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  • FünfVorHalbZwölf

mehr als 1000 Beiträge seit 14.10.2016

Apropos Fromm ...

... den kennen die Jüngeren teils wohl schon gar nicht mehr, ziemlich aktuell von Florian Maiwalds Blog:

https://fmwordpresssite.wordpress.com/2020/02/04/haben-oder-sein-erich-fromm-und-die-krise-des-menschen-im-21-jahrhundert/

"Es ist bemerkenswert, dass Fromm in seinem 1976 erschienenen Buch eine psychische,ökonomische und ökologische Katastrophe prohezeit, mit welcher die Menschheit sich in naher Zukunft konfrontiert sehen muss.

Fromms neuer Menschheitscharakter, welcher die prognostizierte öknonomische Katastrophe abwenden soll, zeichnet sich durch

„(…) ein Zurückdrängen der Orientierung am Haben zugunsten der am Sein (…)“

aus (Fromm, 1976, 205).

Sowohl das Haben als auch das Sein sind Existenzweisen, welche einen nicht unwesentlichen Einfluss auf den Menschen, sein Wirken und damit auf die Menschheit insgesamt ausüben.

Die Existenzweise des Habens leitet sich vom Privateigentum ab und Fromm führt in diesem Zusammenhang prägnant aus:

„In dieser Existenzweise zählt einzig und allein die Aneignung und das uneingeschränkte Recht, das Erworbene zu behalten. Die Habenorientierung schließt andere aus und verlangt mir keine weiteren Anstrengungen ab, um meinen Besitz zu behalten bzw. produktiven Gebrauch davon zu machen. (…) In der Existenzweise des Habens gibt es keine lebendige Beziehung zwischen mir und dem, was ich habe. Es und ich sind Dinge geworden, und ich habe es, weil ich die Möglichkeit habe, es mir anzueignen. Aber es besteht auch die umgekehrte Beziehung: Es hat mich, da mein Identitätsgefühl bzw. meine psychische Gesundheit davon abhängt, es und so viele Dinge wie möglich zu haben“ (Fromm, 1976, 97-98).

Eben jene auf Gegenseitigkeit beruhende Aneignung zwischen Subjekt und Objekt, welche letztendlich zur unausweichlichen Determinierung des Individuums führt und damit zur Transformation zum Dividuum, dessen psychologische Struktur nahezu äquivalent mit der des Gesellschaftscharakters ist, bilden die Quintessenz des Habensmodus. Es ist genau diese Existenzweise, welche in David Finchers großartiger Romanverfilmung Fight Club von Tyler Durden- einem der beiden Protagonisten- kritisiert wird, als dieser warnend darauf hinweist: „Alles was du hast, hat irgendwann dich“."

who_benefits schrieb am 10.01.2021 15:44:

Die 1 Kind Politik ist aber auch nur eine Facette. Auch die meisten Chinesen streben nach mehr Besitz, mehr Luxus, nach höher weiter schneller...
Dem liegen Mechanismen zugrunde, die aus unserer biologischen Natur kommen, also vom Affen abstammen. Diese gilt es durch Vernunft zu überwinden. Die Ideale bewußter Menschen sollten nicht auf "haben wollen" basieren, sondern auf "sein wollen". Wenn man sich als Bewußtsein versteht, das einen Affen hat, um diese Welt erleben zu können, wenn man sich als Spieler sieht, der seinen Avatar, den Menschen, und sein Spielfeld, die Erde, nachhaltig bespielt, ja dann könnte es was werden ;-)

Vielen Dank für den sprachlich schön bebilderten Input überhaupt!

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