Hitze macht alt: Extreme Temperaturen beschleunigen Alterungsprozess um Jahre

Geschäftsmann schwitzt in seinem Büro

(Bild: Minerva Studio / Shutterstock.com)

Extreme Hitze beschleunigt das biologische Altern um mehr als zwei Jahre, zeigt eine neue US-Studie. Was bedeutet das für unsere Gesundheit in einer wärmeren Welt?

Jeden Sommer erleben wir es – die älteren Menschen mehr als die jüngeren: Hitze zehrt an den Kräften. Nach einem langen, heißen Tag fühlen wir uns oft müde, schlapp und schlecht gelaunt, der Kreislauf gerät an den Rand der Belastbarkeit.

Doch das ist noch nicht alles, anhaltende Hitzeperioden bewirken mehr: Sie lassen uns schneller altern. Bei älteren Menschen kann die zusätzliche Alterung mehr als zwei Jahre betragen. Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt eine neue Studie der University of Southern California (USC), die im Fachmagazin Science Advances veröffentlicht wurde.

Hitzestress verändert Zellen auf molekularer Ebene

Die Forscher untersuchten, wie sich extreme Hitze auf mehr als 3.600 ältere Personen im Alter von 56 Jahren und älter aus den gesamten USA auswirkt. Über eine Dauer von sechs Jahren wurden den Probanden Blutproben entnommen, die dann auf epigenetische Veränderungen untersucht wurden.

Um das biologische Alter der Probanden zu bestimmen, wurden sogenannte epigenetische Uhren verwendet. Dabei werden winzige chemische Veränderungen in der DNA erfasst, die als Methylierung bekannt sind. Diese funktioniert wie ein An-Aus-Schalter für Gene, ohne die eigentliche DNA-Sequenz zu verändern.

Im Laufe des Lebens ändert sich das Muster dieser epigenetischen Markierungen auf vorhersehbare Weise. Die epigenetische Uhr nutzt diese Veränderungen, um das biologische Alter einer Person zu bestimmen. Dieses kann vom tatsächlichen chronologischen Alter, also dem Alter, das auf dem Geburtsdatum beruht, abweichen, und es gibt Aufschluss über die Gesundheit und das Risiko für altersbedingte Krankheiten.

Bis zu 14 Monate schnellere Alterung durch Hitze

Das Ergebnis der Studie: Anhaltender Hitzestress verändert die Art und Weise, wie die menschlichen Zellen als Reaktion auf Umweltbelastungen Genschalter ein- oder ausschalten.

Mit anderen Worten: Je mehr Tage extremer Hitze von den Probanden ertragen werden mussten, desto schneller alterten sie biologisch. Teilnehmer, die in Gebieten leben, in denen Hitzetage das halbe Jahr über auftreten, erlebten laut Co-Autorin Eunyoung Choi bis zu 14 Monate zusätzliche biologische Alterung im Vergleich zu denen, die in Gebieten mit weniger als zehn Hitzetagen pro Jahr leben. Je nach epigenetischer Uhr kann die Alterung sogar mehr als zwei Jahre betragen.

Höheres Krankheits- und Sterberisiko durch beschleunigtes Altern

Ein biologisches Alter, das höher ist als das chronologische Alter, ist mit einem höheren Krankheits- und Sterberisiko verbunden. Denn anhaltende Hitze belastet unseren Körper und macht ihn weniger effizient bei lebenswichtigen Aufgaben. Diese Verschlechterung geht wahrscheinlich der späteren Entwicklung von Krankheiten und Behinderungen voraus.

Ältere Menschen sind laut den Forschern besonders gefährdet. "Ältere Erwachsene schwitzen nicht auf die gleiche Weise. Wir verlieren allmählich die Fähigkeit, den hautkühlenden Effekt zu erzielen, der durch die Verdunstung von Schweiß entsteht", erklärt Jennifer Ailshire, leitende Autorin der Studie.

Hohe Luftfeuchtigkeit verstärkt diesen Effekt zusätzlich, was manche Regionen zu Risikogebieten für ältere Menschen macht. Das liege daran, dass diese nicht auf die gleiche Weise schwitzen wie jüngere. "Wir verlieren allmählich die Fähigkeit, den hautkühlenden Effekt zu erzielen, der durch die Verdunstung von Schweiß entsteht", so Ailshire weiter. Wenn man sich dann noch an einem Ort mit hoher Luftfeuchtigkeit aufhalte, sei der Kühleffekt ohnehin nicht so stark.

Hitzeschutz in einer wärmeren Welt unverzichtbar

Mit zunehmender Klimaerwärmung werden Menschen immer mehr Hitze ausgesetzt sein – und unsere Körper werden auf diese Belastungen mit schnellerem Altern reagieren.

Die Studienergebnisse sollten laut den Forschern auch Entscheidungsträger, Architekten und Stadtplaner alarmieren. Bei der Modernisierung der Infrastruktur müssten künftig Aspekte wie Hitzeschutz und altersgerechte Merkmale berücksichtigt werden – von schattigen Gehwegen und Bushaltestellen hin zu mehr Stadtgrün.

"Wenn es überall wärmer wird und die Bevölkerung altert und diese Menschen anfällig sind, dann müssen wir wirklich viel schlauer werden, was diese Strategien zur Schadensbegrenzung angeht", mahnt Ailshire.