Medien: US-Geheimdienste wussten vom Wagner-Aufstand

CIA-Wappen im Foyer der Zentrale des Dienstes. Bild: commons.wikiedia.org

Zeitungen berichten von Briefing für Abgeordnete Mitte vergangener Woche. Schweigen der Dienste habe mit Entwicklungen Ende 2021 zu tun. Video von Minister Schoigu.

US-Geheimdienste haben nach eigenen Angaben frühzeitig von dem geplanten Aufstand der russischen Militärfirma Wagner gewusst.

Die US-Tageszeitungen New York Times und Washington Post berichten, US-Geheimdienstmitarbeiter hätten bereits am Mittwoch hochrangige Militärs und Verwaltungsbeamte darüber informiert, dass Jewgeni Prigoschin, der Chef der Wagner-Gruppe, "militärische Aktionen gegen hochrangige russische Verteidigungsbeamte vorbereite".

Dies hätten mit der Angelegenheit vertraute Personen bestätigt, so die New York Times.

Zwei Tage nach dem gescheiterten "Marsch der Gerechtigkeit" ist die Debatte über die Ereignisse in vollem Gange. Prigoschin habe "eindeutig die Nerven verloren", sagte der ehemalige US-General und Ex-CIA-Direktor David Petraeus in einem Interview mit dem Nachrichtensender CNN.

Der Aufstand der Wagner-Söldner habe offenbar nicht die Unterstützung gefunden, die sie sich erhofft hätten, so Petraeus.

Der US-Abgeordnete Mike Turner sagte, der Marsch auf Moskau sei offensichtlich gut vorbereitet gewesen. Als ausgebildeter Soldat verstehe er die Logistik und die Unterstützung, die man dafür brauche, sagte Turner dem US-Sender CBS. Der Aufstand sei offenbar "über einen längeren Zeitraum geplant" worden, fügte Turner hinzu, der den Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses leitet.

Dem Bericht der New York Times zufolge hätten die US-Geheimdienste schon Tage zuvor Hinweise darauf gehabt, dass Prigoschin eine größere Aktion plane. Sie hätten daran gearbeitet, "dieses Material in eine Einschätzung einfließen zu lassen".

Zeitungen ziehen Vergleich zu Vorkriegslage

Die internen Informationen belegten, dass der Geheimdienst und die Regierung von den bevorstehenden Ereignissen in Russland gewusst hätten. Dies sei vergleichbar mit der Situation Ende 2021, als die US-Spionagebehörden vor einer Invasion der russischen Armee gewarnt hatten. Die NYT weiter:

Doch anders als bei der ersten Invasion, als US-Beamte die Informationen freigegeben hatten, um Putin von der Invasion abzuhalten, schwiegen die Geheimdienste über die Pläne von Prigozhin. Die US-Beamten waren der Ansicht, dass Putin sie der Inszenierung eines Staatsstreichs beschuldigen könnte, wenn sie etwas sagten. Und sie hatten eindeutig wenig Interesse daran, Putin dabei zu helfen, eine größere, peinliche Spaltung seiner Unterstützung zu vermeiden.

Die US-Dienste hätten in diesem Fall Zurückhaltung geübt, obwohl die Einschätzung, dass die Fehde zwischen Prigoschin und dem russischen Verteidigungsministerium eskalieren könnte, "sowohl als solide als auch als alarmierend angesehen wurde".

Prigoschin ist für seine Brutalität bekannt, und wenn es ihm gelungen wäre, die Beamten zu entmachten, wäre er wahrscheinlich ein unberechenbarer Führer gewesen. Und die Möglichkeit, dass ein großer nuklear bewaffneter Rivale der Vereinigten Staaten in internes Chaos versinkt, birgt eine Reihe neuer Risiken in sich.

Zuvor hatte auch CNN berichtet, dass US-Geheimdienste führende Kongressmitglieder über eine bevorstehende Eskalation zwischen Prigoschin und der Regierung von Wladimir Putin informiert hätten.

Unterdessen wurde nach dem gescheiterten Aufstand der Wagner-Söldner ein Video von Verteidigungsminister Sergei Schoigu über Regierungskanäle verbreitet. Ein seit Längerem schwelender Konflikt mit Schoigu hatte Prigoschin offenbar zu seinem Aufstand motiviert. Der Militärunternehmer hatte dem Verteidigungsministerium zuletzt vorgeworfen, für einen Angriff auf ein Lager seiner Kämpfer verantwortlich zu sein.

Die Aufnahmen zeigten einen Hubschrauberflug Schoigus und ein Treffen mit Offizieren in einem militärischen Hauptquartier in der Ukraine. Wann die Aufnahmen gemacht wurden, ist unklar.

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