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Ukraine fordert 20 Milliarden: "Wollen, dass Russland noch stärker brennt"

Drohne mit Soldaten im Hintergrund

(Bild: Dmytro Sheremeta/Shutterstock.com)

Kiew verlangt von den Verbündeten Milliarden für Fernschläge. Das Ziel ist es, die russische Wirtschaft und Frontlogistik zu zerstören.

Die Ukraine fordert von ihren Verbündeten weitere 20 Milliarden US-Dollar an Militärhilfe. Mit diesen Geldern soll der vermeintliche Vorteil, den die Ukraine aktuell auf dem Schlachtfeld genießt, ausgebaut werden.

Das Geld soll beim Treffen der sogenannten Ukraine Defense Contact Group am 18. Juni im Ramstein-Format beantragt werden, wie Politico unter Berufung auf einen hochrangigen ukrainischen Verteidigungsbeamten [1] berichtet.

"Jeder sieht, dass Russland brennt, und wir wollen, dass es noch stärker brennt, aber dafür brauchen wir finanzielle Mittel", sagte der Beamte gegenüber Politico.

Die einzelnen Verbündeten sollen jeweils zwischen 2 und 6 Milliarden Dollar beitragen – als Hilfe oder als Darlehen.

Laut Bericht haben sich die Partnerländer für dieses Jahr bereits zu 38 Milliarden Dollar Militärhilfe verpflichtet. Mit den zusätzlichen 20 Milliarden käme die Ukraine nahe an die von Nato-Generalsekretär Mark Rutte angestrebten 60 Milliarden Dollar bilateraler Unterstützung.

Der ukrainische Verteidigungsetat liegt bereits bei 4,4 Billionen Hrywnja – rund 85 Milliarden Euro und etwa 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, der höchste Anteil weltweit.

18 Raffinerien getroffen, Moskauer Pipeline-Ring beschädigt

Als Beleg für die Wirksamkeit bisheriger Investitionen legte das ukrainische Verteidigungsministerium seinen Mai-Bericht über Operationen [2] weit hinter der russischen Grenze vor. Demnach trafen ukrainische Drohnen und Raketen mindestens 18 große Ölraffinerien und Kraftstoffanlagen in über zehn russischen Regionen – der weiteste Schlag reichte 1.700 Kilometer ins russische Hinterland.

Zu den strategisch bedeutendsten Zielen zählt die Raffinerie Kirishi im Gebiet Leningrad. Mit einer Verarbeitungskapazität von 20 bis 21 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr macht sie allein über 6 Prozent der gesamten russischen Raffineriekapazität aus.

In der Oblast Moskau traf ein Präzisionsangriff die Pumpstation Solnechnogorskaya, einen kritischen Knotenpunkt des Pipeline-Rings, der die Moskauer Flughäfen Scheremetjewo, Domodedowo und Wnukowo mit Treibstoff versorgt.

Parallel attackierten die ukrainischen Streitkräfte Tanker der russischen Schattenflotte im Schwarzen und im Asowschen Meer – Schiffe, die unter Umgehung westlicher Sanktionen Rohöl exportierten und dem russischen Staat Kriegseinnahmen verschafften.

Patriot-Raketen, FPV-Drohnen und industrielle Skalierung

Die zusätzlichen Milliarden sollen laut dem Politico-Bericht in Luftabwehr, Drohnen, Munition, elektronische Kriegsführung und Langstreckenwaffen fließen.

Konkret verhandelt Kiew mit Berlin ĂĽber die beschleunigte Lieferung von PAC-3-Raketen fĂĽr Patriot-Systeme ĂĽber den JUMPSTART-Mechanismus sowie ĂĽber IRIS-T-Munition und die sogenannte Prioritised Ukraine Requirements List (PURL), wie das ukrainische Verteidigungsministerium mitteilte [3].

Mit Frankreich geht es [4] um Radarsysteme, Aster-30-Raketen und mögliche SAMP/T-NG-Lieferungen.

Lettland engagiert sich [5] in der Drohnenkoalition und stellt 0,25 Prozent seines BIP fĂĽr die Ukraine bereit.

