Windkraft-Dilemma: Sichtbar, sauber, sabotiert?

Gaskraftwerk verdrängt Windräder

Während Energieversorger auf Erneuerbare setzen, fordern Politiker eine Rückkehr zu Kohle und Atom. Droht der Ausbau der Windkraft in Deutschland zu scheitern?

In den Industriestaaten erwartet jeder inzwischen durchgängig preiswerten elektrischen Strom aus der Steckdose, will aber weder für die Folgen dieser Stromerzeugung aufkommen noch kleinste Nebenwirkungen akzeptieren.

Windkraftanlagen besitzen den Nachteil, dass man sie auch in Verbrauchernähe sieht, während sich fossile Zentralkraftwerke für die meisten hinter der Erdkrümmung verbergen.

Die Energiewirtschaft passt sich den geänderten Anforderungen an

Während viele Energieversorger vor dem Hintergrund des anthropogenen Klimawandels zumindest begonnen haben, sich verstärkt auf die Stromerzeugung aus Erneuerbaren auszurichten, gibt es im aktuellen politischen Umfeld starke Bestrebungen, zu Zeiten zurückzukehren, als fossile Zentralkraftwerke die Elektrizitätsversorgung beherrschten und die Preise bestimmten.

In Deutschland gibt es inzwischen aus geologischen und wirtschaftlichen Gründen keinen Steinkohlebergbau mehr, weil die Bergschäden im Saarland zu groß wurden und die Kosten der Steinkohleförderung im Ruhrgebiet die Bereitschaft der öffentlichen Hand zur Subventionierung sprengten.

Wo heute noch Uran abgebaut werden könnte, um künftige Kernkraftwerke zu betreiben, verschweigen die politischen Protagonisten wohlweislich, weil dies ihren Zuspruch in diesen Regionen mindern könnte.

Anteil der Erneuerbaren steigt und Speicher fehlen noch immer

So liegt der Anteil der Erneuerbaren im deutschen Stromsystem heute schon bei knapp 60 Prozent, jedoch fehlen die passenden Speicher. Das ist in erster Linie kein technisches oder wirtschaftliches Problem, sondern eine Frage der politischen Gestaltung der Rahmenbedingungen.

Wenn jetzt von Merz, Trump und Weidel gefordert wird, heute schon bestehende Windkraftanlagen wieder abzureißen, kann man damit rechnen, dass sich einschlägige Investoren so schnell wie möglich aus einem solch unsicheren Land zurückziehen werden.

Jetzt will man offensichtlich bei der Windkraft wiederholen, was der damaligen Bundesminister für Wirtschaft und Energie Peter Altmaier bei den deutschen Photovoltaikherstellern mit großem Erfolg realisierte und dafür sorgte, dass Arbeitsplätze in Deutschland in großem Umfang verloren gingen.

Heute wird gejammert, dass China den von Deutschland mutwillig gekappten Faden aufgenommen hat und heute bei PV der Weltmarktführer ist. Dass Vergleichbares auch bei der Windkraft bevorsteht, zeichnet sich schon deutlich ab.

Wenn die Produktion verschwunden ist, und auf US-Wunsch die Handelsbeziehungen mit China gekappt werden, ist die Chance, dass hierzulande die Lichter ausgehen, deutlich gestiegen, denn auch die Hoffnungen auf LNG aus den USA und Katar könnte sich schon bald als Albtraum herausstellen, weil es die EU in einem Umfang erpressbar macht, wie es zu Zeiten der Gaslieferungen aus Russland nicht vorstellbar war.

Abrissdrohungen ohne Sinn und Verstand?

Während die politischen Aversionen von Merz und Weidel gegen die Windkraftnutzung auf Deutschland begrenzt sind, haben die Kampfansagen des nächsten US-Präsidenten gegen die Windkraftnutzung auch schon internationale Wirkung hervorgerufen.

So hat die britische Regierung, die seit dem Brexit keine Rücksicht mehr auf die Befindlichkeiten der EU nehmen muss, auf Trumps Forderung, man solle die Windräder abschaffen, mit einem klaren und nüchternen Bekenntnis zur Abkehr von fossilen Brennstoffen und einem ebenso klaren Bekenntnis zu erneuerbaren Energien reagiert. "Wir müssen unsere Abhängigkeit von instabilen Märkten für fossile Brennstoffe durch saubere, heimische Energie ersetzen, die in Großbritannien kontrolliert wird", lässt sich ein britischer Regierungssprecher zitieren.

Dass Trump nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus erneut bei der Energieversorgung die Uhren zurückdrehen und die Öl- und Gasproduktion fördern sowie die Standards beim Klima- und Umweltschutz aufweichen will, wird niemand verwundern. Die USA hatten schon zu Zeiten von Trumps erster Amtszeit erklärt, sich aus dem Weltklimaabkommen von Paris zurückzuziehen.

Dass Trumps radikale Vorschläge eine Steilvorlage für Populisten wie Merz und Weidel darstellen, ist jetzt nicht wirklich überraschend. Weder Steinkohle- noch Kernkraftwerke sind eine sinnvolle Alternative zum Ausbau der Erneuerbaren, der Digitalisierung und dem Netzausbau, wobei es gegen den Netzausbau in Deutschland noch immer kräftigen Widerstand gibt und die Digitalisierung in erster Linie am Verständnis der Bevölkerung scheitert.

Wer soll den von der Verunsicherung der Investoren profitieren?

Die Forderung nach einer Rückkehr zu den fossilen Energieträgern ist mit deutlich höheren Kosten verbunden als der Ausbau der Erneuerbaren, da die Brennstoffe zu 100 Prozent importiert werden müssen und ein Neuaufbau einer zentralen Kraftwerksinfrastruktur ausreichend Kapital und Zeit benötigt.

Zudem werden die CO2-Abgaben hierzulande steigen, wenn ihre Höhe nicht mehr von der Politik vorgegeben, sondern am freien Markt ermittelt werden.

Bei der inzwischen als wankelmütig erkannten deutschen Energiepolitik ist kaum zu erwarten, dass sich private Investoren im deutschen Energiemarkt verlieren. Entweder die mit der Rückkehr in die Vergangenheit entstehenden Mehrkosten werden auf die Stromkunden abgewälzt oder der Steuerzahler muss dafür geradestehen.

Für die Industriekunden, die derzeit etwa 80 Prozent der Stromerzeugung konsumieren, gibt es dann nur zwei denkbare Lösungen. Sie verlagern ihre energieintensive Fertigung weg aus Deutschland oder sie wälzen ihre Stromkosten auf den Steuerzahler ab.

Eine Verlagerung der Produktion nach China, wo die Regierung deutlich professioneller mit dem Thema Energie umgeht, ist jetzt jedoch keine Lösung mehr, weil sich der chinesische Wirtschaftsraum proaktiv von den Industriestaaten abkoppelt.