Frau Merkel, Herr Schulz, wann kommt der Kohle-Ausstieg?

Wirbelsturm Irma. Bild vom 1. September, NASA/NOAA/UWM-CIMSS, William Straka III

Kommentar zum Fernsehduell

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Die Frage nach dem Kohle-Ausstieg hätte man sich gewünscht beim TV-Duell zwischen Merkel und Schulz. Aber keinem der gleich vier Moderatoren war sie eingefallen. Als Moderator mit 35-jähriger Fernseherfahrung kann man sich nur wundern. Überhaupt waren die wichtigsten Zukunftsfragen wie Klimawandel und Energiewende kein Thema. Was muss denn noch passieren bis Journalisten aufwachen?

Durch tödlichen Regen versinkt im August 2017 der Tropengürtel rund um den Globus von Südasien bis Westafrika im Wasser. 40 Millionen Menschen sind betroffen. Mehrere tausend Tote allein in Indien und Bangladesch. Katastrophale Überschwemmungen außerdem in Pakistan, Nepal, Sierra Leone, Niger, Nigeria, Kamerun, Sudan und Texas. Der Hurrikan "Harvey" hat deshalb so zerstörerische Folgen, weil die vom Klimawandel erwärmten Ozeane einen großen Teil der Wärmeenergie schlucken, die über das Verbrennen von Kohle, Gas und Öl in die Luft gelangen. Wärmere Ozeane sorgen für mehr Extremwetter und noch mehr Klimaerhitzung.

Doch das Wort "Klimawandel" kommt in der wichtigsten Sendung zum deutschen Wahlkampf nur mal kurz am Rande vor. Auch in Deutschland, so berichtet die Münchner Rückversicherung werde es mehr Unwetter geben. Zwei Drittel der Menschen werden in Mitteleuropa bis Ende dieses Jahrhunderts von der Klimaerhitzung betroffen sein. Die Zahl der Toten durch Wetterextreme werde sich verfünfzigfachen, prognostiziert eine Studie im Auftrag der EU-Kommission.

Auch das wichtige Zukunftswort "Elektroauto" war ein Tabu. Die Kanzlerin gab sich zwar "entsetzt" und sogar "stocksauer" über den Dieselskandal, sagte aber - ebenso wie Martin Schulz - kein Wort zu möglichen Alternativen. Die "Verkehrswende" wurde ebenso wenig thematisiert wie die "Landwirtschaftswende" im 97-Minuten-Duell. Fernseh-Deutschland ist 2017 gegenwartsversessen, aber zukunftsvergessen.

Merkel und Schulz bestätigten, dass der Diesel-Skandal "Betrug" ist. Aber wo bleiben die Konsequenzen? Ist Deutschland kein Rechtsstaat mehr, in dem Betrug selbstverständlich vor Gericht landet?

Dieses "Duell" hätte man sich schenken können. Zum Glück gibt es keine Fortsetzung. Die Antwort auf diese Zukunftsvergessenheit sollten die Wähler am 24. September geben. An diesem für die Demokratie wichtigen Tag stehen mehr als zwei sogenannte Volksparteien zur Wahl.

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