Eigenheim oder Miete? Die Entscheidung, die über Reichtum bestimmt

Matthias Lindner
Der Geldbaum muss gehegt werden.

Der Geldbaum muss gehegt und gepflegt werden.

(Bild: Doidam 10 / Shutterstock.com)

Eigenheim oder Miete - eine Entscheidung mit großen Folgen für das Vermögen. Laut einer Studie macht selbstgenutztes Wohneigentum bis zu 50 Prozent des Bruttovermögens aus.

Viele Deutsche halten sich für arm. Doch eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeichnet ein anderes Bild. Der aktuelle IW-Kurzbericht basiert auf einer Befragung der Deutschen Bundesbank aus dem Jahr 2023 und liefert interessante Erkenntnisse dazu, wie das Vermögen in Deutschland verteilt ist.

Die Hälfte der Haushalte besitzt mehr als 100.000 Euro

Das sogenannte Medianvermögen aller privaten Haushalte lag demnach 2023 bei 103.100 Euro. Der Median ist wie eine Grenze. Er teilt eine Gruppe in zwei Hälften. Das bedeutet: Die eine Hälfte der Haushalte hatte mehr als 103.100 Euro, wenn man alles zusammenzählt, was sie besitzen. Die andere Hälfte hatte weniger.

Laut den Studienautoren muss ein Haushalt mehr als 777.200 Euro besitzen, um zu den reichsten zehn Prozent in Deutschland zu gehören. Das ist fast achtmal so viel wie das Medianvermögen.

Wieviel die Deutschen besitzen, hängt stark vom Alter ab. Jüngere Haushalte, in denen die älteste Person unter 35 Jahre alt ist, haben im Median nur 17.300 Euro. Bei den 55- bis 64-Jährigen sind es aber 241.100 Euro – fast 14-mal so viel.

Der Grund dafür ist laut den Studienautoren, dass man lange braucht, oft ein ganzes Arbeitsleben, um Vermögen aufzubauen. Erst wenn man in Rente geht, gibt man das Vermögen nach und nach wieder aus. Wer 75 oder älter ist, besitzt im Median noch 172.500 Euro.

Große Unterschiede auch innerhalb der Altersgruppen

Aber nicht nur zwischen Jung und Alt gibt es große Unterschiede. Auch innerhalb der Altersgruppen ist das Vermögen sehr ungleich verteilt. Um zu den reichsten zehn Prozent der unter 35-Jährigen zu gehören, muss man mehr als 200.400 Euro besitzen. Bei den 55- bis 64-Jährigen liegt diese Grenze sogar bei über einer Million Euro.

Ein statistisches Maß für die Ungleichheit ist der sogenannte Gini-Koeffizient. Er liegt zwischen 0 und 1. Je näher der Wert an 1 ist, desto ungleicher ist die Verteilung. Man kann sich das wie eine Pizza vorstellen: Wenn jeder ein gleich großes Stück bekommt, ist der Gini-Koeffizient 0. Wenn aber einer fast die ganze Pizza alleine isst und für die anderen nur Krümel übrig bleiben, ist er nah an 1. Bei den jungen Haushalten bis 35 Jahre beträgt der Gini-Koeffizient 0,83, bei den 55- bis 64-Jährigen 0,63.

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Eigenheim macht den Unterschied

Laut den IW-Experten spielen das eigene Haus oder die eigene Wohnung eine große Rolle, wenn es darum geht, Vermögen aufzubauen. Während bei den unter 35-Jährigen nicht mal jeder Zehnte im Eigenheim wohnt, ist es bei den 55- bis 64-Jährigen mehr als jeder Zweite.

Insgesamt macht selbst genutztes Wohneigentum in den meisten Altersgruppen 42 bis 50 Prozent des Bruttovermögens aus. Bruttovermögen nennt man alles, was jemandem gehört, ohne Schulden abzuziehen.

Auch ob jemand alleine oder mit einem Partner zusammenlebt, macht einen großen Unterschied beim Vermögen. Jüngere Singles haben im Median nur 9.800 Euro, während Paare in dieser Altersgruppe auf 42.300 Euro kommen. Bei den 55- bis 64-Jährigen besitzen Alleinstehende im Schnitt 79.800 Euro, Paare hingegen 361.800 Euro.

Jeder 20. ist verschuldet

Laut der Studie haben 5,7 Prozent der Haushalte mehr Schulden als Vermögen. Das bedeutet, wenn sie alles verkaufen würden, was sie besitzen, könnten sie ihre Schulden nicht bezahlen. Bei den unter 35-Jährigen trifft das sogar auf elf Prozent zu, während es bei den über 75-Jährigen nur etwa ein Prozent sind.

Hypotheken, also Kredite für Häuser oder Wohnungen, und andere Kredite zum Beispiel für Autos oder Möbel, sind in der Mitte des Lebens am weitesten verbreitet. Bei den 35- bis 44-Jährigen machen Schulden rund ein Viertel von dem aus, was sie insgesamt besitzen.

Um den Menschen zu helfen, Vermögen aufzubauen, schlagen die IW-Experten vor, dass der Staat ihnen nicht mehr so tief in die Taschen greifen sollte. Wenn nach Abgaben und Steuern mehr vom Gehalt übrig bleibt, dann könnte auch leichter Vermögen aufgebaut werden.