Deutsche UniversitÀten: Mehr Abstand zu China
Schloss Erlangen, Sitz der UniversitÀtsleitung. Bild: Selby, CC BY-SA 3.0
Keine Promotionsstipendiaten aus China mehr an der Uni Erlangen. Furcht vor studentischer Wirtschaftsspionage. Was aber wird aus kulturellem Austausch?
In Franken geht die Angst vor der gelben Gefahr um: China, so heiĂt es, sei eine Bedrohung fĂŒr die heimische Wirtschaft.
Die Folge: Wer vom chinesischen Staat ein China Scholarship Council-Stipendium erhĂ€lt, wird seine Promotion vorerst nicht mehr an der Friedrich-Alexander-UniversitĂ€t Erlangen-NĂŒrnberg (FAU) realisieren können. Von den chinesischen Stipendiaten werde Treue zur chinesischen Regierung erwartet, was fĂŒr Deutschland ein Sicherheitsrisiko darstelle, heiĂt es zur BegrĂŒndung.
Bei Personen, die ihr Studium "ĂŒber Institutionen mit Reputation und Verankerung im demokratischen System" kofinanzierten, sieht die FAU hingegen "keine GrĂŒnde fĂŒr eine Ablehnung [1]".
Es ist noch gar nicht so lange her, da hatte man in Deutschland die Hoffnung, dass man mit der akademischen Ausbildung auch deutsche Kultur, Werte und eine spezifische Denkweise ins Heimatland der jeweiligen Studenten exportieren könne.
Zudem wollte man die Auslandsstudenten als Botschafter deutscher Unternehmen in ihren HeimatlÀndern gewinnen, die dort den Kauf deutscher Produkte forcieren sollten.
In vielen FÀllen war man mit dieser Strategie erfolgreich und hat die jeweiligen LÀnder davon abgehalten, wirtschaftliche Strukturen aufzubauen, die mit deutschen Herstellern hÀtten in Wettbewerb treten können.
Im Vorfeld dieser AktivitĂ€ten hatte man die inzwischen 158 Goethe-Institute in 98 LĂ€ndern etabliert. In China gibt es diese Institute jeweils in Shanghai und in Beijing (Peking). Das Budget des Goethe-Instituts mit Hauptsitz in MĂŒnchen [2] wird vor allem vom AuswĂ€rtigen Amt finanziert.
Dass man sich in der Volksrepublik China an dem deutschen Vorbild orientierte, als man die Konfuzius-Institute errichtete, lĂ€sst sich nicht von der Hand weisen. Betrachtet man die jĂŒngere deutsch-chinesische Geschichte, wundert es allerdings nicht, dass man China nun daraus einen Vorwurf macht.
Beendigung der Zusammenarbeit mit Konfuzius-Instituten
In Deutschland gibt es derzeit (Juni 2023) 19 Konfuzius-Institute, die mehrheitlich an Hochschulen angesiedelt sind. Dort werden Sprachkurse und Veranstaltungen zu chinesischer Kultur und Geschichte angeboten.
Nach dem Wunsch der deutschen Politik sollen die chinesischen Konfuzius-Institute an deutschen UniversitĂ€ten schlieĂen, weil man in ihnen ein Sicherheitsrisiko [3] sieht.
Als Problem begreift man in Berlin die Tatsache, dass die Konfuzius-Institute letztlich dem chinesischen Bildungsministerium unterstellt sind. Der deutsche Inlandsgeheimdienst stuft die Einrichtungen als ein Instrument der politischen Einflussnahme ein. Im Bereich von Bildung und Forschung drohten Chinas AktivitÀten und Kooperationsformate "die akademische Freiheit zu unterminieren".
Entsprechend besorgt reagiert die Bundesregierung, die in erster Linie den direkten Einfluss der kommunistischen Partei sieht. Die Unis in Frankfurt, Hamburg, DĂŒsseldorf und Trier sind dem Wunsch aus Berlin inzwischen nachgekommen und haben die Zusammenarbeit mit den Konfuzius-Instituten inzwischen beendet oder zumindest gelockert.
Das Innenministerium unter Ministerin Nancy Faeser (SPD) sieht die Kooperationen aus Sicherheitsgesichtspunkten Ă€uĂerst kritisch. Auch im Bundesforschungsministerium wird die Zusammenarbeit deutscher Hochschulen mit den Konfuzius-Instituten schon seit LĂ€ngerem als problematisch eingestuft.
Der Ministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) reichen inzwischen Hinweise auf Gefahren allein nicht mehr aus. Infolge des insgesamt kritischen deutsch-chinesischen VerhÀltnisses fordert sie Konsequenzen und will der direkten Einflussnahme Chinas auf Wissenschaft und Lehre klare Grenzen setzen.
Es sollten noch mehr Hochschulen als bisher ihre Verbindungen zu den Konfuzius-Instituten kritisch hinterfragen und ihrer Verantwortung gerecht werden.
Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hĂ€lt ein pauschales Verbot der Kooperation mit Konfuzius-Instituten jedoch fĂŒr nicht sinnvoll. Dazu seien die jeweiligen Erfahrungen vor Ort zu unterschiedlich.
Sicherheitspolitiker von GrĂŒnen und CDU sehen die Sache kritischer und sehen die Freiheit der Wissenschaft, ja sogar die deutsche Demokratie gefĂ€hrdet. Die Konfuzius-Institute wĂŒrden neben der Aufforderung zur Spionage auch die Sozialkontrolle und EinschĂŒchterung von im Ausland lebenden Chinesen betreiben.
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[1] https://www.forschung-und-lehre.de/politik/universitaet-erlangen-schliesst-chinesische-stipendiaten-aus-5789
[2] https://www.goethe.de/de/wwt/zen.html
[3] https://www.handelsblatt.com/politik/international/china-politik-berlin-draengt-auf-aus-fuer-uni-kooperationen-mit-chinas-konfuzius-instituten/29224482.html
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