Verliert Trump die Kontrolle über seine Maga-Bewegung?

David Goeßmann
Donald Trump mit

(Bild: Joshua Sukoff / Shutterstock.com)

Epstein-Skandal, Israel-Kontroverse, Regime-Change- und Big-Tech-Streit: Innerhalb der Trump-Anhängerschaft zeigen sich Risse. Ist es der Anfang vom Maga-Ende?

In den letzten Monaten ist in den USA immer wieder zu hören, dass der Einfluss von US-Präsident Donald Trump auf seine Basis schwinde. Die "Make-America-Great-Again"-Bewegung sei zerstritten, heißt es.

Tatsächlich wird innerhalb des Trump-Lagers immer lauter Unzufriedenheit geäußert über politische Entscheidungen Trumps, während ideologische Grabenkämpfe ausgetragen werden. Wie immer man die Vorgänge beurteilt, die Spannungen und Risse in der Maga-Bewegung sind nicht mehr zu übersehen.

Mit dem Spruch "Make America Great Again" knüpfte Trump schon bei seinem ersten Wahlkampf 2016 an den Slogan vom ehemaligen republikanischen US-Präsidenten Ronald Reagan an. Er wurde schnell zum Markenzeichen der neuen politischen Kraft innerhalb der Republikaner-Partei, mit der Trump eine verschworene Gemeinde um sich versammeln konnte.

Maga fußt dabei auf einem von Trumps Milliardärsimperium strategisch erzeugten Personality-Kult der Unbesiegbarkeit. Ideologisch und politisch war die Ausrichtung auf einige wenige Kernelemente fokussiert.

In einem programmatischen Essay aus dem Jahr 2016 von Michael Anton – langjähriger Berater Trumps und derzeitiger Beamter im US-Außenministerium –, in dem er sich für die Wahl Trumps aussprach, verwies er auf drei zentrale Prinzipien von Trumps Maga-Agenda.

Im Gegensatz zur Reagan-Ära, in der die Republikaner in den 1980er-Jahren auf freie Märkte, Kulturkonservatismus, Antikommunismus und internationale Außenpolitik setzten, gehe es unter Maga nun um "sichere Grenzen, wirtschaftlichen Nationalismus und eine Außenpolitik, die Amerika an oberste Stelle setzt".

In der ersten Amtszeit von Trump war das politisch-ideologische Programm aber nicht entscheidend für seine Bindungskraft. Trump konnte seine Meinung innerhalb eines Tages komplett ändern und gegen die Kernprinzipien verstoßen, ohne dass es zu Widerspruch aus der Maga-Bewegung kam.

Seine Anhänger änderten ihre Haltungen, manchmal wiederholt, zu Themen wie Handel, außenpolitische Konflikte und wer als politischer Feind galt, basierend auf dem, was Trump ihnen als Maga-Position verkündete.

Doch das scheint sich in der zweiten Amtszeit geändert zu haben. Seit Trumps erneutem Einzug ins Weiße Haus vor einem Jahr offenbaren sich eine Reihe von Bruchstellen innerhalb seiner Gemeinde.

Eine Bewegung im Wandel: Von der Homogenität zur Heterogenität

Dass es in einer politischen Bewegung und Partei über die Jahre Auseinandersetzungen, Streit und auch Lagerbildung gibt, ist an sich nicht bemerkenswert. Doch bisher galt Maga als extrem homogen, geschlossen und bis zur Unterwürfigkeit Trump-ergeben. Trump und Maga waren buchstäblich synonym.

Heute zeigt sich, dass die Maga-Bewegung sehr viel heterogener und widerständiger auftritt. Insofern ist es eine neue Entwicklung, wobei unklar ist, wohin sie führt.

Die wesentlichen Kampfplätze innerhalb von Maga im letzten Jahr betreffen unterschiedliche politische Themenfelder. An zwei zentralen Punkten entzünden sich seit der zweiten Amtszeit Trumps immer wieder zum Teil heftige Konflikte:

1. Außenpolitik

Bei militärischen wie außenpolitischen Entscheidungen der Trump-Regierung wurde wiederholt deutliche Kritik von der einflussreichen Gruppe der sogenannten Isolationisten bei den Republikanern und Maga-Meinungsmachern geäußert, die die Position vertreten, dass sich die USA aus Kriegen heraushalten sollten, wenn sie Amerika nichts bringen.

Diesem Credo hat sich Trump auch selbst verpflichtet ("America First") und im Ukrainekrieg auf Rückzug und Einigung mit Russland gesetzt. Aber das gilt für andere Konflikte nicht.

So gab es bei dem Entschluss, den Iran vor dem Hintergrund von Israels Gaza-Krieg zu bombardieren, zum Teil erbitterte Einwände aus den eigenen Reihen. Der einflussreiche Medienmacher Tucker Carlson opponierte vehement gegen die Einmischung der USA in den Iran, ebenso wie Steve Bannon, früherer Trump-Stratege und rechtsextremer Meinungsmacher.

