Die Geldmenge M 3 im Euroraum ist zwischen 2010 und 2020 um 55 % angewachsen, während die reale Wirtschaftsleistung nur um 7,2 % wuchs. Doch dem Wachstum der Geldmenge bei wohl gleichzeitig zunehmender Zirkulation steht kein adäquates Angebot an Waren und Dienstleistungen gegenüber, es kommt zu Knappheiten und merklichen Preisaufschlägen. Gleichzeitig wandert immer mehr Geld in die sog. Asset-Märkte und ins Schattenbankensystem, wo es Preisblasen und Crashgefahr hervorbringt.
Während in Nicht-Euro-Ländern (Tschechien, Schweden, USA u.a.) die Leitzinsen bzw. Marktzinsen zumindest moderat steigen, ist das in der strukturell zerrissenen Eurozone nur unter Inkaufnahme einer Aktualisierung der Staatsschuldenkrise möglich. Trotz EZB-Ankaufprogramm sind gerade die Schulden der Südländer weiter gestiegen, ebenso wie das strukturelle Gefälle im Euroraum.
Neben der deutlich angestiegenen Inflation - von der entgegen dem vom Autor erweckten Eindruck gerade EU-Peripherieländer wie Polen, Ungarn, Litauen, Lettland, Slowakei, aber auch Spanien betroffen sind - ist die fatalste Folge der aktuellen EZB-Geldpolitik die Aufgabe makro-ökonomischer Steuerung. Deshalb ist auch der Vergleich mit der Konjunkturkrise 1966/67 in der BRD völlig unsinnig. Denn der begegnete man mit klassisch-keynesianischen Methoden. Die Bundesbank senkte 1967 den Diskontsatz in mehreren Schritten von 5% auf 3%, um ihn bis 1969 in mehreren Schritten wieder auf 5 % anzuheben.
Von dieser Art der Geldpolitik und makro-ökonomischer Steuerung ist im Euroraum heute nichts mehr übrig. Die EZB-Geldschwemme zielt nur noch darauf, wie es Wolfgang Streeck in seinem lesenswerten Buch benennt, "Zeit zu kaufen", um "die Krise des demokratischen Kapitalismus zu vertagen", - womit sie in ihren möglichen Auswirkungen aber immer dramatischer wird. Dogmatismus und Festhalten am geopolitischen Machtprojekt EU lässt nicht einmal die Debatte über eine Neuordnung des Euroraums incl. der Wiederherstellung von nationaler Währungssouveränität und Abwertungsmöglichkeit zu.
Das Posting wurde vom Benutzer editiert (03.11.2021 15:16).