In der Ukraine wird auch um die Kontrolle strategischer Rohstoffe gekämpft

Seite 2: Rohstoffe als Zankapfel in der Ukraine

Kriege werden nicht für abstrakte Werte geführt, sondern für handfeste Interessen: Rohstoffe, Absatzmärkte und das Ausschalten potenzieller Konkurrenz. Wer einmal ein Marxismus-Grundlagenseminar besuchen durfte, wird mit dieser Aussage vertraut sein.

Die Unterstützung der Ukraine durch die Nato-Staaten wird immer wieder mit den "westlichen Werten" begründet. Doch wie ein Bericht des US-Magazins Newsweek nahelegt, spielen auch in diesem Konflikt Rohstoffe eine Rolle.

In den USA und in ihren verbündeten Staaten gebe es Bemühungen, "die enormen Ressourcen der Ukraine an einem Schlüsselmetall zu identifizieren, zu entwickeln und zu nutzen", heißt es in dem Bericht. Es handelt sich dabei um: Titan.

Das leichte, aber dennoch starke Metall spielt für die Entwicklung moderner Militärtechnologie eine entscheidende Rolle. Es wird in Kampfjets, Hubschraubern, Marineschiffen, Panzern, Langstreckenraketen und vielen anderen Anwendungen eingesetzt, mit denen die Nato China und Russland abschrecken will.

Das Problem dabei ist: Die Nato-Staaten verfügen nur über wenige Vorkommen und müssen Titan importieren. Titanschwamm, aus dem dann metallisches Titan hergestellt werden kann, wird nur in sieben Ländern produziert. Russland, China und die Ukraine zählen zu dieser Gruppe.

China ist der weltgrößte Hersteller; nach Angaben des U.S. Geological Survey wurden dort im vergangenen Jahr mehr als 231.000 Tonnen produziert, was etwa 57 Prozent der weltweiten Produktion entspricht. Es folgen Japan mit 17 Prozent und Russland mit 13 Prozent. Kasachstan produzierte fast 18.000 Tonnen und die Ukraine mehr als 4.000 Tonnen. In den USA stellte der letzte Hersteller von Titanschwamm im Jahr 2020 den Betrieb ein.

Laut Newsweek ist Titan "eine zentrale Schwachstelle" in der Rüstungsindustrie – und man habe es zugelassen, dass man in diesem zentralen Bereich von ausländischen Lieferanten abhängig geworden sei. Russland sei bisher einer der Hauptlieferanten gewesen.

Sicherheitsexperten und Politiker drängen deshalb die US-Regierung, die Titanquellen in der Ukraine als Alternative zu chinesischen und russischen Quellen zu nutzen. Wenn die USA ihre Karten richtig ausspielten, erklärte ein Mitarbeiter des US-Kongresses gegenüber Newsweek, dann könne die Ukraine "eine wirklich attraktive Alternative zu russischen und chinesischen Quellen sein".

Die Kontrolle über die Titan-Vorkommen in der Ukraine dürfte aber auch im Interesse Russlands liegen, schließlich hätte der Kreml damit eine stärkere Verhandlungsposition gegenüber Washington. Aber auch russische Raketen und Flugzeuge sind auf das Metall angewiesen.

Laut Bericht haben die russischen Truppen in den ersten Monaten des Krieges mindestens zwei Titanlagerstätten erobert. Zuvor hatte die russische Regierung bereits eine Lagerstätte auf der Krim unter ihre Kontrolle gebracht.

Wo sich die weiteren Lagerstätten befinden, wurde in dem Bericht zwar nicht genannt, aber es ist anzunehmen, dass sie sich auf den Donbass und den Süden der Ukraine konzentrieren. Dort sollen sich Bodenschätze im Wert von Billionen US-Dollar lagern.

Die ukrainische Regierung hofft, die Lagerstätten erschließen zu können, wenn sie eines Tages über Russland gesiegt haben sollte. Und in den USA stehen bereits die "Investoren" in den Startlöchern, die "durch den Krieg gelähmte und durch jahrelange Korruption verwüstete ukrainische Titanindustrie" aufzubauen.

In den USA hofft man, dass die Ukraine bereits wenige Monate nach Ende des Krieges "erhebliche Mengen Titan in den Westen liefern könnte". Gemeint ist damit in erster Linie, dass der Bedarf der USA gesichert wird.

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