Chipfabrik-Wende: Dresden statt Silicon Valley in Sachsen-Anhalt

Christian Kliver,
Pick and Place Maschine greift Chips auf

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Intel sagt Chipfabrik in Magdeburg ab. Dresdner Firma FMC plant stattdessen Milliardenprojekt. Kann das Unternehmen die Lücke füllen?

Der US-Chipkonzern Intel hat seine Pläne für den Bau einer Fabrik in Magdeburg in Sachsen-Anhalt endgültig aufgegeben. Auch ein geplantes Werk in Polen werde nicht gebaut, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Ziel sei es, die Produktionskapazitäten zu optimieren.

Hintergrund sind Verluste in Milliardenhöhe, die Intel bekanntgegeben hat. Der neue Konzernchef Lip-Bu Tan will im Rahmen eines verschärften Sanierungskurses ein Viertel der bislang knapp 100.000 Stellen streichen. Ein Großteil der Kündigungen sei bereits Anfang Juli ausgesprochen worden.

Intel hatte in Magdeburg zunächst den Bau von zwei Chipfabriken angekündigt. Dabei sollten rund 3.000 Arbeitsplätze entstehen. Die Investition wurde auf rund 30 Milliarden Euro beziffert. Die Bundesregierung hatte 2023 staatliche Hilfen von 9,9 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

Im September 2024 hatte es noch geheißen, der Fabrikbau werde sich um zwei Jahre verzögern. Doch unter dem neuen Chef Tan griff Intel zu einem harten Sparkurs, um die Bilanz in den Griff zu bekommen. Intel steckt in einer tiefen Krise, da das Unternehmen den Anschluss bei Smartphone-Chips und KI-Chips verpasst hat.

Dresdner Firma FMC plant neues Milliardenprojekt bei Magdeburg

Derweil gibt es neue Pläne für eine Chipfabrik nahe Magdeburg: Die Dresdner Firma FMC (Ferroelectric Memory Company) will dort Speicherchips für die europäische Industrie produzieren. Ziel sei es, die Abhängigkeit von ausländischen Herstellern zu verringern, sagte FMC-Geschäftsführer Thomas Rückes.

Es handele sich um ein Milliardenprojekt, sagte Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze (CDU). Nach dem Rückzug von Intel seien die Gespräche mit FMC ein wichtiger Plan B. Auf dem für Intel vorgesehenen Gelände von 400 Hektar sollen sich auch andere Unternehmen ansiedeln. Das FMC-Projekt umfasst rund 100 Hektar.

FMC wurde 2016 gegründet und ging aus dem Umfeld der TU Dresden hervor. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben Speicherzellen mit extrem niedrigem Stromverbrauch entwickelt, die den Energiebedarf von KI-Rechenzentren senken. Zu den Investoren von FMC gehören Bosch, Air Liquide, Merck und andere internationale Geldgeber.

Laut einem Unternehmenssprecher wäre dies die erste Chipfabrik von FMC in Deutschland. Derzeit lässt FMC die Chips in anderen Fabriken fertigen. Als nächstes soll eine Absichtserklärung mit dem Land Sachsen-Anhalt unterzeichnet werden. Danach sind Gespräche mit dem Bund und der EU über eine mögliche Finanzierung geplant.