Nach Eklat im Sicherheitsrat: Wie ChatGPT den israelischen Außenminister widerlegt

Mochte nicht mehr mit Guterres reden: Israels Außenminister Cohen. Bild: UN Photo/Manuel Elías

Chefdiplomat hatte UN-Generalsekretär Guterres attackiert: "Keinen Platz für ausgewogenen Ansatz". Telepolis hat Guterres' Rede geprüft. Das Ergebnis ist erstaunlich.

Die Töne in der Debatte um die Krise im Nahen Osten werden immer schriller. Das mussten am Dienstag auch die Mitglieder des UN -Sicherheitsrates merken. Dort griff israelische Außenminister Eli Cohen -Generalsekretär António Guterres mit harschen Worten an. Der Grund: Guterres hatte zuvor für ein Ende der Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern appelliert.

Der UN-Generalsekretär verurteilte mehrfach das Massaker, das islamistische Milizen am 7. Oktober in Israel verübt hatten und betonte Israels Recht auf Verteidigung. Er wies aber auch auf die "erstickende Besatzung" der Palästinenser durch Israel hin.

Dafür attackierte Außenminister Cohen den Chef der Weltorganisation scharf. "Herr Generalsekretär, in welcher Welt leben Sie?", fragte er. "Sagen Sie mir: Was ist Ihre verhältnismäßige Reaktion auf die Tötung von Babys, die Vergewaltigung und Verbrennung von Frauen und die Enthauptung eines Kindes?", rief Cohen in den Raum.

Später sagte er in geplantes Treffen mit Guterres ab und veröffentlichte auf dem Kurznachrichtendienst X eine bemerkenswerte Aussage:

Ich werde mich nicht mit dem UN-Generalsekretär treffen. Nach dem Massaker vom 7. Oktober gibt es keinen Platz für einen ausgewogenen Ansatz. Hamas muss von der Erdoberfläche ausgelöscht werden!.:Israels Außenminister Eli Cohen

Mit Hilfe von ChatGPT hat Telepolis die Aussagen die UN-Generalsekretärs analysiert. Dazu haben wir die KI aufgefordert, alle kritischen Aussagen zur Hamas und der palästinensischen Konfliktpartei einerseits sowie Israel und den Angriffen auf den Gazastreifen andererseits zu exzerpieren.

Das Ergebnis: Guterres äußerte sich in seiner Rede fünfmal kritisch zur Hamas und dem Überfall auf Israel, während er viermal Israels Vorgehen beanstandet.

ChatGPT zur Hamas und der palästinensischen Seite

Im bereitgestellten Text gibt es auch mehrere Aussagen, die sich kritisch mit Israel und den Angriffen auf den Gazastreifen befassen. Hier sind die relevanten Passagen:

1. "Die unerbittliche Bombardierung des Gazastreifens durch die israelischen Streitkräfte, das Ausmaß der zivilen Opfer und die großflächige Zerstörung von Wohngebieten nehmen weiter zu und sind zutiefst beunruhigend."

2. "Ich trauere und gedenke der Dutzenden von Kolleginnen und Kollegen der Vereinten Nationen, die für das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästinaflüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) arbeiten - leider sind es mindestens 35 -, die in den letzten zwei Wochen bei der Bombardierung des Gazastreifens getötet wurden."

3. "Ich bin es ihren Familien schuldig, diese und viele ähnliche Morde zu verurteilen."

4. "Die Israelis müssen ihr legitimes Sicherheitsbedürfnis erfüllt sehen, und die Palästinenser müssen ihr legitimes Streben nach einem unabhängigen Staat im Einklang mit den Resolutionen der Vereinten Nationen, dem Völkerrecht und früheren Vereinbarungen verwirklicht sehen."

Diese Aussagen kritisieren die Bombardierung des Gazastreifens durch die israelischen Streitkräfte, betonen die zivilen Opfer und die Zerstörung von Wohngebieten und fordern die Einhaltung des Völkerrechts sowie die Anerkennung der legitimen Sicherheitsbedürfnisse Israels und des Strebens der Palästinenser nach einem unabhängigen Staat.

ChatGPT zu Israel und den Angriffen auf den Gazastreifen

In dem bereitgestellten Text gibt es mehrere Aussagen, die sich kritisch mit der Hamas und Terrorismus auseinandersetzen. Hier sind die relevanten Passagen:

1. "Ich habe die schrecklichen und beispiellosen Terrorakte der Hamas vom 7. Oktober in Israel unmissverständlich verurteilt."

2. "Nichts kann die vorsätzliche Tötung, Verletzung und Entführung von Zivilisten oder den Abschuss von Raketen auf zivile Ziele rechtfertigen."

3. "Die Angriffe der Hamas können nicht die kollektive Bestrafung des palästinensischen Volkes rechtfertigen."

4. "Um es klar zu sagen: Keine Partei in einem bewaffneten Konflikt steht über dem humanitären Völkerrecht."

5. "Um das unermessliche Leid zu lindern, die Lieferung von Hilfsgütern zu erleichtern und die Freilassung der Geiseln zu ermöglichen, rufe ich erneut zu einem sofortigen humanitären Waffenstillstand auf."

Diese Aussagen zeigen eine klare Kritik an den Terrorakten der Hamas und betonen die Einhaltung des humanitären Völkerrechts sowie die Notwendigkeit eines humanitären Waffenstillstands.

Die Rede von Guterres war – kann man sagen – also durchaus nicht ausgewogen, und das zugunsten der israelischen Seite.

Eine Unausgewogenheit ließ sich indes auch in der deutschen Presse beobachten. Während das Nachrichtenmagazin Spiegel zunächst nachrichtlich über das Thema berichtete ("Uno-Generalsekretär Guterres kritisiert Israel – Hamas-Angriffe 'nicht im luftleeren Raum'") und dann über die israelische Kritik und die Kontroverse informierte ("Schlagabtausch beim Uno-Sicherheitsrat: ‚Beenden Sie doch den Krieg!‘"), sah das bei der gebührenfinanzierten Seite tagesschau.de anders aus: Dort spielte in Headline, Bild und Lead vor allem die israelische Replik eine Rolle: "Eklat nach Israel-Kritik bei UN ‚Herr Generalsekretär, in welcher Welt leben Sie?‘"

Telepolis dokumentiert im Folgenden die Rede von António Guterres in voller Länge und in deutscher Übersetzung.

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