Alex Riemenschneider schrieb am 10.02.2023 16:48:
Verhandeln heißt nicht kapitulieren. Verhandeln heißt, Kompromisse machen, auf beiden Seiten. Mit dem Ziel, weitere Hunderttausende Tote und Schlimmeres zu verhindern.
Wir fordern den Bundeskanzler auf, die Eskalation der Waffenlieferungen zu stoppen. Jetzt! Er sollte sich auf deutscher wie europäischer Ebene an die Spitze einer starken Allianz für einen Waffenstillstand und für Friedensverhandlungen setzen.
Irgendwie scheine ich die logische Herleitung, wie ein Ende der westlichen Waffenlieferungen die russische Bereitschaft zu Verhandlungen und Kompromissen steigert, überlesen zu haben. Aber auf dieser Hypothese beruht ja zentral die Argumentation von Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer. Ist der Text nur bis zur Unkenntlichkeit gekürzt oder fehlt das zentrale Thema wirklich komplett in der Argumentation?
Ich denke, du hast durchaus die entscheidenden Passagen zitiert. Und ich staune, denn sie sind kurz genug und verständlich genug, um zu erkennen, dass das Motto hier nicht "Verhandlungen statt Waffenlieferungen" heißt. Vielmehr wenden sich die zwei Damen gegen die "Eskalation der Waffenlieferungen". Das war übrigens schon in der ersten Petition so, da ging es darum, nicht weiter immer schwerere Waffen zu liefern.
Niemand ist so blöd, davon auszugehen, dass ein kompletter Rückzug des Westens + Verhandlungsangebote Russland zum Aufhören bewegen kann. Nun haben wir aber das Problem, dass eine Fortsetzung der Militärhilfe in moderatem Ausmaß den Krieg ewig verlängert - mit weiteren unzähligen Opfern und massiven Zerstörungen, womöglich bis in der Ukraine gar nichts mehr steht - und eine ständige Ausweitung der Militärhilfe eben nicht automatisch zu einem Sieg der Ukraine führt, sondern zum Showdown: Wird Putin (oder sein Nachfolger, wer weiß) den Schwanz einziehen, oder wird er die letzte Karte spielen? Es darauf ankommen zu lassen, wäre jedenfalls das Unverantwortlichste, was man machen kann. Es tut ja auch niemand, denn wenn sich Russland tatsächlich besiegen ließe, wäre die NATO schon längst mit dabei und würde mit Russland kurzen Prozess machen.
"Es gibt nur noch schlechte Optionen" meint der Mitunterzeichner Johannes Varwick - und plädiert dafür, von den vielen schlechten wenigstens die beste zu ziehen. Die wäre, nicht weiter zu eskalieren und einen Verhandlungsfrieden anzustreben, auch wenn die Ukraine dabei Federn lässt.