Wer der Meinung sei, lediglich in einer "Scheindemokratie" zu leben, der halte "auch das Grundrecht der Pressefreiheit für verzichtbaren Luxus", sagte der DJV-Bundeschef Frank Überall. Politiker müssten den Menschen Entscheidungsprozesse besser erklären.
Keine Sekunde wird die eigene Mithilfe an der Meinung von 28-45% (das ist nicht wenig und besorgniserregend) in einer Scheindemokratie zu leben in Betracht gezogen, geschweige sich denn mit dem eigenen journalistischem Fehlverhalten auseinander zu setzen.
Denn man kann davon ausgehen, dass die allermeisten Menschen, die der Meinung sind in einer Scheindemokratie zu leben der Pressefreiheit ebenso kritisch gegenüber stehen. Würde mich, offen gestanden, auch nicht wundern, denn der Journalismus der letzten 10+ Jahre hat sicherlich nicht mit Unparteilichkeit und Neutralität geglänzt. Leider nehmen diese negative Entwicklung die wenigsten Journalist*innen wahr und ernst. Und diejenigen, die es doch tun, werden meistens ganz schnell mundtot gemacht oder in die rechte Ecke gestellt.
Und an Arroganz ist der letzte Satz auch nicht zu überbieten. Aber das ist generell ein Problem vieler Politiker*innen und Journalist*innen. Dieser Irrglaube, dass das Volk einfach nur zu dumm ist um zu verstehen und man es ihnen nur "besser erklären" muss. Zum Beispiel, warum das Bildungssystem immer weiter bergab geht, Fachkräfte fehlen, die Gesundheit mehr und mehr privatisiert wird, die Reallöhne kontinuierlich sinken und die Inflation stetig steigt.
Meine Prognose ist, dass diese Politikverdrossenheit, ja auch inklusive populistischer und radikaler Auswüchse immer weiter zunehmen wird. So gesehen eine Wiederholung des Mittelalters und (hoffentlich) nachfolgender Aufklärung. Dort waren es Könige und Königinnen, der Adel als solcher, der diktiert hat, wo es lang geht, heute sind es die Politiker*innen.