Müssen Haustierhalter bald CO2-Steuer zahlen?

Nick Reimer
Hund schaut auf Globus, der mit Bändern umschlungen ist

Ein Hund erzeugt im Laufe seines Lebens beinahe soviel Treibhausgas wie zwei Erdumrundungen mit dem Auto

Hunde und Katzen haben einen größeren CO2-Fußabdruck als viele denken – doch ein Detail beim Futter entscheidet alles.

Kreuzfahrten, Flüge, Fleischkonsum oder der SUV: Die meisten Klimakiller des Alltags sind bekannt. Was gern übersehen wird: Auch "Schnuffi", "Leo" oder "Luna" tragen massiv zum Treibhauseffekt bei. Knapp 16 Millionen Hauskatzen leben in Deutschland, gut 10 Millionen Hunde und 4,3 Millionen Kleintieren wie Kaninchen, Meerschweinchen oder Hamstern.

Ein Hundeleben in Zahlen

Eine Studie der TU Berlin kam zu dem Schluss, dass ein Hundeleben 8,2 Tonnen Treibhausgas erzeugt, soviel wie bei 13 Hin- und Rückflügen von Berlin nach Barcelona freigesetzt werden. Oder so viel wie 72.800 Autokilometer, also fast zwei Erdumrundungen.

Berechnungsbasis der Berliner Studie war ein 15 Kilogramm schwerer Modellhund, der 13 Jahre alt wird. Die Forscher:innen betrachteten nicht nur die Tiernahrung, sondern auch den Herstellungs- und Lieferprozess des Futters sowie auch ökologische Belastungen, die etwa Urin und Kot verursachen.

Im Leben des Modellhundes fallen 2.000 Liter Urin und 1.000 Kilogramm Kot an – mit signifikantem Einfluss auf die Umwelt: Neben der Überdüngung der Gewässer, die etwa zu riesigen Todeszonen in der Ostsee geführt haben, im Futter enthaltene Schwermetalle führen zur Vergiftung des Bodens, auch manch Wasserorganismen vergiften die Hundeausscheidungen.

Die Berliner Studie untersuchte zudem indirekte Wirkungen auf die Umwelt, die beispielsweise von den Plastiktüten für die Fäkalien ausgehen. Hier rät die Studie ausdrücklich: Der zusätzliche Müll ist weniger schlimm, als die Ausscheidungen, die in die Umwelt gelangen. Haupttreiber des Kohlendioxid-Fußabdrucks bleibt allerdings die Hundenahrung.

Nicht jedes Futter ist gleich klimaschädlich

Eine Studie der University of Edinburgh hat jetzt große Unterschiede beim Hundefutter festgestellt. Für ihre Arbeit werteten die Forscher:innen 996 in Großbritannien handelsübliche Futtermarken aus: Trocken-, Nass-, Rohfutter oder solches auf Pflanzenbasis.

Anhand der Zutatenlisten und Nährwertkennzeichnung berechneten sie den Kohlendioxid-Abdruck. Das im Fachmagazin Journal of Cleaner Production veröffentlichte Ergebnis: Hundefutter kann Treibhausgas-intensiv sein, muss es aber nicht. Die Futter mit den höchsten Emissionen sind 65-mal klimaschädlicher als die klimafreundlichsten Produkte.

Hundefutter ist der Studie zu Folge für ein Prozent der gesamten Emissionen Großbritanniens verantwortlich. Wie zu erwarten war, schneidet Trockenfutter mit hohem Getreideanteil besser ab, als fleischreiche Produkte: je mehr Fleisch, umso mehr Emissionen.

Studienleiter John Harvey bescheinigt vielen Hundehaltern einen Zwiespalt: "Sie wollen ihre Tiere artgerecht füttern, zugleich aber den Planeten schonen". Dabei könnten bereits einfache Tipps beim Kauf des Futters viel bewirken.

Tipps für klimafreundlicheres Futter

Der Veterinär Harvey rät beispielsweise auf die Beschreibung der verwendeten Fleischstücke zu achten. Der Anteil an hochwertigem Muskelfleisch sollte möglichst gering sein, denn das könnten auch Menschen essen. Je mehr Reste aus der Schlachtung verwertet werden, desto besser.

Pflanzliches Hundefutter wäre eine noch klimafreundlichere Lösung, Studien würden belegen, dass sorgfältig zusammengestellte pflanzliche Futtermittel den Nährstoffbedarf von Hunden decken und ähnliche gesundheitliche Vorteile wie fleischhaltiges Futter bieten.

Wie groß das Problem "Hundefutter" ist, verdeutlicht, wenn man die Studienergebnisse hochrechnet: Würden alle Hunde der Welt so ernährt, wie mit dem untersuchten Hundefutter, kämen mehr als die Hälfte jener Emissionen zustande, die jedes Jahr durch das Verbrennen von Kerosin im Luftverkehr entstehen, so die Experten aus Edinburgh.

Die Klimabilanz der Stubentiger

Auch der Treibhausgas-Abdruck der Katzen gilt mittlerweile als gut untersucht: Laut Rechner des Umweltbundesamtes verursacht eine Katze durchschnittlich 400 Kilogramm Kohlendioxid pro Jahr, etwa die Hälfte davon entfallen auf das Futter.

Eine vegetarische oder sogar vegane Ernährung erscheint dabei nicht ratsam, biologisch artgerechtes rohes Futter aus hochwertigem Fleisch – sogenanntes Barf – schlägt mit 750 Kilogramm Treibhausgas im Jahr fast doppelt so hoch zu Buche wie normales abgepacktes Futter aus dem Handel.

Klimafreundlicher ist Bio-zertifiziertes Katzenfutter ist dagegen klimafreundlicher, weil die ökologische Landwirtschaft weniger Treibhausgase verursacht.

Anders als beim Hund hat auch die Katzenhaltung großen Einfluss auf die Klimawirkung: Katzenstreu aus Pflanzen- oder Holzfasern ist klimafreundlicher als solches aus Bentonit. Rechnet man die Belastung durch Katzen in der Bundesrepublik zusammen, ergibt das 6,4 Millionen Tonnen – exakt ein Prozent der aktuellen deutschen Klimabilanz.

2017 hatten Wissenschaftler der University of California in ihrer Studie ermittelt, dass alle Hunde und Katzen, die weltweit als Haustier gehalten werden, zusammen 640 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr verursachen. Das ist so viel wie Senegal und Jordanien zusammen – dort leben knapp 30 Millionen Menschen.

Von Pferden bis Wellensittichen

Und dann kommen ja auch noch Wellensittige, Schildkröten oder Guppys hinzu: Ein Pferd beispielsweise verursacht 3,1 Tonnen pro Jahr. Das ist so viel, wie der Weltklimarat für jeden einzelnen Mensch der Erde als gerade noch klimaverträglich angibt – auch für Pferdehalter.