Klimaskeptiker sind lernbereiter als Klimaschützer glauben

Andrej Simon
Lehrerin mit einem Globus

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Klimaskeptiker lernen schneller um als gedacht. Doch Wissen allein reicht nicht. Was wirklich fehlt, ist überraschend.

Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Doch wie erreicht man die Öffentlichkeit mit wirksamen Botschaften?

Eine aktuelle Studie des Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM), mit Sitz in Tübingen, zeigt: Die Kommunikation des hohen wissenschaftlichen Konsenses (97 Prozent der Klimawissenschaftler sind sich einig) kann als "Gateway" dienen, um das Lernen aus Klimabildungsvideos zu steigern.

Die Forscher nutzten dazu Videos von KLIMA° vor acht und testeten die Wirkung verschiedener Konsens-Botschaften in einem Experiment mit 941 Teilnehmern in Deutschland.

Die Studie weist darauf hin, dass die Kommunikation eines falschen, niedrigen Konsenses einen stark negativen Effekt hat und die öffentliche Wahrnehmung der wissenschaftlichen Einigkeit erheblich senkt. Der negative Effekt einer solchen Falschinformation kann durch eine nachträgliche, korrekte Konsens-Botschaft allerdings wieder vollständig korrigiert werden.

Menschen passen ihre eigene, oft zu niedrige Schätzung des Konsenses an die kommunizierte, hohe Prozentzahl an, wie einer der Verfasser der Studie des Perception Action Lab des Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM), Jan Pascal Göbel, in einem YouTube-Video erklärt.

Botschaften, die einen niedrigen wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel vermitteln, bergen demnach ein erhebliches Risiko: Sie können die wahrgenommene Einigkeit unter Experten deutlich senken. In der Studie zeigte sich, dass ein ursprünglich angenommener Konsens von 71 Prozent durch die Kommunikation einer niedrigeren Zahl (55 Prozent) im Schnitt auf etwa 65 Prozent oder darunter absank – ein Niveau, das bereits Zweifel an der wissenschaftlichen Einigkeit begünstigt.

Dieser negative Effekt beeinflusste jedoch nicht das Lernen aus begleitenden Bildungsvideos. Zudem ließ er sich vollständig korrigieren: Wurde nachträglich der tatsächliche hohe Konsens von 97 Prozent unter den Wissenschaftlern kommuniziert, passte sich die Wahrnehmung wieder an das Niveau von Personen an, die von Beginn an die korrekte Information erhalten hatten. Bei Personen, die mit einer Falschinformation konfrontiert wurden, war die Korrektur umso wirksamer, je unsicherer sie sich ursprünglich in ihrer Einschätzung waren.

Die Ergebnisse legen nahe, dass korrekt platzierte Konsensbotschaften – etwa vor Bildungsinhalten – nicht nur Fehleinschätzungen ausgleichen, sondern auch das Lernen unterstützen können.

Das Aufmerksamkeitsproblem: Labor-Erfolge scheitern in der Praxis

Allerdings bleibt eine zentrale Hürde: die Aufmerksamkeit. Eine Studie im British Journal of Political Science vom August letzten Jahres zeigt, dass Botschaften, die im Labor funktionieren, in der Praxis oft scheitern – weil die Zielgruppen sie gar nicht erst wahrnehmen. In einem Feldexperiment mit Postkarten, die auf Basis erfolgreicher Umfrage-Experimente gestaltet wurden, zeigte sich: Die Botschaften hatten keine messbaren Effekte auf Klimaeinstellungen.

Erst als die Teilnehmer in einem Folge-Experiment gezwungen wurden, die Postkarten eine Minute lang zu betrachten, zeigten sich deutliche Effekte – ähnlich wie in früheren Labor-Studien. Ein weiterer Versuch, die Aufmerksamkeit zu steigern, scheiterte ebenfalls: Postkarten mit auffälligen Rubbelfeldern ("Scratch-off panels") funktionierten nicht besser als Standard-Postkarten.

Sechs Schlüsselwahrheiten: Was wirkt wirklich?

