Markus Kompa schrieb am 03.04.2022 15:47:
Ignoramus-et-Ignorabimus schrieb am 03.04.2022 15:15:
diese Annahme galt in dieser Absolutheit noch nicht mal im letzten Kalten Krieg. Da hatten beide Supermächte wenig Lust den Nervenkitzel der Kubakrise noch einmal zu wiederholen, und haben ihre Doktrin geändert.
Diese "Annahme" ist das unstreitige Ergebnis sämtlicher bekannter Nato-Planspiele.
wir können wohl getrost davon ausgehen, dass viele dieser Planspiele nicht bekannt sind. Ist wohl auch besser so.
Helmut Kohl ließ mal eine abbrechen, weil er vom Ergebnis entsetzt war, dass man den Nuklearschlag befahl. Warum das heute anders sein sollte, wäre unerfindlich.
weil im Grunde im kalten Krieg beide Blöcke im Wesentlichen defensiv ausgerichtet waren, wobei der WP sich militärisch eben lieber nicht auf eigenem Gebiet verteidigt hätte. Politisch ging es beiden aber im Grunde um die Wahrung ihrer jeweiligen Einflussphären (oder hat der Westen für den Prager Frühling einen Finger gerührt ?). Deshalb waren militärische Konflikte, wenn man sie denn durchgespielt hat, auch von der Zielsetzung her nicht begrenzt denkbar. Weil wenn dann einer diesen D'accord verlässt und angreift, konnte es nur um die eigene Existenz gehen.
Dass sich militärische Konflikte heute begrenzt denken und führen lassen, sieht man doch in der Ukraine. Putin sagt ja, dass die Ukraine, in allem nur eben nicht auf dem Papier, der Nato angegliedert sei. Und greift sie dennoch an. Das Kalkül im Rahmen der atomaren Abschreckung ist dabei, dass die Nato wegen der Ukraine die atomare Schwelle schon nicht überschreiten würde. Ist ja auch eine akkurate Einschätzung der Lage.
Geht man zudem davon aus, dass der Mann im Kreml nicht mehr zu den nüchternen Schachspielern gehört, sondern unberechenbar ist, dürfte die Gefahr eher zugenommen haben.
das sehe ich ein wenig anders. Putin spielt diese Unberechenbarkeitskarte sehr geschickt, und forumuliert rote Linien durchaus mit Absicht auslegbar. Das tut die Nato natürlich auch. Die einzige rote Linie, die definiert ist, ist eben der Angriff auf Nato Territorium. Reaktionen auf alles andere was in der Ukraine passieren könnte, werden bewusst im Ungefähren gehalten. Das ist im Rahmen einer nuklearen Abschreckungsstrategie von beiden Seiten ein recht rationales Vorgehen. Ja, ich bin mir schon bewusst, dass nukleare Abschreckung in einem Satz mit rationalem Vorgehen maximal schräg formuliert ist ;)
Schon das Risiko, dass wir wieder in eine Situation wie 1983 kommen - heute allerdings mit ungleich kürzerer Vorwarnzeit für Korrekturen - solle im Ansatz vermieden werden.
da bin ich vollstandig mit Ihnen einer Meinung. Diese Situation wird durch ein Raketenabwehrsystem im nicht nuklear bewaffneten Deutschland allerdings weder wahrscheinlicher, noch unwahrscheinlicher. Es wird vermutlich auch bei den russischen Militärs keiner davon ausgehen, dass Deutschland einen atomaren Erstschlag plant.
Dennoch, natürlich besteht die Gefahr eines Nuklearkrieges aufgrund von Missverständnissen, solange es diese Arsenale von Atomwaffen gibt. Und abgesehen von funktionierenden Kommunikationskanälen zwischen den Staaten, hilft da nur, sich für die weltweite Abschaffung dieser Perversion menschlicher Kreativität einzusetzen.