Schule: Mit Impfen zurück zum Normalbetrieb

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Ferienende: Anwesenheitspflicht und Unterricht im Klassenzimmer, keine landesweiten Schulschließungen mehr, kündet Sachsens Kultusminister an. Auch an den Schulen soll geimpft werden. Wie steht es um den Gruppenzwang?

In sieben von sechzehn Bundesländern dauern die Sommerferien noch an. Man möchte zurück in den Normalbetrieb, zu Anwesenheitspflicht und Unterricht im Klassenzimmer, dem Wechselunterricht, so gut es geht, aus dem Weg gehen und bloß keine landesweiten Schulschließungen, das ist die Vorgabe, wie sie etwa Sachsen anstrebt. Dort beginnt die Schule am 3. September.

Der Unterricht soll nur im Klassenzimmer stattfinden, gab Kultusminister Christian Piwarz (CDU) als oberstes Ziel vor und dass eine landesweite Schulschließung nicht vorgesehen sei. Allerdings, so sein Vorbehalt, es könne zu "sachsenweiten Einschränkungen" kommen, wenn eine Überlastungsstufe bei der Bettenauslastung in den Krankenhäusern erreicht werde. Wie die Maßgaben dazu aussehen, soll in einer neuen Corona-Schutz-Verordnung geregelt sein.

Kommt es so weit, dann würden "alle Kitas, Grundschulen und Förderschulen in den eingeschränkten Regelbetrieb mit festen Gruppen/Klassen wechseln. Für andere Schüler findet dann Wechselunterricht statt" (Sächische.de).

Wie im ganzen Bundesgebiet setzt man in Sachsen auf Corona-Impfungen, um diese Situation zu verhindern. Seit die Stiko (Ständige Impfkommission) ihre Covid-19-Impfempfehlung auf die 12- bis 17-Jährigen ausgedehnt hat, herrscht ein gewisser Druck in den zuständigen Kultusministerien, möglichst viele Schülerinnen und Schüler - und nicht zuletzt, vielleicht gar hauptsächlich, deren Eltern - davon zu überzeugen, sich impfen zu lassen.

Die Stiko hat dazu in ihrer Empfehlung ausdrücklich eine wichtige Grenze formuliert:

Die Stiko spricht sich jedoch explizit dagegen aus, dass der Zugang von Kindern und Jugendlichen zur Teilhabe an Bildung, Kultur und anderen Aktivitäten des sozialen Lebens vom Vorliegen einer Impfung abhängig gemacht wird.

9. Aktualisierung der Covid-19-Impfempfehlung

In der sächsischen Schulrealität nach den Ferien soll das so aussehen: Man will Corona-Impfungen auch an den Schulen anbieten (leider Zahlschranke) und setzt ansonsten auf Hürden. "Tests für Geimpfte und Genesene entfallen. Alle anderen müssen sich einmal die Woche testen, wenn die Inzidenz unter 10 liegt. Liegt die 7-Tage-Inzidenz darüber, finden die Tests wieder zweimal die Woche statt", wie das Kultusministerium in Dresden zitiert wird.

Manche Eltern, die von der Impfung ihrer Kinder nicht überzeugt sind, sind angesichts der Wiedereinführung der Schulpflicht damit konfrontiert, dass ihre Kinder getestet werden müssen, wenn sie ihrer Schulpflicht nachkommen. Man erinnert sich, dass es während der "dritten Welle" - und bereits früher - schon erhebliche Einwände nicht nur von Eltern gegen eine Testpflicht gab.

Die ist nun in der "vierten Welle" (RKI) neu mit der Impf-Empfehlung und einem gewachsenen Druck durch steigende Fall-Zahlen gekoppelt. Der Herbst wird neue Debatten bringen.

Einmal sorgen die zum jetzigen Zeitpunkt des Jahres hohen Infektionszahlen, bei denen der auffällig hohe Anteil der Unter-15-Jährigen von Beobachtern herausgestellt wird, für Nervosität. Auch die niedrigen Zahlen der "Corona-Toten" (gestern waren es 39) und die Zahl der Corona-Fälle auf Intensivstationen (805), die weit von der Belastungsgrenze entfernt ist, konterkarieren die Nervosität nicht, weil der Blick auf eine mögliche, kommende Verschärfung der Situation gerichtet ist.

Zum anderen sieht der Streit darüber, wie sehr mit Gruppenzwang gearbeitet wird und wo man ihm Grenzen setzen muss, wenn es um die Impfung von Schülerinnen und Schülern geht, nicht so aus, als ob er bald beendet wäre, zumal sich dazu auch Bildungsexperten und Ärzte mit kritischen Positionen zu Wort meldeten:

Durch den Einsatz mobiler Impfteams an Schulen würde potenziell Druck auf einzelne Minderjährige ausgeübt und sie würden der Gefahr von Mobbing ausgesetzt, hieß es seitens des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Während der Deutsche Lehrerverband eine schnelle Verabreichung der in der EU zugelassenen Vakzine gegen den neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 mit Blick auf eine rasche Rückkehr zu einem geregelten Schulbetrieb befürwortet, wies der Verband Bildung und Erziehung Impfungen an Schulen zurück.

Kommt es jetzt zu Impf-Mobbing an Schulen?

Der Verband Bildung und Erziehung sprach sich deutlich für die Freiwilligkeit der Impfung von Schülerinnen und Schülern und gegen Impfmobile vor der Schule aus.

In Nordrhein-Westfalen, wo die Ferien schon Mitte August zu Ende gingen, kündigte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) an, dass auch an den Schulen geimpft werden soll. So sei in Düsseldorf und in Köln geplant, "Impfmobile vor den Schulen zu positionieren". Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) sieht dies problematisch. Laut deren Sprecher Jakob Maske, sei die Aufklärung im Impfbus schwierig, "es darf zumindest angezweifelt werden, dass die Beratungszeit auch wirklich angemessen ist".

Man sei nicht grundsätzlich gegen die Impfung, wird betont, aber nicht in solchen Impfmobilen vor der Schule. Stattdessen soll die Impfung in den Arztpraxen stattfinden und: "Die Entscheidung sollte gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten vorgenommen werden."

Ob das Impfmobil auch eine Möglichkeit ist, Impfgegner unter den Eltern auf Abstand zu halten? Im Artikel von ruhr24.de heißt es, dass im Alter zwischen 12 und 15 eine Einwilligungserklärung der Eltern nötig sei, ab 16 Jahren sei diese nicht mehr zwingend gefordert, aber ratsam, eine mitzuführen.