Eine US-Studie, erschienen in der Fachzeitschrift in Climatic Change im April 2025, untersuchte, welche "Schlüsselwahrheiten" über Klimawandel am stärksten mit politischer Unterstützung, Informationssuche und politischem Aktivismus zusammenhängen.

Die sechs Wahrheiten sind demnach:

  • "Es ist real" (Klimawandel findet statt)
  • "Wir sind es" (Menschen verursachen ihn)
  • "Experten sind sich einig" (97-prozentiger Konsens)
  • "Es ist schlimm" (Klimawandel schadet)
  • "Andere kümmern sich" (soziale Normen)
  • "Es gibt Hoffnung" (Handlungsmöglichkeiten).

Die Ergebnisse zeigen: Soziale Normen ("Andere kümmern sich") sind die konsistentesten Prädiktoren für alle untersuchten Verhaltensweisen – von Informationssuche über politische Unterstützung bis hin zu Aktivismus.

Interessanterweise war "Es ist real" in keinem Modell ein signifikanter Prädiktor – möglicherweise, weil die Mehrheit der Amerikaner mittlerweile überzeugt ist, dass Klimawandel stattfindet.

Glaubwürdigkeit der Quelle entscheidend

Eine aktuelle US-Studie, erschienen Februar im Journal of Environmental Psychology, verweist darauf, dass die wahrgenommene Glaubwürdigkeit der Informationsquelle (z.B. Wissenschaftler im Vergleich zu Politikern) ein entscheidender Faktor für die Akzeptanz von Klimainformationen ist.

Die Studie testete zwölf verschiedene Informationsquellen über zwei verschiedene Frames. Ergebnis: Wissenschaftler und Graswurzel-Aktivisten wurden als glaubwürdigste Quellen bewertet, während Fossil-Fuel-Vertreter und die Republikanische Partei (GOP) als am wenigsten glaubwürdig galten.

Klimaskeptiker sind offener als gedacht

Zu einem bemerkenswerten Ergebnis in diesem Zusammenhang kam im Mai letzten Jahres eine Studie der Universität Mannheim: Klimaskeptiker sind demnach offener für neue Informationen als allgemein angenommen.

In Umfragen mit mehreren hundert Menschen in den USA reagierten Klimaskeptiker auf evidenzbasierte Informationen über Klimawandel – und zwar offener, als sie selbst oder andere erwartet hatten.

Allerdings: Selbst, wenn Zweifler ihre Haltung überdenken, führt dies selten zu politischem Engagement oder klimafreundlichem Verhalten.

"Unsere Studie bestand aus einer einzigen Exposition gegenüber einer Klimawandel-Nachricht, und wir zeigten, dass dies ausreicht, um Überzeugungen zu beeinflussen; jedoch könnte die Änderung des Verhaltens wiederholten Zugang zu Informationen über Klimawandel erfordern", so die Forscher.

Weniger Klimaberichterstattung trotz steigender Relevanz

Trotz der belegten Wirkung von Klimaberichterstattung nimmt deren Anteil im öffentlich-rechtlichen Fernsehen stetig ab. Laut einer aktuellen Programmauswertung von KLIMA° vor acht entfielen bisher im Jahr 2026 nur noch 0,8 Prozent des Gesamtprogramms (Stand 26.02.26) des ersten Programms (ARD) auf Klimathemen. Zum Vergleich: Im Jahr 2025 waren es 1,3 Prozent, im Jahr 2024 1, 49 Prozent und 2,2 Prozent im Jahr 2023.

Das Team von KLIMA° vor acht fordert deshalb ein tägliches, kurzes TV-Format zur Primetime – direkt vor der Tagesschau – als wirksames Mittel gegen Klima-Desinformation und für eine informierte Öffentlichkeit.

Konsens-Kommunikation wirkt – aber nur, wenn sie ankommt

Zusammenfassend zeigen die Studien: Die Kommunikation des wissenschaftlichen Konsenses ist wirksam – aber nur, wenn die Botschaften auch ankommen. Falschinformationen über einen niedrigen Konsens schaden erheblich, lassen sich aber korrigieren.

Die größte Hürde ist die Aufmerksamkeit. Entscheidend für die Akzeptanz von Klimainformationen ist die Glaubwürdigkeit der Quellen.