Auch hier, wie bei anderen Artikeln heute auch, ziemlich viel kalter Kaffee. Das Beschriebene ist Oberfläche und hinreichend bekannt, die Kritik am u.s.-Wahlsystem ebenfalls nicht gerade tiefschürfend.
Dass nicht die absolute Zahl der eine Kandidatur Unterstützenden entscheidet, ein Umweg über 'Wahlmänner' eingeschoben wird, mag etwas bizarr wirken, ist aber erstens in der Praxis nur selten relevant und zweitens nicht so ausserordentlich und nur durch rassistischen Hintergrund erklärbar, wie behauptet. In der Schweiz etwa muss eine Volksinitiative das sogenannte Ständemehr erreichen, um durchzukommen. Es muss also die Mehrheit der Kantone zugestimmt haben, was den kleinen bis winzigen überproportionalen Einfluss verschafft. Das ist ein regionalgeographisches Korrekturelement, über das sich streiten lässt, aber durchaus vertretbar ist. Ähnlich der Umstand, dass in vielen Staaten das Parlament zweikammrig ist, die zweite sich jeweils nach der politgeographischen Gliederung richtet und Bevölkerungsgrössenunterschiede nicht berücksichtigt. In Deutschland der Bundesrat.
Stossend dagegen sind Praktiken wie Gerrymandering, d. h. Wahlkreiszuschnitt'optimierung', und die Anwendung diskriminierender Wahlregulation und -organisation. Schon nur mit Anzahl und Öffnungszeit von Wahllokalen kann Einfluss aufs Ergebnis genommen werden. Dies wäre das eigentliche Thema, dem sich Gerleit hätte vertiefend widmen können. Daran lässt sich auch das Funktionieren einer Klassengesellschaft aufzeigen. Rassismus ist zwar in den usa ein gewichtiger Faktor, aber sozioökonomische Faktoren sind noch weit wichtiger.