Iran und Indien: Öl-Deal gegen den Dollar – wegen US-Sanktionen

Bild: Screenshot. Iranische Botschaft in Indien

Die Rolle Chinas und das Entstehen einer neuen Weltordnung im Osten: Europa sollte das genau beobachten. Es geht um Dominanz, Märkte und die Quellen seiner Wirtschaftsmacht.

Iran will, dass Indien seine Öl-Importe aus der Islamischen Republik künftig in Rupien bezahlt – wegen der US-Sanktionen, wie al-Monitor von einem hochrangigen Treffen in Teheran berichtet. Die Überschrift zeigt die Reichweite an, die mit dieser Absicht verbunden wird. Demnach war die Abkehr vom US-Dollar ("de-dollarization") ein wichtiger Tagesordnungspunkt.

Die Nachricht lässt an das Vorhaben Saudi-Arabiens denken, Öl-Exporte an China in Yuan abzuwickeln. Die Absicht kam im Dezember letzten Jahres an die Öffentlichkeit (China baut Beziehungen zu den arabischen Staaten aus, ist aber nach einer aktuellen Bestandsaufnahme noch Gegenstand von Verhandlungen.

Das trifft auch auf die iranischen Wünsche zu, Öl-Geschäfte über Rupien abzuwickeln. Noch ist nichts unterzeichnet. Wie man indischen und iranischen Medienberichten entnehmen kann, ist man noch im "Planungsstadium".

Interessant ist, dass Indien bereits Erfahrungen mit Rupies als Petrowährung im Handel mit Iran gemacht hat, Anfang 2019, eingeleitet im Dezember 2018, auch da ging es um US-Sanktionen.

Im Oktober 2018 stellte die Times of India noch Saudi-Arabien als Hindernis für dieses Bezahl-Modell dar. Davon ist aktuell nicht mehr die Rede und das zeigt eine Entwicklung an, die auch in der EU zum Nachdenken führen sollte.

China im Hintergrund

Denn im Hintergrund steht China und dessen Vision einer neuen Weltordnung, die zu einer veränderten Diplomatie führte, was sich deutlich bei der Annäherung zwischen Saudi-Arabien und Iran zeigte, die Iran neue Möglichkeiten und Zugänge eröffnete. Daraus entstehen Geschäftsbeziehungen und eine neue Dynamik, die die Dominanz westlicher Märkte brechen oder zumindest herausfordern.

Das Treffen in Teheran steht, wie der iranische Präsident Raisi herausstellte, im Kontext einer großen Absicht: Dass Iran und Indien eine "wirksamere Rolle in der neuen Weltordnung" spielen sollen. Dabei sind die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ, bzw. englisch SCO)und die Brics-Staaten von Gewicht. Indien ist in beiden Organisationen vertreten.

Iran ist aktuell im Begriff, Vollmitglied in der SCO zu werden und stellt, wie gestern berichtet wurde, einen Antrag auf eine Brics-Mitgliedschaft. An beiden Bestrebungen ist Indien beteiligt.

Das Verhältnis zwischen Indien und Iran hat Spannungen, die noch virulent sind. Iran entrüstete sich in der Vergangenheit über die Behandlung von Muslimen in Indien. Mit der hindu-nationalistischen Ausrichtung von Premierminister Narendra Modi wird sich daran nichts Grundsätzliches ändern. In Indien geht die Öffentlichkeit kritisch mit dem Umgang in Iran mit Protesten um, was im Februar zu einem diplomatischen Eklat führte.

Neuorientierung und Hinterland-Verbindungen

Doch treten diese Spannung dies angesichts eines höheren gemeinsamen Ziels offenbar in den Hintergrund.

In der von den beiden Sicherheitschefs unterzeichneten Erklärung wurde auch die immer wichtiger werdende regionale Konnektivität angesprochen sowie die Frage, wie beide Seiten ihr Engagement für den internationalen Nord-Süd-Transportkorridor verstärken sollten, eine strategische Route, die durch den südöstlichen iranischen Hafen Chabahar führt. (…)

Im Rahmen ihrer Roadmap "Blick nach Osten" konzentriert sich die Islamische Republik zunehmend auf die Stärkung der Beziehungen zu China, Russland, Indien und ihren unmittelbaren Nachbarn, während die Führung in Teheran sich bemüht, die Sanktionen der USA und Europas zu umgehen.

Al-Monitor

Ob der US-Dollar, wie es zuletzt mehrere Berichte andeuteten (siehe etwa: Sanktionen gegen Russland: Yuan kratzt am US-Dollar) als Weltwährung tatsächlich seinen Niedergang antritt, ist nach einer aktuellen Einschätzung des britischen Wirtschaftshistorikers wegen eines komplexen Zusammenspiels von Makroökonomie, Makrofinanzen und Geoökonomie nicht wirklich einfach vorherzusagen.

Aber auch am Treffen in Teheran ist eine Tendenz deutlich zu erkennen: Dass Macht- und Geschäftsverhältnisse neue Bahnen einschlagen, die an die Quellen westlicher Dominanz gehen.

Auffällig ist: Indien, das sich im Osten neu ausrichtet, spielt sowohl für die Ausrichtung der chinesischen Außenpolitik wie auch für die Geo- und Geschäftspolitik des Westens eine prominent wichtige Rolle.