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  • Naturzucker

mehr als 1000 Beiträge seit 06.03.2012

Teuerungsrate - Baukostenindex - Inflation

Leider werden diese Begriffe immer wieder durcheinander geworfen. Und möglicherweise steckt dahinter System, um Ausmaß, Ursache und Wirkung zu verschleiern.

Inflation: Ergibt sich aus dem Wachstum der Geldmenge M3 - Wachstum des BIP

Manipulationsmöglichkeit: gering. Lediglich das BIP kann man durch "hedonische" Bewertungsmethoden aufhübschen, wie es u.a. die USA tun, in dem sie den technologischen Mehrwert frech in die Steigerung des BIP mit einrechnen.

Das Wachstum der Geldmenge lässt sich dagegen kaum schönrechnen. Deswegen haben die Länder schon vor längerer Zeit damit begonnen, die Geldmengen nicht mehr zu veröffentlichen.

Baukostenindex: Gibt es für verschiedene Bauarten, etwa Wohnungsbaus, Hochbau, Straßen etc.

Manipulationsmöglichkeit: gering bis mittel. Durch kurzlebigere und minderwertigere Baustoffe und Materialien lassen sich Preissteigerungen kaschieren. Dennoch liegen die Baukostenindizes meist näher an der Inflation als an der Teuerungsrate

Teuerungsrate: Ein Mittelwert über die Preisänderungen in dem sog. "Warenkorb". Der Warenkorb soll dabei das Ausgabeverhalten der Bürger wieder spiegeln.

Logischer Denkfehler: Alleine der Ansatz, in einem einzigen Wert das Ausgabeverhalten von Millionen von Bürgern darzustellen, angefangen vom Sozialhilfeempfänger über die Mittelschicht bis hin zu mehrfachen monatlichen Einkommensmillionären ist schon eine dermassen grobe vereinfachung, dass der Index praktisch keinerlei Aussagekraft hat.

Manipulationsmöglichkeit: hoch. Durch Subventionen von Lebensmitteln, Verlagerung der Herstellung von Verbrauchsgütern ins billige Ausland lassen sich Preissteigerungen verdecken. Zudem wird auch hier durch hedonische Bewertungsverfahren ungerechtfertigterweise ein den Index verringender Effekt mit eingerechnet, während man auf der anderen Seite eine geringere Nutzungsdauer von Gebrauchsgütern oder eine geringer Qualität von Lebensmitteln unberücksichtigt lässt.

Hedonische Verfahren: Hier wird ja argumentiert, dass eine bessere Ausstattung einen höheren Gebrauchswert zur Folge habe und demnach diese den statistischen Preis senken würde.

Ein aktueller VW-Golf hat heute eine Ausstattung (Klima, Airbag, Servo, elektrische FH, etc), die vor 40 Jahren bestenfalls Modellen der Oberklasse vorbehalten war.

Dennoch ist ein aktueller VW Golf heute immer noch ein Modell der unteren Mittelklasse. Oberklassewagen sind halt noch luxoriöser geworden, verfügen über eine noch hochwertigere Ausstattung.

Wer also mit dem hedonischen Mehrwert versucht, die tatsächliche Preissteigerung des Kaufpreises eines VW Golfs wegzulabern, der verwehrt in Wahrheit den Menschen, die sich dieses Fahrzeug nicht mehr leisten können, die Teilhabe am technischen Fortschritt. Wer sich bei gleichem Beruf vor 40 Jahren einen VW Golf leisten konnte und heute wegen Agenda 2010, Lohndumping & Co halt nicht mehr, der muss halt realisieren, dass er mit seinem Einkommen nicht mehr zu der unteren Mittelschicht dazu gehört. Wenn es nur noch zu einem Dacia reicht, dann merkt man halt sehr wohl, wie viel das Geld an Wert verloren hat. Selbst, denn der Dacia noch über ein wenig mehr an Ausstattung verfügt als der Golf vor 40 Jahren.

Und warum werden dann diese Begriffe regelmässig durcheinander geworfen und munter miteinander vermischt, obwohl sie doch eine grundsätzlich unterschiedliche Bedeutung haben?

Offenbar ist es für gewisse Kreise von Vorteil, wenn die Mehrheit der Bevölkerung nicht realisiert, wie sie um die Früchte ihrer Arbeit betrogen werden.

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