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  • White Dwarf

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Re: Wer nicht an Strafe glaubt

J.Creutzfeld schrieb am 18.09.2022 12:20:

Ich habe es überspitzt ausgedrückt. Logisch gesehen hast du Recht. Dennoch beharren ich darauf: Wer Strafe ablehnt, weil der Täter seiner Ansicht nach Opfer der Umstände ist, der negiert die Entscheidungsfreiheit des Täters. Für den, der das so sieht, für den ist Strafe nur noch Rache oder Prinzipienreiterei.

Ich sehe es eher so: Unabhängig davon, ob es einen freien Willen gibt oder nicht, kann man Strafe (im Sinne von ausgleichender Gerechtigkeit) durchaus mit Verweis auf die Goldene Regel ablehnen: Füge niemandem etwas zu, das du nicht selbst erfahren möchtest. M.a.W. füge niemandem Leid zu. Bei der Strafe wird dieses Prinzip gebrochen, denn dem Täter wird aktiv Leid zugefügt, sogar durch Menschen, die selbst nicht von der Tat betroffen sind (Richter, Vollzugsbeamte).

Harte freiheitsentziehende Maßnahmen lassen sich daher nur durch Gefahrenabwehr und geordnete Resozialisierung rechtfertigen, also dass man das Leid des Täters in Kauf nimmt, um größeres Leid abzuwenden (Prinzip der generellen Leidminimierung). Und auch hier ist die Haft möglichst freundlich auszugestalten und nicht absichtlich auf Entbehrung/Unbequemlichkeit ausgerichtet. Eben weil es keine Rache/Vergeltung sein darf.

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