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  • DJ Holzbank

mehr als 1000 Beiträge seit 03.09.2011

Re: Immer wieder der selbe Jammerossiseich

blu_frisbee schrieb am 04.06.2021 20:38:

Mit der Wiedervereinigung wurde hier wirtschaftlich viel Porzellan zerschlagen. Traditionsbetriebe wurden von der Treuhandanstalt abgewickelt.

Immer wieder der selbe Jammerossiseich.

Wie Sie soeben lesen durften werden in 9 Jahren über ein Drittel der Bürger Sachsen-Anhalts das Land verlassen haben, zwangsweise verlassen haben. In meiner Heimatstadt Halle ist diese Quote bereits seit längerem erreicht worden.
Stellen Sie sich doch einfach mal vor, wie's aussähe, wenn in Berlin morgen jeder Dritte verschwunden wäre?

Worüber ist es denn Ihrer Meinung nach erlaubt zu "jammern", wenn nicht darüber? Ja gut, die Leute hungern natürlich nicht. Also sollen sie gefälligst die Klappe halten.
Aber von sogenannter "Perspektivlosigkeit" müssen Sie doch schon gehört haben?! Oder gibt's die nur in der dritten Welt?

Wenn Tradition nicht protitabel ist kann man subventionieren oder verschrotten.

Die Betriebe waren mit der D-Mark nicht mehr konkurrenzfähig und überflüssig.
Die Ossis wollten D-Mark und Westwaren und die Kapazität der Westindustrie hat ausgereicht den Osten mitzuversorgen.

Honecker hat das Land in den Ruin gewirtschaftet, auch, damit sich 17.Juni 1953
nicht wiederholt. Da sind noch mehr Fehler gemacht wirden, einschließlich daß RU die DDR mit den Ölpreisen in die Braunkohle getrieben hat.

Die volkseigenen Betriebe sollten selbstverständlich letztlich nie auf dem Weltmarkt "konkurrenzfähig" sein, denn das hätte bedeutet, sie in kapitalistischer Manier zu führen und in diesem Falle wäre die DDR tatsächlich der "staatskapitalistische Staat" gewesen, zu dem viele West-Linke sie erklärt haben.
"Effektivität" wird schließlich in letzter Konsequenz auf dem Rücken der Lohnabhängigen erreicht - durch Rationalisierungen, die zu Entlassungen führen, durch ein "anständiges" Arbeitstempo, durch Überstunden bei gleichzeitiger Arbeitslosigkeit, durch die Drohung mit dieser Arbeitslosigkeit, also durch eine industrielle Reservearmee, durch Dressur der Lohnabhängigen.

Mein Lieblingsbeispiel: Bis zum Sommer 1990 ist keine ostdeutsche Kaufhallenkassiererin je auf die Idee gekommen, ihre Kunden zu grüßen und sie nach der Abfertigung mit einem "Auf Wiedersehen" zu verabschieden. Aber von einem Tag auf den anderen taten's plötzlich alle - vielleicht lag's ja an der im Sommer 1990 beginnenden Arbeitslosigkeit - und seitdem haben sie's so verinnerlicht, dass sie's regelrecht genießen.

Aber natürlich konnten die ostdeutschen Betriebe einerseits mit einem Vorlauf von drei Monaten zur Währungsunion, vom 18. März bis 1. Juli 1990, auch nicht "konkurrenzfähig" werden - für die westeuropäische Währungsunion der angeblich ohnehin konkurrenzfähigen kapitalistischen Betriebe belief sich die Übergangsphase auf 9 Jahre (Maastrich war 1992, der Euro wurde 2001 eingeführt).
Und andererseits hat das ohnehin keine Rolle gespielt, denn hätten dieselben ostdeutschen Betriebe sich zufällig auf chinesischem oder vietnamesischen Territorium befunden, und wären also an die Beschäftigten die dortigen ortsüblichen Löhne ausgezahlt worden, so hätten wir eine regelrechte Bieterschlacht um diese angeblich nicht konkurrenzfähigen Betriebe erlebt.

Da aber die Ostdeutschen auf die D-Markt drängten, um so zu konsumieren, wie die Westdeutschen ...

Honecker hat also "das Land" nicht "in den Ruin gewirtschaftet", was man beispielsweise von Edward Gierek nicht sagen kann. Die DDR ist nicht ökonomisch gescheitert, sondern vielmehr ideologisch. Die Konsum-Bedürfnisse, die der tägliche Genuss des Westfernsehens bei der Mehrheit der DDR-Bevölkerung geweckt hat, konnte sie nicht decken. Diese geweckten Bedürfnisse deckt natürlich auch die kapitalistische Ökonomie nicht, nur halten es die meisten westdeutschen Lohnabhängigen nicht für ein Unrecht, dass nicht jeder ein IPhone besitzt oder einen Porsche fährt, sondern für eine "persönliche Herausforderung"
Herbert Marcuse hat Mitte der 1960-er Jahre eine neue Erscheinung, nämlich den von ihm sogenannten "eindimensionalen Menschen" beschrieben, also den apolitischen, auf Konsum orientierten, auf seine Weise zufriedenen, entfremdeten Lohnabhängigen. "Die Linke" hat darauf bis heute keine Antwort gefunden und Honecker hatte natürlich auch keine bessere, als die "immer bessere Befriedigung der steigenden materiellen und kulturellen Bedürfnisse der Werktätigen" zum Staatsziel zu erklären.
"Zurück zu Marx", die Losung der antistalinistischen und antileninistischen 68-er, hilft da auch nicht weiter, denn der eindimensionale Mensch will nicht "morgens jagen, nachmittags fischen, abends Viehzucht treiben", wie es in der Deutschen Ideologie heißt, sondern in den Worten von Mark Ravenhill ausgedrückt "Shoppen und Ficken".

Wenn der Ossi nicht weiter als bis zur Banane denkt wird er als Aff behandelt.
https://duckduckgo.com/?q=Zonengabi+im+Gl%C3%BCck&t=h_&iax=images&ia=images

Das stimmt zwar, ist aber eben doch keine Antwort auf die Probleme.

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