Nato-Ostflanke: "Gewisses Niveau der Abschreckung" in Polen

Seite 2: Zwei-Prozent-Aufrüstungsziel bereits übertroffen

Im vergangenen Jahr hat Polen bereits 2,22 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigungsausgaben aufgewendet – die Nato schreibt theoretisch "nur" zwei Prozent vor. Für das Jahr 2023 werden knapp vier Prozent prognostiziert – somit wäre Polen das Nato-Land mit den prozentual höchsten Ausgaben, laut einer Schätzung noch vor den USA.

Bei den ambitionierten Plänen ist die EU nicht gerade "hilfreich". Denn noch wartet das Land auf den Milliarden-Transfer aus Brüssel, die Gelder zum Aufbau nach der Pandemie will die EU-Kommission nicht herausrücken, da Polen sein Justizsystem nicht rechtsstaatskonform justiert habe.

Schon allein die Schaffung einer neuen Division für das Heer wird mehr als 21 Milliarden Euro kosten. Kritiker meinen, dass die bereits bestehenden Divisionen schon nicht ihr Personal-Soll erfüllen könnten – die Demographie arbeite gegen solche Pläne.

Doch im Prinzip sind kritische Stimmen derzeit in Polen wenig zu hören, vor allem seit Wagner-Söldner nach Belarus verlegt werden. Anfang des Jahres erinnerte der pensionierte General Waldemar Skrzypczak daran, dass kommende Generationen die derzeit unübersichtlichen Schulden und Zinsen tragen müssten.

Das linksliberale Internetportal O2.pl berichtete kürzlich unter Berufung auf die Korea Times, dass Polen in Korea einen Kredit in Höhe von umgerechnet 14,1 Milliarden Euro für seine Waffenkäufe angesucht habe. Für weitere Waffenkäufe ohne weitere Verweise auf die Herkunft der Quelle und den Kreditgeber, sei ein Kredit von 17 Milliarden Euro aufgenommen worden, so die Internetzeitung.

Polen gehört mit einer Verschuldung von knapp 50 Prozent des BIP in der EU (Mittelwert 75 Prozent) keineswegs zu den am meisten verschuldeten Ländern. Die Ambition, eine Militär-Großmacht in Europa zu werden, wird das Land jedoch finanziell stark belasten.

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