Grüner Wasserstoff: Die Zukunft der Heizung oder ein teurer Traum?

Grüne Wasserstoffenergie in moderner Stadtlandschaft

Futuristische Darstellung einer umweltfreundlichen Stadt, angetrieben durch grünen Wasserstoff, mit klarem blauen Himmel, symbolisch für saubere Energie.

(Bild: KI-generiert)

Grüner Wasserstoff ist beim Heizen die Hoffnung als Ersatz für Erdgas. Woher er kommen soll, ist nicht klar. Ein Pilotprojekt nach dem anderen wird aufgegeben.

Die Idee, mit grünem Wasserstoff zu heizen, ist verlockend. Vor allem, wenn man bedenkt, dass nur Wärme und Wasser übrig bleiben. Und im Gegensatz zu seinem grauen Verwandten, der aus Erdgas gewonnen wird, entsteht bei der Wasserstoffproduktion im Elektrolyseur kein unerwünschtes CO2.

Obwohl der Einsatz von grünem Wasserstoff auf den ersten Blick wie die umweltfreundliche Lösung für das Heizen der Zukunft aussieht, knirscht es bei der geplanten Umsetzung. Mit dem Ende von Westküste100 wurde eines der vielversprechendsten deutschen Pilotprojekte in diesem Bereich noch vor dem Start gestoppt.

Heizen mit Wasserstoff: ein Scheitern in Großbritannien

Dass dies kein typisch deutsches Problem ist, zeigt ein Blick auf die britischen Inseln. Dort wollte die Regierung den Einsatz von Wasserstoff zur Beheizung von Privathäusern testen. Das geplante Pilotprojekt in der nordenglischen Kleinstadt Redcar wurde jedoch aufgrund von Sicherheitsbedenken und zu hohen Kosten eingestellt.

Ähnlich erging es bereits dem geplanten Versuch eines "Wasserstoffdorfes" in Ellesmere Port bei Liverpool. Die britische Regierung will aber weiterhin testen, ob den Gasnetzen, die die Gasboiler-Heizungen auf der Insel mit Gas versorgen, bis zu 20 Prozent Wasserstoff beigemischt werden kann. In deutschen Netzen ist diese Beimischung inzwischen normgerecht möglich.

Kostenvergleich: Wasserstoff vs. Elektrifizierung

Das Heizen mit Wasserstoff gilt als weniger effizient und teurer als andere Arten der Wärmeversorgung. Im Vergleich zu einer Wärmepumpe wird fünf- bis sechsmal mehr Ökostrom benötigt.

Eine Metastudie der University of Oxford zeigt, dass die Nutzung von Wasserstoff die Kosten für Haushalte im Vergleich zur Elektrifizierung um durchschnittlich 86 Prozent erhöht. Als Konsequenz dürfen in Großbritannien ab 2025 keine Gasheizungen mehr in Neubauten installiert werden.

Ein Problem des grünen Wasserstoffs besteht offensichtlich darin, dass er auf absehbare Zeit nicht in ausreichenden Mengen zur Verfügung stehen wird, um als Heizgas verbrannt zu werden.

Für die Dekarbonisierung erscheint der Einsatz von Wasserstoff in den Bereichen Dünger- und Stahlproduktion oder im Schwerlastverkehr deutlich effizienter.

Importstrategien für grünen Wasserstoff: Deutschland blickt ins Ausland

Der noch zu zögerliche Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland führt dazu, dass nicht genügend umweltfreundlicher Strom zur Verfügung steht, um grünen Wasserstoff in ausreichenden Mengen kostengünstig zu produzieren.

Die deutsche Politik setzt daher auf den Ausbau der Wasserstoffproduktion im Ausland. Mit Kanada hat Deutschland bereits ein Wasserstoffabkommen geschlossen, doch die Umsetzung der Planung zeigt, dass die Genehmigungsphase offensichtlich zu optimistisch eingeschätzt wurde.

Auch bei der Hoffnung auf grünen Wasserstoff aus Spanien überwiegt wohl die Hoffnung die realistische Einschätzung. Die Sonne für die Stromerzeugung ist wohl im Überfluss vorhanden, nur am Wassernachschub mangelt es.

Wasserstoff aus Afrika: Namibias Rolle in der deutschen Energieversorgung

In Afrika setzt Deutschland besonders große Hoffnungen auf Namibia. Ab 2027 soll in Lüderitz grüner Ammoniak für den Export nach Deutschland produziert werden.

Da die von der Planung betroffene Bevölkerung vor Ort nicht umfassend in die Projektvorbereitung einbezogen wurde, besteht ein derzeit unkalkulierbares Risiko, dass das Projekt noch scheitert.

Globale Wasserstoffpolitik: China als neuer Spieler auf dem Markt

Seit dem Scheitern von Desertec gibt es auch immer wieder Hoffnungen, die hohe Sonneneinstrahlung in nordafrikanischen und arabischen Staaten zur Energiegewinnung zu nutzen.

Ob diese Staaten bereit sind, als Produktionsstandort für Energieträger zur Sicherung der europäischen Industrie zu dienen, ist derzeit schwer abzuschätzen. Immerhin könnte auf der Basis einer lokalen Wasserstoffproduktion eine eigene Industrie aufgebaut und damit Transportverluste auf dem Weg nach Europa eingespart werden.

Was bei der Suche nach möglichen Wasserstoffexporteuren bisher kaum beachtet wird, sind die chinesischen Aktivitäten in diesem Bereich. Es wäre nicht verwunderlich, wenn China auch hier in kürzester Zeit vorpreschen und die bisherigen Berechnungen für eine grüne Wasserstoffversorgung der alten Industriestaaten über den Haufen werfen würde.

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