In Grossbritannien kostete ein Brot Anfang des 20. Jahrhunderts so viel wie Ende des 18. Jahrhunderts. In Österreich gab es zwischen 1861 und 1914 mal inflationäre, mal deflationäre Preisentwicklungen, aber der Preisindex sah 1914 so aus wie 1861. Ähnlich war es in den USA nach Beendigung des Sezessionskrieges. Im Deutschen Reich schwankten die Preise vor 1914 deutlicher, was auch mit den 5-Mrd-Gold-Franc zusammenhing, die nach dem Krieg 1871 aus Frankreich in das Reich flossen.
Interessant ist auch ein Blick auf die Preisentwicklung zwischen 1944 und 1971, während der Existenz des Bretton-Woods-Abkommens, als die Weltwährung Dollar noch an einen festen Goldpreis geknüpft war. In Deutschland gab es zwischen 1950 und 1970 trotz beachtlichem Wirtschaftswachstum eine durchschnittliche jährlich Inflationsrate von 1,8 %, zwischen 1971 und 1980 stieg sie dann auf 5,1 %. Die USA hatten bis zum Ende von Bretton Woods Inflationsraten von rund 3 %, kämpften in den 70ern dann aber mit Raten von bis zu 15 %.
Fazit: In frühen Phasen des Kapitalimus ist entgegen der Behauptung im obigen Artikel Wirtschaftswachstum ohne Inflation möglich. Geld fungiert als Hilfsmittel. Später muss Geld zum Treibmittel werden, um Wirtschaftswachstum noch erreichen zu können. So hat die EZB zwischen 2010 und 2020 die Geldmenge M 3 um 55 % aufgebläht, obwohl das BIP-Wachsum im Euroraum nur bei 7,2 lag. Der überschiessende Geldanteil bleibt aber zunehmend ohne Deckung durch ein entsprechendes Angebot nutzbringender und nutzbarer Waren und Dienstleistungen. Die Folge sind Inflation und Lieferengpässe.