Kostensenkung statt Innovationen: Was deutsche Konzerne falsch machen
Deutschlands Konzerne streichen Stellen, statt zu investieren. Kostensenkung und falsche Produkte dominieren. Die Änderungen liegen auf der Hand.
Deutsche Unternehmen sind im Krisenmodus. Konzerne wie VW, Schaeffler, Continental oder Bosch streichen tausende Stellen. Die Zahl der Firmenpleiten erreichte Anfang 2026 den höchsten Stand seit 2014.
US-Importzölle und der Einbruch des China-Geschäfts werden von vielen Unternehmen als Gründe angeführt. Selten wird über hausgemachte Probleme und unternehmerische Fehlentscheidungen berichtet.
Die Trägheit überrascht selbst Patrick Guggenberger, McKinsey-Berater: "Deutsche Firmen neigen dazu, Unsicherheiten über Regelungen und Planungen zu reduzieren". Der Consultingriese hat für seinen Report "State of Organizations 2026" knapp 10.000 Führungskräfte weltweit befragt, davon hierzulande 600.
Der Consultant ist verwundert, "wie groß das Spannungsfeld zwischen dem Anpassungsdruck und der tatsächlichen Umsetzungsgeschwindigkeit" sei. Strukturen und Prozesse hindern an einer schnellen Reaktion, so die Befragten. "Die Geschwindigkeit, in der die Firmen Innovationen entwickeln und auf den Markt bringen, kann darunter leiden", mahnt Guggenberger.
Deutsche Firmen konzentrieren sich stärker darauf, die Kosten zu reduzieren, als es die Konkurrenz im Ausland tut. Die Befragung macht deutlich: Innovationsmanagement zählt nicht zu den Stärken deutscher Manager. Innovationen durch neue Dienstleistungen oder Produkte sind häufig Grundlage des Unternehmenserfolgs.
Unternehmen benötigen die regelmäßige Weiterentwicklung ihrer Produkte, da oft eine schnelle Reaktion auf geänderte Nachfragewünsche bedeutsam ist. Unternehmen müssen die Voraussetzungen für Innovationsbereitschaft schaffen.
Ein bezeichnendes Beispiel für aktuelle Probleme ist Volkswagen: "Gewinn bricht drastisch ein – Volkswagen streicht 50.000 Stellen in Deutschland", meldet die Welt.
VW werde nun "weiter konsequent unsere Kosten senken", erklärt VW-Finanzchef Arno Antlitz.
Jährlich sollen rund 6 Milliarden Euro eingespart werden, insgesamt ist von bis zu 60 Milliarden Euro Kostenreduzierung die Rede.
"Wir haben deutlich gemacht: Unsere Substanz ist robust, unsere Zukunftsprogramme wirken. Mit einem kräftigen finanziellen Momentum zum Jahresende haben wir unser Unternehmen weiter gestärkt."
Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender VW
VW: Ausschüttung an Aktionäre trotz Krise
Pressemeldungen über einen Gewinneinbruch beim Auto-Konzern sagen wenig über die wirtschaftliche Situation aus.
"Trotz des Rückgangs erzielte Volkswagen im Jahr 2025 immer noch ein operatives Ergebnis von 8,9 Milliarden Euro, das sind 6,9 Milliarden Euro Gewinn nach Steuern. Davon werden 3,2 Milliarden Euro an die Aktionäre ausgeschüttet – eine Rendite von gut sechs Prozent. Allein der Porsche-Piëch-Clan erhält für das Geschäftsjahr 2025 mindestens eine Milliarde Euro."
Stephan Krull, ehemaliger VW-Betriebsrat
Das Problem: Die Fabriken der Autohersteller sind nicht ausgelastet, etwa VW Wolfsburg nur zu 60 Prozent. Das ist jedoch eine Folge der Produktpolitik. Luxuriöse Autos mit höheren Gewinnspannen dominieren das Angebot. Kleinere preiswerte Wagen sind aus dem Produktionsprogramm gestrichen. Dies macht den Verkauf im Inland schwer.
In den Betrieben wächst der Unmut, weil die Belegschaft in den letzten Jahren auf Teile des Einkommens verzichtet hat, um Zukunftsprojekte zu ermöglichen. Die Perspektive der Beschäftigten kommt zu kurz, sagt auch die Umweltschutzorganisation Robin Wood. Menschen fürchten um ihre Arbeitsplätze in einer Branche, die die Klimakrise vorantreibt.
"Die Sicherung von Jobs ist ein wichtiger Baustein der Auseinandersetzung um die Weiterentwicklung der Industrie in Deutschland", schreiben die Umweltaktivisten:
"Gleichzeitig wird auch die Debatte, was und wie an diesen Standorten zukünftig produziert wird, momentan ausschließlich anhand von wirtschaftlichen Kriterien entschieden. Die Perspektiven der Beschäftigten und eine gesellschaftliche Debatte, was sinnvoll und notwendig produziert werden sollte, fehlt.
Wir glauben, dass diese Debatte nicht nur fair, sondern auch unerlässlich ist. Denn wenn nur Unternehmensinteressen und Gewinne darüber entscheiden, was produziert wird, rückt ein sozial-ökologische Wende in weite Ferne."
VW-Vorstand Oliver Blume verwendet sehr viel Energie auf politische Interventionen. Wie CDU und AfD will er auf EU-Ebene das Verbrenner-Aus bis mindestens 2040 verschieben. Dabei zeigt die aktuelle Situation, dass die VW-Strukturkriese so nicht gelöst werden kann.
Steigende und stark schwankende Ölpreise, befeuert durch den US-Angriff auf den Iran, machen Benzin und Diesel teuer. E-Autos und der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs ermöglichen mehr Unabhängigkeit von fossilen Kraftstoffen.