Für den dadurch nicht erklärbaren Anstieg der Sterbefallzahlen sind mehrere Ursachen denkbar: So können hier unerkannte COVID-19-Todesfälle oder die zeitliche Verschiebung von Sterbefällen innerhalb eines Jahres infolge der zum Jahresbeginn ausgefallenen Grippewelle eine Rolle spielen (sogenanntes "mortality displacement"). Möglicherweise zeigen sich auch die Folgen verschobener Operationen und Vorsorgeuntersuchungen. Der Beitrag einzelner Effekte lässt sich allerdings derzeit nicht beziffern.
Interessant ist, dass Punkte wie zunehmende Depression und andere soziale Aspekte der Pandemie erst gar nicht erwähnt werden. Als ob der Mensch eine Maschine wäre, die man mit etwas Wartung in Form von Operationen und Vorsorgeuntersuchungen am Leben erhalten könnte. Ich fürchte dagegen, dass ein großer Teil der (unerklärten) Übersterblichkeit durch die sozialen Verwerfungen entsteht (soziale Vereinsamung bis zum Suizid). In den USA ist das ja schon recht offensichtlich. Dort hat u.a. seit Beginn der Pandemie die Zahl der Opfer der Opioidkrise massiv zugenommen.