Es wäre interessant und wichtig, das Thema Sicherheitsgarantien weiter zu durchdenken. De facto hat die Ukraine nämlich über bilaterale Abkommen schon alle Sicherheitsgarantien bekommen, die sie haben möchte.
Beziehungsweise nicht ganz. Präsident Selenskys scheint es extrem wichtig zu sein, Soldaten aus NATO-Ländern in der Ukraine zu stationieren. Warum, erschließt sich nicht: In der Ukraine stehen sich je knapp 1 Million Soldaten auf ukrainischer und auf russischer Seite gegenüber. Fast alle erfahrene Veteranen. Extrem gut bewaffnet. Nach einem Ende des Krieges können diese Soldaten jederzeit kurzfristig mobilisiert werden.
Es ist schwer zu sehen, wie 50000 NATO-Soldaten ohne Kriegserfahrung, mit Waffen, die sie nur in Manövern testen konnten, ein Aufflammen neuer Kämpfe verhindern könnten. Auf einer Frontline von weit über 1000 km. Der einzige Unterschied: Würden NATO- oder EU-Soldaten in der Ukraine angegriffen und sich wehren, wäre das Entsendeland ziemlich sicher offiziell im Krieg mit Russland. Ist das wirklich der Weg zu Frieden in Europa?
Die Vorschläge Trumps (aktuell) und Putins (vom Dezember 2021) wirken da durchdachter:
1. Wenn die USA und Europa mit eigenen Firmen und einer Menge eigenen Geldes in der Ukraine, beim Wiederaufbau, investiert wären, wären sowohl die USA als auch die EU mit Sicherheit deutlich motivierter, ihre Bürger, ihre Unternehmen und ihre Investitionen notfalls auch militärisch vor Angriffen zu schützen.
2. Wenn alle Seiten schwere Waffen und den Großteil ihrer Soldaten möglichst weit von der Grenzlinie abziehen, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass der Krieg wieder ausbricht. Mangels Soldaten und Waffen. Die Einhaltung einer demilitarisierten Zone könnten neben Satelliten und Drohnen natürlich auch Beobachter übernehmen. Ganz ohne Waffen.
Interessanter als Debatten über "Friedenssoldaten" und "Sicherheitsgarantien wäre eine Analyse, warum die Minsk-Abkommen gescheitert sind. Dort waren ebenfalls Waffenstillstand und neutrale Zonen vereinbart worden, nur die Umsetzung hat nicht geklappt. Was immer man damals falsch gemacht hat, sollte man jetzt besser machen.