SAMP/T NG: Warum die Schweiz und 14 Staaten die Patriot-Alternative prĂĽfen
Das SAMP/T NG-System, eine Alternative zum Patriot-Flugabwehrsystem, wird von mehreren europäischen Staaten geprüft.
(Bild: Eurosam)
Weil US-Lieferungen für das Patriot-System bis in die 2030er-Jahre stocken, weichen europäische Staaten auf das neue SAMP/T NG aus.
Das europäische Raketenabwehrsystem SAMP/T NG entwickelt sich zum ernsthaften Konkurrenten für den US-amerikanischen Patriot – bislang der Goldstandard westlicher Luftverteidigung.
Wie Bloomberg berichtet [1], verhandelt Hersteller Eurosam, ein Gemeinschaftsunternehmen von MBDA und Thales, derzeit mit Kuwait und Ungarn ĂĽber konkrete Lieferpakete.
Rund 15 Länder befassen sich demnach aktiv mit dem System, darunter die Schweiz und Estland.
Der Hintergrund: Patriot-Batterien von RTX (ehemals Raytheon) und Lockheed Martin sind weltweit so gefragt, dass neue Kunden teils Jahre auf Lieferungen warten. Die Schweiz etwa bestellte 2022 fĂĽnf Patriot-Systeme mit geplanter Auslieferung ab 2026.
Inzwischen verschiebt sich der Zeitrahmen weit in die 2030er Jahre – bei steigenden Kosten. RTX investiere zwar in zusätzliche Kapazitäten, nenne aber weder konkrete Stückzahlen noch Termine, so Bloomberg.
Schnellere Lieferung, europäische Kontrolle
Genau hier setzt Eurosam an. Das Unternehmen hat die Produktion hochgefahren und kann heute bestellte SAMP/T NG-Einheiten schneller ausliefern als vergleichbare Patriot-Bestellungen.
Dänemark gab bereits im September 2025 bekannt [2], sich für SAMP/T-NG entschieden zu haben. Im April 2026 unterzeichnete Dänemark [3] als erstes Exportland den Vertrag; die Auslieferung ist für 2028 geplant. Auch Luxemburg hat sich inzwischen für das System entschieden.
Kopenhagen begrĂĽndete die Entscheidung laut Bericht mit dem Wunsch nach einer in Europa hergestellten Luftverteidigung gegen die Bedrohung durch Russland.
Frankreich und Italien erhielten die ersten Systeme im vergangenen Jahr zur operativen Bewertung [4]. Paris orderte zudem sieben weitere Einheiten [5] und wird damit ĂĽber acht SAMP/T-NG-Sektionen verfĂĽgen.
Die Produktion der zugehörigen Aster-Abfangraketen soll sich 2026 auf etwa 180 Stück verdoppeln und 2027 die Marke von 300 pro Jahr überschreiten.
Ground Fire und Aster B1NT als technische KernstĂĽcke
Technisch setzt SAMP/T NG auf das volldigitale AESA-Radar Ground Fire von Thales. Es liefert eine 360-Grad-Panoramaabdeckung mit bis zu 400 km Reichweite und einer Aktualisierungsrate von nur einer Sekunde.
Das Radar erkennt und verfolgt Drohnen, Kampfflugzeuge und ballistische Raketen gleichzeitig – auch in komplexem Gelände oder dichtem Luftverkehr.
Das Herzstück der Bewaffnung bildet die neue Aster 30 B1NT, ein zweistufiger Lenkflugkörper mit etwa 150 km Reichweite [6] und der Fähigkeit, ballistische Raketen mit einer Reichweite von bis zu 1.500 km abzufangen [7].
Erfolgreiche Systemtests in Sardinien und Südfrankreich bestätigten im Dezember 2025 die erweiterten Fähigkeiten gegen manövrierfähige, getarnte und schnelle Ziele.
Die Besonderheit der Aster-Raketen liegt in ihrer kombinierten Steuerung aus aerodynamischen Flächen und seitlichen Schubdüsen am Schwerpunkt. Diese ermöglicht extreme Agilität im gesamten Abfangbereich – ein Vorteil besonders in großer Höhe gegen ballistische Ziele.
Patriot bleibt Referenz – vorerst
Trotz der wachsenden Konkurrenz genieĂźt Patriot weiterhin einen Vorsprung: jahrzehntelange Kampferprobung, tiefe Nato-Integration und ein globales Ă–kosystem aus Ersatzteilen, Training und Software-Updates.
Deutschlands Generalinspekteur Carsten Breuer machte die Haltung der Bundeswehr gegenĂĽber Bloomberg deutlich: Man verlasse sich "ohne Zweifel" auf Patriot, suche aber parallel nach Alternativen. Ein Systemwechsel sei komplex, weil neben Raketen auch Radare, Logistik und Ausbildung angepasst werden mĂĽssten.
Eurosam positioniert SAMP/T NG derweil gezielt als "blockunabhängige" Lösung. Für Staaten wie die Türkei oder die Vereinigten Arabischen Emirate sei das System attraktiv, weil es weder US-amerikanischer noch chinesischer Kontrolle unterliege, erklärte der Analyst Yohann Michel vom Institut für Strategische und Verteidigungsstudien (IESD) der Universität Lyon 3 gegenüber Bloomberg. Für Europäer sei es schlicht "eine Frage der Souveränität".
Ob die europäische Produktionskapazität mit der Nachfrage Schritt hält, bleibt allerdings offen. Die Erfahrungen aus der Ukraine und dem Iran-Konflikt zeigen, wie rasch Raketenbestände aufgebraucht werden können.
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Links in diesem Artikel:
- https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-06-15/europe-s-alternative-to-patriot-missile-is-finding-more-buyers
- https://www.thalesgroup.com/da/news-centre/press-releases/det-danske-forsvar-har-valgt-samp/t-ng
- https://www.aerotime.aero/articles/denmark-samp-t-ng-first-export-contract
- https://www.mbda-systems.com/successful-firings-sampt-ng-long-range-air-defence-systems
- https://www.thalesgroup.com/fr/actualites-du-groupe/communiques-de-presse/thales-contribue-la-production-de-sept-sections-de-samp
- https://www.defense.gouv.fr/en/aster-30-b1nt-missile
- https://www.deagel.com/weapons/aster/a001130
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