andimar schrieb am 12.12.2021 11:23:
Viele Menschen scheinen zu denken, daß die Freiheit anderer die eigene verringert.
Und dagegen muß man ja sein, man will ja möglichst viel von einem begrenzten Gut.Ob das stimmt?
Was Viele nicht verstehen: wer die Freiheit anderer einschränkt, schränkt auch seine eigene Freiheit ein. Bestes Beispiel: ich wohne in einem frei stehenden Mehrfamilienhaus. Daneben noch so eins. In beiden Häusern gibt es eine Fraktion, die in lauen Sommernächten das Leben genießen. Manchmal etwas lautstark, wenn die (auch alkoholinduzierte) Lebensfreude überschwappt.
Manchmal stört mich der Schallpegel aus dem Nachbarhaus. Da würde ich am liebsten fragen, ob es ein wenig leiser ginge. Auf der anderen Seite kann ich mich in deren Lage hineinverstzen und es widerstrebt mir, den Nachbarn den Spaß zu dämpfen. Viel wichtiger ist aber, dass ich an anderen Tagen der gleiche "Ruhestörer" für die Nachbarn bin.
Man hat sich stillschweigend auf ein stabiles System geeinigt: Leben – und leben lassen.
Jeder weiß, dass er seine eigene Freiheit beschneidet, wenn er die des anderen beschränken will.
In der heutigen gespaltenen Gesellschaft ist das aber eher die Ausnahme: jeder gegen jeden und jegliche Partikularinteressen müssen durchgesetzt werden, ohne dass man einen Blick auf das Ganze hat.
Wobei: ich habe von einer Gesellschaft gesprochen. Ich fürchte, dass es die nicht mehr gibt.