Tesla-Verkäufe brechen um 40 Prozent ein

Rückansicht des innovativen Tesla X-Autoinnenraums mit Touchscreen-Monitor-Display, beleuchtetem Auto-Armaturenbrett mit verschiedenen navigierenden und informativen App.

(Bild: mpohodzhay / Shutterstock.com)

Teslas Absatzkrise in Europa verschärft sich dramatisch. Experten sehen die Gründe in der umstrittenen Politik von Elon Musk und einem Modellwechsel.

Der Elektroautopionier Tesla steckt in Europa in der Krise. Zum zehnten Mal in den vergangenen zwölf Monaten sind die Verkaufszahlen des US-Herstellers gesunken. Im Februar registrierte Tesla laut dem Europäischen Verband der Automobilhersteller nur noch 16.888 Neuwagen – ein Rückgang von satten 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

In den ersten beiden Monaten des Jahres brachen die Verkäufe von Tesla sogar um 43 Prozent ein, berichtet Bloomberg. Damit weicht der Konzern deutlich vom Branchentrend ab: Insgesamt stiegen die Zulassungen von Elektrofahrzeugen in Europa im gleichen Zeitraum um 31 Prozent.

Musks Politik verärgert potenzielle Tesla-Käufer

Experten sehen zwei Hauptgründe für Teslas Talfahrt: zum einen die umstrittene politische Einflussnahme von Tesla-Chef Elon Musk. Der Milliardär ist als Top-Berater von US-Präsident Donald Trump zu einer polarisierenden Figur geworden.

Musk versuchte etwa, die Bundestagswahl in Deutschland zu beeinflussen und forderte einen Austritt der USA aus der Nato. Das ist nicht bei allen gut angekommen. Seitdem haben Kritiker Tesla-Läden, Ladestationen und Kundenfahrzeuge in den USA, aber auch im Ausland ins Visier genommen. Erst am 22. März bekamen etwa 90 Tesla-Autohäuser in den USA Besuch von Demonstranten.

Zudem haben die Umfragewerte des Tesla-Chefs durch seine politischen Ambitionen einen Dämpfer erhalten. In den USA wird er inzwischen mehrheitlich abgelehnt. In Europa sehen deshalb aber auch Menschen von einem Kauf von Tesla-Fahrzeugen ab. Das hatte eine Umfrage im Auftrag der Automobilwoche ergeben. Befragt wurden demnach 5.000 Verbraucher, von denen knapp zwei Drittel in Musk Verhalten einen Grund sahen, künftig vom Kauf eines Teslas Abstand zu nehmen.

Modellwechsel beim Tesla Model Y führt zu Lieferengpässen

Der zweite Grund für die schwachen Verkaufszahlen ist die Umstellung des wichtigsten Tesla-Produkts: Das Model Y, ein Kompakt-SUV und Teslas beliebtestes Fahrzeug, wurde neu gestaltet. Tesla setzt darauf, dass das überarbeitete Modell das Geschäft wieder ankurbeln wird.

Doch die Umstellung auf das neue Model Y erforderte Anfang des Jahres wochenlange Produktionsunterbrechungen in Teslas Fabriken weltweit, auch im Montagewerk bei Berlin. Das führte entweder zu verlorenen oder aufgeschobenen Verkäufen. Erst in der ersten Märzwoche begann Tesla mit der Auslieferung des neuen Models Y.

Wirtschaftliche Unsicherheit bremst gesamten Automarkt

Doch nicht nur Tesla kämpft mit Gegenwind. Insgesamt gingen die Neuwagenverkäufe in Europa im Februar um 3,1 Prozent zurück. Einen so starken Rückgang habe es seit fünf Monaten nicht mehr gegeben, heißt es bei Bloomberg.

Grund ist die wirtschaftliche Unsicherheit, die viele Verbraucher dazu bringt, größere Anschaffungen zurückzustellen. Vor allem benzin- und dieselbetriebene Fahrzeuge wurden deutlich seltener gekauft.

Europas Autobauer stehen vor einem schwierigen Jahr. In vielen Ländern der Region schwächelt die Konjunktur, was das Verbrauchervertrauen belastet. Gleichzeitig erhöhen drohende US-Zölle und die wachsende Konkurrenz durch chinesische Hersteller wie BYD den Druck.

Selbst wenn wieder mehr Autos in Europa verkauft werden sollten, ist fraglich, ob der Zuwachs bei den Elektroautos erhalten bleibt. Die EU-Kommission hatte Anfang März den Autokonzernen mehr Zeit eingeräumt, die vorgeschriebenen Emissionsziele zu erreichen. Mit anderen Worten: Volkswagen und andere europäische Hersteller, die bei Elektroautos bisher nicht so gut aufgestellt sind, können den größten Nutzen aus der Neuregelung ziehen.

Europäische Hersteller buhlen um Kunden mit günstigen E-Autos

Um von Teslas Schwäche zu profitieren, bringen europäische Hersteller mehrere günstige Elektroautos auf den Markt. Renault bietet etwa den R5 E-Tech für 25.000 Euro an, Stellantis den Kleinwagen Citroën ë-C3 für 23.300 Euro. Damit wollen sie auch chinesischen Anbietern Paroli bieten.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob Teslas Absatzkrise von Dauer ist – oder ob das neue Model Y und ein Abflauen der Kritik an Elon Musk die Verkäufe wieder ankurbeln können. Klar ist: Im hart umkämpften europäischen Automarkt ist Tesla längst kein unangefochtener Platzhirsch mehr.