Candace Owens, ehemalige Kommunikationsdirektorin der Maga nahestehenden Organisation "Turning Point USA" sowie Kommentatorin mit fast sechs Millionen Youtube-Abonnenten, griff Trump scharf an. Seine Ankündigung der Bombardierung auf Truth Social nannte sie "völlig gestört".

Auf der großen Turning-Point-USA-Konferenz in Phoenix im Dezember letzten Jahres lieferten sich die Trump-Getreuen Steve Banon und der erzkonservative Ben Shapiro darüber hinaus ein öffentliches Gefecht über die US-Unterstützung Israels. Shapiro bezeichnete Bannon, aber auch Tucker Carlson, die Maga-freundliche Fernsehjournalistin Megyn Kelly und Candace Owens als "Scharlatane" und warf ihnen Extremismus vor.

Sie hatten die unkritische Loyalität der USA gegenüber Israel infrage gestellt. Banon bezeichnete Shapiro in seiner Rede daraufhin als "Krebsgeschwür, das sich im Körper der konservativen Politik ausbreitet".

"Israel bestimmt nicht mehr die amerikanische Außenpolitik", erklärte er und versetzte damit eine Bewegung, die durch ihre pro-israelische Orthodoxie geprägt ist, in Schock. Carlson fragte zugleich, was die USA von Israel eigentlich im Gegenzug für die permanente Unterstützung erhalten. Insgesamt zeigt sich Maga zunehmend entzweit in Sachen Israel.

Auch der Angriff auf Venezuela und die Entführung des Präsidenten Nicolás Maduro und seiner Frau versetzte Teile der Maga-Bewegung in Aufruhr. "America First"-Nationalisten wie Steve Bannon und Tucker Carlson sowie eher konventionelle anti-interventionistische Libertäre wie der Senator von Kentucky, Rand Paul, opponierten dagegen.

Viele Vertreter dieses Lagers lehnten schon Trumps Entscheidung, den Iran zu bombardieren, mit der Begründung ab, dass das die Gefahr berge, die USA in einen weiteren kostspieligen Regimewechsel-Krieg im Nahen Osten zu verwickeln. Ähnliche Bedenken äußerten sie auch im Fall Venezuela.

2. Epstein-Files

Über Wochen schwebte die "Epstein-Frage" im letzten Jahr über Donald Trump, bis er im November letzten Jahres dem Druck der Basis nachgeben musste. Er wurde aus den eigenen Reihen, gegen seinen Willen gezwungen, die Ermittlungsakten des Justizministeriums gegen den in Ungnade gefallenen Finanzier und verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zur Veröffentlichung freizugeben.

Das hatte Trump seiner Maga-Bewegung im Wahlkampf auch versprochen, aber sich dann geweigert. Epstein und Trump waren über 15 Jahre lang enge Freunde. Erste Dokumente legen nahe, dass Trump über Epsteins Mädchenhandel gewusst haben muss.

Trump selbst hatte seine Anhänger über die Jahre mit Andeutungen darüber, was genau auf Epsteins Insel und im Kreis seiner Freunde, die mutmaßlich Mädchen und junge Frauen gehandelt haben sollen, passiert ist.

Trump hat diesen Impuls immer wieder angeheizt, bis zu dem Punkt, dass die Menge nun glaubt, dass alle, die an dieser Verschwörung beteiligt waren, bestraft werden müssen, selbst wenn das bedeutet, sich gegen Trump zu wenden. Die Geister, die er rief, wird Trump nun nicht mehr los.

Lange konnte sich der amtierende US-Präsident mit Geschichten und Schuldzuweisungen auf andere – die Demokraten als eigentliche "Freunde Epsteins" – aus der Schlinge ziehen. Doch selbst die treuesten Maga-Anhänger im Kongress konnten ihn am Ende nicht mehr schützen und forderten die Aktenfreigabe.

Inzwischen hat das Justizministerium zahlreiche Dokumente veröffentlicht, weitere Veröffentlichungen könnten in der nahen Zukunft folgen. Das Damoklesschwert der Epstein-Connection schwebt also weiter über dem Maga-Anführer.

Der Epstein-Skandal hat schon zu ersten Absetzbewegungen geführt. Die prominente US-Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Greene aus dem Bundesstaat Georgia, die Trump als "Vater der America-First-Bewegung" lange ergeben war, brach mit ihm aufgrund seiner Weigerung, den Epstein-Sexhandel aufzuklären. Trump nannte sie daraufhin eine "schimpfende Irre".

Weitere Bruchlinien: ICE, Big Tech und der Kampf um die Bewegung

Es gibt noch weitere Sollbruchstellen im Maga-Gefüge. Dazu gehören die Tötungen von ICE-Beamten in Minneapolis.

Auch hier wurde Trump am Ende gezwungen, den Rückwärtsgang einzulegen und seine mit radikalen Kräften zu einer Art Privatarmee aufgebaute Grenzschutzagentur in die Schranken zu weisen, da der Backlash auch aus den eigenen Reihen zu groß wurde.

