aus dem Weltraum gegeben. Am Montagabend hob eine Sojus-2-Rakete vom militärischen Kosmodrom Plessezk ab und brachte 16 Satelliten der sogenannten Rassvet-Konstellation in eine Umlaufbahn. Der Start erfolgte ohne vorherige Ankündigung – ursprünglich war der 19. März als Starttermin vorgesehen gewesen.

Wie das Unternehmen Bjuro 1440 auf Telegram mitteilte, hätten alle Satelliten ihre Referenzumlaufbahn erreicht und seien erfolgreich vom Trägerraketen getrennt worden. Sie stünden nun unter der Kontrolle des firmeneigenen Missionskontrollzentrums.

"Der Start der ersten Satelliten in der Zielkonstellation markiert den Übergang von Experimenten zur Schaffung eines Kommunikationsdienstes", erklärte das Unternehmen. Als nächste Schritte stünden die Überprüfung der Bordsysteme und die Verlagerung in die endgültige Umlaufbahn in rund 800 Kilometern Höhe an.

Vom Experiment zum operativen Betrieb

Bjuro 1440 wurde 2020 gegründet und gehört zum Industrieverbund der russischen Holding IKS. Das Ziel des Unternehmens ist es, ein Netzwerk aus Hunderten Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn aufzubauen, das schnellen Internetzugang ermöglicht – ein Konzept, das dem von Elon Musks Starlink ähnelt, wenngleich in deutlich kleinerem Maßstab.

Vor dem jetzigen Start hatte das Unternehmen bereits mehrere Testmissionen durchgeführt, wie das Portal SpaceVoyaging berichtet. Im Juni 2023 wurden drei Rassvet-1-Satelliten mit einem Gewicht von jeweils rund 80 Kilogramm ins All geschickt, um Kommunikationssysteme und Bordtechnologien zu erproben.

Wenige Monate später vermeldete Bjuro 1440, Russlands ersten Internetanruf über Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn durchgeführt zu haben. Die dabei gemessenen Datenraten waren mit etwa 12 Mbit/s im Download und 7 Mbit/s im Upload noch bescheiden, reichten aber aus, um die grundsätzliche Funktionsfähigkeit des Systems nachzuweisen.

Im Mai 2024 folgte die Rassvet-2-Mission mit drei weiteren Testsatelliten, bei der unter anderem die Kommunikation zwischen Satelliten sowie fortgeschrittene Netzwerktechnologien erprobt wurden. Im Vollbetrieb soll die Konstellation Datenraten von 50 Mbit/s bis zu 1 Gbit/s im Download ermöglichen.

Ambitionierte Pläne, aber viele Hürden

Die ursprünglichen Pläne sahen rund 900 Satelliten bis 2035 vor. In jüngerer Zeit hat das Unternehmen diese Zahl auf etwa 737 Raumfahrzeuge reduziert, ohne dabei Abstriche bei der geplanten Abdeckung machen zu wollen. Bis zum Start kommerzieller Dienste sollen rund 250 Satelliten im Orbit sein. "Vor uns liegen Dutzende Starts und Hunderte von Satelliten", so Bjuro 1440.

Bereits der jetzige Start hatte sich verzögert: Ursprünglich für Ende 2025 geplant, musste er wegen Schwierigkeiten bei der Produktion und Montage der Satelliten auf 2026 verschoben werden. Vom ersten experimentellen Start bis zum Einsatz der ersten operativen Satellitengruppe vergingen laut Unternehmensangaben 1.000 Tage.

Geopolitischer Kontext und militärische Dimension

Das Projekt ist Teil der umfassenderen russischen Bestrebungen, ein souveränes Satelliten-Internetnetz aufzubauen. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, haben russische Regierungsvertreter das Vorhaben als einheimische Alternative zu Starlink dargestellt.

Die Entwicklung ist dabei nicht nur zivil motiviert: Laut dem russischen Nachrichtensender RT hat sich das ursprünglich kommerzielle Projekt zuletzt stärker auf militärische Zwecke verlagert, insbesondere auf die Bereitstellung von Kommunikationsmitteln für russische Truppen.

Der militärische Hintergrund ist eng mit dem Krieg in der Ukraine verknüpft. Starlink spielt dort eine zentrale Rolle für die ukrainische Kommunikationsinfrastruktur. Laut Bloomberg sind ukrainische Behörden im Februar dazu übergegangen, in Zusammenarbeit mit SpaceX ein sogenanntes Whitelist-System einzuführen, das legitime ukrainische Terminals aktiv hält und gleichzeitig nicht autorisierte russische Geräte blockiert. Dies habe bei einigen Einheiten der russischen Armee zu erheblichen Kommunikationsproblemen geführt.