Irankrieg: US-Militär bereitet mögliche Bodeninvasion vor

Marcel Kunzmann
Brennende Fördertürme

Die Insel Kharg ist der wichtigste Erdölexporthub für den Iran

(Bild: خسرو حیرت نگاری/Commons/CC-4.0)

Das Pentagon bereitet möglichen Einsatz von Bodentruppen im Iran vor. Laut Medienberichten soll die Insel Kharg im Fokus stehen. Ein Überblick.

Der von Israel und den USA gestartete Angriffskrieg auf den Iran steht möglicherweise vor der nächsten Eskalationsstufe. Hochrangige US-Militärvertreter haben Präsident Donald Trump detaillierte Vorbereitungspläne für den Einsatz von Bodentruppen im Iran vorgelegt, wie der Nachrichtensender CBS News unter Berufung auf mehrere eingeweihte Quellen berichtete.

Demnach bereite das Pentagon auch die mögliche Inhaftierung iranischer Soldaten und paramilitärischer Kräfte im Rahmen einer Bodenoffensive vor.

Gleichzeitig berichtet die Nachrichtenplattform Axios unter Berufung auf vier mit der Angelegenheit vertraute Quellen, dass die Trump-Administration konkret eine Besetzung oder Seeblockade der iranischen Insel Kharg erwägt. Die Insel liegt rund 25 Kilometer vor der iranischen Küste und wickelt 90 Prozent der iranischen Rohölexporte ab.

Eine Zerstörung der dortigen Energieinfrastruktur könnte den Krieg massiv eskalieren lassen, mit Folgen für die Weltwirtschaft.

Weißes Haus betont: Noch keine Entscheidung getroffen

Pressesprecherin Karoline Leavitt erklärte, es sei "die Aufgabe des Pentagon, Vorbereitungen zu treffen, um dem Oberbefehlshaber maximale Handlungsoptionen zu geben". Dies bedeute nicht, dass der Präsident bereits eine Entscheidung getroffen habe. Trump selbst habe erst am Vortag im Oval Office gesagt, er plane derzeit nicht, Bodentruppen irgendwohin zu entsenden.

Trumps Aussagen bleiben allerdings widersprüchlich. In einem rund 15-minütigen Telefonat mit dem Sender CNBC sagte er am Freitag, die USA könnten "die Iran-Operation jetzt beenden und Teheran trotzdem für mehr als ein Jahrzehnt am Wiederaufbau hindern". Das sei jedoch "keine akzeptable Situation". Würden die USA jetzt abziehen, bräuchte Iran mindestens zehn Jahre für den Wiederaufbau, "aber sie werden das Land wiederaufbauen", so Trump. "Wenn wir länger bleiben, werden sie nie wiederaufbauen."

Gegenüber Reportern sagte Trump am Donnerstag zudem, er werde "keine Truppen irgendwohin schicken", fügte aber hinzu: "Wenn ich es täte, würde ich es Ihnen sicherlich nicht sagen."

Kharg Island als strategischer Hebel

Hintergrund der Überlegungen ist Irans Blockade der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt für den globalen Ölhandel. Die Blockade hat weltweit die Energiepreise in die Höhe getrieben und Trump dazu gezwungen, eine geplante China-Reise Ende März zu verschieben, wie zwei eingeweihte Quellen gegenüber Axios bestätigten.

"Er will, dass Hormus geöffnet wird. Wenn er dafür Kharg Island einnehmen muss, wird das passieren. Wenn er sich für eine Küsteninvasion entscheidet, wird das passieren. Aber diese Entscheidung ist noch nicht gefallen", sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter gegenüber Axios.

Ein zweiter hochrangiger Beamter erklärte: "Wir hatten unter jedem Präsidenten, einschließlich Trump, immer Bodentruppen in Konflikten. Ich weiß, dass das in den Medien ein Fixpunkt ist, und ich verstehe die Politik dahinter, aber der Präsident wird tun, was richtig ist."

Bereits am vergangenen Freitag hatte das US-Militär massive Luftangriffe auf Dutzende militärische Ziele auf Kharg Island durchgeführt. US-Vertreter bezeichneten den Angriff als "Warnschuss", um Iran zur Öffnung der Meerenge zu bewegen. Zugleich diente er dazu, Irans militärische Fähigkeiten auf der Insel zu schwächen und den Boden für eine mögliche Bodenoperation zu bereiten.

Trump äußerte sich dazu am Donnerstag: "Wir können die Insel jederzeit einnehmen. Ich nenne sie die kleine Insel, die da so völlig ungeschützt liegt. Wir haben alles zerstört außer den Pipelines. Die haben wir gelassen, weil ein Wiederaufbau der Pipelines sie Jahre kosten würde."

Militärexperten skeptisch

Gegenüber Axios meldeten Militärs bereits bedenken an. Konteradmiral a.D. Mark Montgomery warnte, eine solche Mission könnte US-Truppen einem unnötigen Risiko aussetzen, ohne dass der Erfolg gesichert sei. "Wenn wir Kharg Island einnehmen, werden sie den Hahn am anderen Ende zudrehen. Es ist ja nicht so, dass wir damit ihre Ölproduktion kontrollieren", sagte er.

Eine Quelle mit Kenntnis der Überlegungen im Weißen Haus rechtfertigte die Strategie hingegen so: "Wir brauchen etwa einen Monat, um die Iraner mit Angriffen weiter zu schwächen, die Insel einzunehmen und sie dann am Haken zu haben, um sie für Verhandlungen zu nutzen."

Der Iran dürfte im Rahmen seiner bisher gezeigten Strategie mit massiven Vergeltungsschlägen gegen die Golfstaaten und deren Infrastruktur reagieren, um den Preis des Angriffs in die Höhe zu treiben. Die Konsequenzen dieser Gegenschläge könnten eine Eskalationsspirale in Gang setzen, welche die gesamte Energieinfrastruktur am Golf in Mitleidenschaft zieht.

Truppenaufstockung läuft bereits

Laut einem Reuters-Bericht werden Tausende zusätzliche Marineinfanteristen und Seeleute in die Region verlegt. Eine 2.500 Mann starke Marineexpeditionseinheit soll innerhalb weniger Tage eintreffen, zwei weitere Einheiten ähnlicher Größe befinden sich ebenfalls auf dem Weg.

Über weitere Verstärkungen werde zwischen Weißem Haus und Pentagon diskutiert, eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Senator Tom Cotton, republikanischer Vorsitzender des Geheimdienstausschusses im Senat, bezeichnete Trumps Haltung, eine Bodeninvasion nicht auszuschließen, als "besonnen". Ob er persönlich dafür sei, wollte er nicht sagen. Die Schließung der Meerenge durch Iran bezeichnete Cotton als Akt der Verzweiflung, Trump verfüge aber über "Berge von Plänen" für dieses Szenario.