Neben diesen beiden zentralen Konfliktpunkten innerhalb von Maga gibt es noch eine ganze Reihe von anderen Kontroversen, die die Bewegung immer wieder unter Spannung setzt.

Da ist zum Beispiel der Streit über die Rolle von Big Tech im Trump-Universum. Er entzündete sich vor allem an der Vergabe von sogenannten H-1B-Visa, die es US-Unternehmen ermöglichen, ausländische Fachkräfte in Spezialberufen einzustellen.

Ein Teil der Maga-Unterstützer kritisieren die Haltung Trumps, sich hinter Silicon-Valley-Magnaten wie Peter Thiel, Elon Musk und Co. zu stellen und deren Interessen bei Visa-Erteilungen zu vertreten. Die Kritiker fordern, dass die Jobs mit Amerikanern besetzt werden sollten – nach dem Prinzip "Amerikaner zuerst" –, nicht mit "importierten" Ausländern.

Dazu kommt ein ideologischer Kampf um die generelle Ausrichtung der Maga-Bewegung, wobei sogenannte "Alpha-Tiere" um Einfluss buhlen.

Ein einschneidendes Ereignis stellt die Ermordung von Charlie Kirk, Gründer von "Turning Point USA", im September letzten Jahres dar. Der Mord erschütterte die Nation und beraubte Maga in einem kritischen Moment seines effektivsten Koalitionsmanagers.

Jahrelang hatte Kirk als Brücke zwischen den Fraktionen gedient – er bot institutionellen Konservativen, Hardlinern und Randfiguren eine gemeinsame Bühne und hielt Streitigkeiten weitgehend unter Kontrolle.

Verschwörungstheorien von Candace Owens – darunter Behauptungen, dass Israel eine Rolle bei der Ermordung von Kirk gespielt habe und dass Mitarbeiter von Turning Point an einer Vertuschung beteiligt gewesen seien – haben neue persönliche und unerbittliche Fehden entfacht.

Öl ins Feuer goss dann Tucker Carlson, der im November Nick Fuentes – einen weißen Nationalisten und Holocaustleugner – interviewte und ihm eine freundliche, unkritische Plattform bot. Damit wurde Fuentes ins Zentrum der Maga-Debatte über Israel, Antisemitismus und Extremismus katapultiert, was weitere Brüche erzeugte.

Mehr als ein Dutzend hochrangiger Mitarbeiter verließ die rechtskonservative und Maga-nahe Heritage Foundation, um zum Think Tank des ehemaligen Vizepräsidenten Mike Pence zu wechseln, nachdem Heritage-Präsident Kevin Roberts Carlson verteidigt hatte.

Wirtschaftliche Probleme und die Midterms 2026

Gleichzeitig gehen die Umfragewerte von Trump dramatisch in den Negativbereich, d.h. deutlich mehr Amerikaner sind unzufrieden mit ihm als zufrieden, während die Lebenshaltungskosten die US-Bevölkerung belasten und sich die Wirtschaft sowie der Jobmarkt seit Trumps Präsidentschaft verschlechtern.

Das hat eine Debatte über Affordability ("Bezahlbarkeit") auch im Maga-Lager ausgelöst. Die von Trump ohne Plan angezettelten Zollkriege sind zudem nicht hilfreich gewesen, sein Image als ökonomischen Macher bei den Amerikanern zu pflegen.

Im November finden die Midterms ("Zwischenwahlen") im US-Kongress statt, bei denen es um wichtige Sitze im Repräsentantenhaus und im Senat geht. Die Demokraten haben, wenn die Republikaner schwächeln sollten, eine gute Chance, im Repräsentantenhaus eine Mehrheit zu erlangen, beim Senat geht man bisher davon aus, dass die Republikaner die Kontrolle behalten werden. Aber auch das ist nicht sicher.

Eine Demokraten-Mehrheit im Repräsentantenhaus würde Trump und den Republikanern ernsthafte Schwierigkeiten bringen. Die Gesetzgebung würde dann schwieriger und eine Flut von Befragungen und Untersuchungen wäre die Folge. Eine Mehrheit im Senat würde darüber hinaus die Besetzung von wichtigen Posten (mögliche Neubesetzung im Obersten Gerichtshof) beeinflussen.

Ausblick: Geschwächt, aber nicht am Ende

Die Konflikte und Bruchlinien innerhalb der Maga-Bewegungen sind sicherlich nicht der Anfang vom Ende von Trump. Aber sie schwächen eine politische Kraft, von der nicht nur Trump, sondern die Republikaner in den letzten zehn Jahren gezehrt haben.

Es ist viel zu früh, zu sagen, wohin die Konflikte im Maga-Lager führen werden. Aber eins ist sicher: Trump hat weniger Spielräume als zuvor und ist zunehmend gezwungen, zu vermitteln und Zugeständnisse an seine Basis zu machen, siehe die Epstein-Files.

Doch all das sollte mit Vorsicht bewertet werden. Wir wissen aus der Vergangenheit, dass Trump unter Druck immer wieder Wege gefunden hat, seine Macht zu konsolidieren.