Neben westlicher Technik setzt Kiew zunehmend auf in der Ukraine hergestellte glasfasergesteuerte FPV-Drohnen und will die heimische RĂĽstungsproduktion mit EU-Darlehensmitteln skalieren.

Parallel hat Selenskyj laut [6] Reuters eine Solderhöhung angekündigt. Der Grundlohn für Soldaten steigt um ein Drittel auf 30.000 Hrywnja. Infanteristen an der Front sollen künftig durchschnittlich 300.000 Hrywnja monatlich erhalten – umgerechnet rund 7000 US-Dollar.

Neue befristete Verträge für Kampfeinsätze, die über 10, 14 oder 24 Monate laufen, sollen die Rekrutierung flexibilisieren. Finanziert wird das indirekt auch über ein EU-Darlehen (Gesamtrahmen: 90 Milliarden Euro, für 2026 zunächst bis zu 45 Milliarden freigegeben), das ab dem zweiten Quartal 2026 ausgezahlt werden soll.

Das Zeitfenster schlieĂźt sich

Hinter der Dringlichkeit steht ein strategisches Kalkül: Die Ukraine sieht ein Zeitfenster von sechs bis acht Monaten, in dem sie die Initiative hält. Russlands Vormarsch kam im Mai praktisch zum Erliegen, während Mittelstreckendrohnen die Frontlogistik störten und Langstreckenangriffe den Energiesektor trafen.

Der Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, Robert Brovdi, erklärte gegenüber Reuters, die Produktionskapazitäten und Besatzungen reichten aus, "um der russischen Wirtschaft verheerende Schläge zu versetzen und ihre Logistik lahmzulegen".

Doch die Finanzierungsbasis bröckelt an anderer Stelle: Die Prager Artillerie-Initiative verlor seit Dezember die Hälfte ihrer Geberländer [7] – neun von ehemals 18 Staaten stiegen aus dem Programm aus, das bislang 4,4 Millionen Schuss schwerer Artilleriemunition lieferte.

Ob die 20-Milliarden-Forderung diese LĂĽcke schlieĂźen kann, wird sich beim Nato-Gipfel im Juli in Ankara zeigen, an dem Selenskyj am Rande teilnehmen will.

Moskau reagierte erwartbar. Außenamtssprecherin Maria Sacharowa nannte die Forderung "politische Selbstverletzung". Putin erklärte vergangene Woche, er sehe kein Risiko für die russische Wirtschaft – räumte aber ein, dass ukrainische Angriffe Schaden anrichteten.

Ob die Verhandlungsbereitschaft beider Seiten ausreicht, um den Krieg am Tisch zu beenden, bleibt offen. Analysten sehen zwar Wege zum Frieden, bezweifeln aber den politischen Willen [8] in Berlin wie BrĂĽssel.


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https://www.heise.de/-11331365

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.politico.eu/article/exclusive-ukraine-to-ask-for-20-billion-emergency-defense-aid-at-rammstein-to-finish-off-russia/
  2. https://mod.gov.ua/en/news/long-range-sanctions-reach-moscow-region-oil-refineries-keep-burning-results-of-deep-strike-operations-in-may
  3. https://mod.gov.ua/en/news/ukraine-and-germany-step-up-efforts-to-accelerate-the-delivery-of-air-defence-munitions
  4. https://mod.gov.ua/en/news/ukraine-and-france-step-up-efforts-to-strengthen-air-defence-with-radars-and-aster-30-missiles
  5. https://mod.gov.ua/en/news/ukraine-and-latvia-expand-cooperation-on-drones-and-counter-drone-solutions
  6. https://www.reuters.com/world/ukraine-hikes-military-pay-seeks-more-foreign-fighters-zelenskiy-says-2026-06-12/
  7. https://www.heise.de/tp/article/Ukraine-Haelfte-der-Geberlaender-steigt-aus-Prager-Initiative-aus-11310410.html
  8. https://www.heise.de/tp/article/Ukraine-Krieg-Frieden-moeglich-Wille-fraglich-11299420.html