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  • Guckstu

mehr als 1000 Beiträge seit 18.03.2024

Re: Fünf Artikel über Waffen auf der Startseite von Telepolis.

Flake schrieb am 23.08.2024 21:52:

Die ganze Welt rüstet auf um sich zu verteidigen.

Ja.

Der Kampf um die letzten Ressourcen ist kurz davor in einen Weltkrieg zu münden.

Nein.
Der Ukrainekrieg ist kein Kampf um Ressourcen. Die Ukraine hat nichts, das es nicht anderswo auch zu einem guten Preis gäbe.

Selbst ohne Einsatz von Nuklearwaffen wird das zu einer humanitären Katastrophe werden, zu der die 27 Mio. toten Sowjetbürger des 2. Weltkriegs wie ein Fliegenschiss aussehen.

Nein.
Im Krieg schätzt man bisher 0,6 Mio tote und verwundete Russen, auf ukrainischer Seite viel weniger.

Selbst wenn NATO-Staaten direkt eingreifen sollten, wird das davon kein Weltkrieg, und da kommt keine weitere Million zusammen.

Wenn es um Ressourcen geht, sind große Kriege sogar kontraproduktiv, die zerstören mehr, als man jemals erobern könnte.

Bevölkerungsdichte Staaten, wie ganz Europa, Indien und China sind auf eine funktionierende Infrastruktur angewiesen. Ohne Energie brechen Lieferketten zusammen, die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung ist nicht mehr gewährleistet, innerhalb von nur kurzer Zeit werden die Menschen verdurstet und verhungert sein, wenn sie nicht vorher gemeuchelt wurden. Der leider gescheiterte Versuch der Russen und Ukrainer die Angriffe auf gegnerische Infrastruktur zu reduzieren zeigt, dass die Entscheider sehr wohl wissen, wie schwachsinnig und selbstmörderisch eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen Industriestaaten ist.

Eben.
Der Ukrainekrieg ist ja im wesentlichen auch nur Russlands Versuch, den alten Großmachtstatus auf militärischem Weg herbeizuzwingen.
Russland hat schon jetzt mit seiner wirtschaftlichen Entwicklung der kommenden 20 Jahre oder mehr bezahlt, davon erholt sich die russische Wirtschaft wahrscheinlich nicht mehr.
Aber Putins Kleptokraten sind auch gar nicht groß dran interessiert. Die sind es zufrieden, wenn Russland zu einem typischen armen Rohstoffland mit einer sich bereichernden Elite wird - das ist nicht Putins Ziel, aber das ist der Grund, warum er genügend Unterstützer hat, die ihn an der Macht halten.

Gut, jetzt haben die Russen einen neuen Weg gefunden seine Nachbarn zu bedrohen, uns fällt sicher eine angemessene Antwort dazu ein, ebenfalls den Indern und Chinesen und wer sich sonst noch bedroht fühlt.

Die haben wir sogar.
Genügend aufrüsten, dass ein militärischer Überfall auch einem Putin sinnlos erscheint.
Genügend auf die öffentliche Meinung achten, dass auch hybride Methoden nicht funktionieren; das sind kalter-Krieg-Maßnahmen, halt angepasst ans Internet statt mit Fernsehen, Radio und Zeitung.

Überall wird gezündelt, Afrika und der Nahe Osten gelten als Pulverfass, es gibt zahllose, auch wechselnde Allianzen, jeder denkt nur noch an Heute und nicht an Morgen.

Das war schon immer so.

Wenn nicht ein Wunder geschieht oder Vernunft Einzug hält, passiert irgendwo ein Sarajewo und die Welt steht in Flammen.

Es gibt keine Blankoschecks für militärische Abenteuer mehr, wie es das Dt. Reich gegenüber Österreich ausgestellt hat; die Mechanismen, die aus Sarajewo einen Weltkrieg gemacht haben, sind nicht mehr wirksam.
Im Gegensatz zur Zeit von Sarajewo wissen die Regierenden ja, dass große Kriege weder unvermeidlich noch wirtschaftlich nützlich sind, und wann immer jemand aus nichtwirtschaftlichen Gründen Krieg will, geht ein ganzer Haufen Staaten her und übt Druck aus, damit das nicht Realität wird.

Platt gesagt bekämpfen sich Staaten heute eher wirtschaftlich als militärisch, nur Russland hat mit seinen Wirtschaftsproblemen nicht in dieser Liga mithalten können und versucht, sein Umfeld wieder auf das Feld der militärischen Konfrontationen zurückzuzwingen wie im 19. Jahrhundert, weil es nur dort überhaupt noch eine Chance hat, mitzuhalten.
Das hat an der russischen Südflanke auch so einigermaßen funktioniert. Nur waren das alles keine Industriestaaten, die bei Bedarf auch ordentlich Waffen raushauen können; Putin hat gemeint, die Industriestaaten seien mental nicht fähig, ein effektives Militär auf die Beine zu stellen und er hätte auf DEM Weg eine Chance, und dieser Kalkül geht auch so ein bisschen auf, aber je ernsthafter er sich dem Sieg nähert, desto mehr werden auch die westlichen Geizlinge ihre Geldbörsen öffnen.

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