Wie der Wahlniederlage Trumps Selbstzerstörung auf Twitter folgt

Fast so gut wie das Four Seasons: Die Four-Seasons-Landschaftsgärtnerei in Philadelphia

(Bild: https://bit.ly/32p6JdW (Google Street View))

Und was eine Landschaftsgärtnerei, ein Sex-Shop und New Yorks ehemaliger Bürgermeister Rudy Giuliani damit zu tun haben

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Will der scheidende US-Präsident Donald Trump nach seiner offensichtlichen Wahlniederlage die totale Blamage? Den Eindruck macht der am Ende glücklose 45. Präsident der Vereinigten Staaten derzeit zumindest auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Nachdem ihm führende US-Nachrichtensender bereits früher in dieser Woche das Mikrophon abgedreht hatten (Kalter Entzug), versah Twitter zuletzt fast jeden Link des Republikaners mit einem Warnhinweis, den die User erst einmal wegklicken mussten, um die Einlassungen des Noch-Amtsinhabers zu lesen.

Was nicht heißt, dass sich die Lektüre nicht lohnen würde. Denn während der älteste Präsidentensohn Donald Trump Jr. Daddies Anhänger zum "totalen Krieg" zu mobilisieren versuchte, buchte das PR-Team des Abgewählten einen Saal für die kommende Pressekonferenz im Four Seasons in Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania, was der Präsident sogleich auf Twitter mitteilte. Wenig später musste er den Tweet allerdings wieder löschen und schrieb stattdessen: "Große Pressekonferenz heute in der Four Seasons Landschaftsgärtnerei - 11.30 Uhr."

Ebenfalls auf dem Kurznachrichtendienst hatte das gleichnamige Luxushotel in Philadelphia zuvor interveniert: "Nur um das klarzustellen: Die Pressekonferenz von Präsident Trump wird NICHT im Four Seasons Hotel Philadelphia stattfinden. Sie findet in der Four Seasons Landschaftsgärtnerein statt. Kein Bezug zum Hotel."


Seitdem ist nicht nur auf Twitter die Hölle los. Man könne sich bei allen denkbaren Witzen nichts Lustigeres ausdenken, "als dass Trump das Four Seasons für seine Pressekonferenz gebucht hat und sich dann herausstellt, dass sie auf einem Parkplatz der Four Seasons Landschaftsgärtnerei zwischen einem Dildo-Shop und einem Krematorium stattfindet", schrieb ein User. Der Sex-Shop, so merkte Komiker Patton Oswald an, hatte allerdings "bessere Covid-Vorsichtsmaßnahmen als das Weiße Haus".

Die ganze Sache scheint auch das Team des scheidenden Präsidenten verwirrt zu haben. Die Inhaber des "Fantasy Island Adult Bookstore" jedenfalls schrieben auf Facebook, sie seien am Samstag vom ehemaligen New Yorker Bürgermeister und derzeitigen Trump-Anwalt Rudy Giuliani aufgesucht worden. "Keine Ahnung, ob sein GPS richtig funktioniert hat", so die Betreiber des Ladens in Nachbarschaft der Landschaftsgärtnerei.


Die Pressekonferenz war am Samstag verkündet worden, etwa eine halbe Stunde vor der Bekanntgabe des Wahlsiegs von Joe Biden in den Medien. Die US-Nachrichtenagentur und große Nachrichtensender hatten wenig später übereinstimmend berichtet, der Kandidat der Demokraten habe mehr als 270 Wahlleute im sogenannten Electoral College auf sich vereinen können.

Trump-Team setzt weiterhin auf juristische Schritte

Derweil versucht das Trump-Team weiterhin, den Wahlsieg Bidens in Zweifel zu ziehen. In einem von Twitter markierten Thread bekräftigte Trump erneut die These "illegaler Stimmen". Auch Giuliani stützt diese These in einem Erklärvideo. Die Rechtsberaterin der Trump-Kampagne, Harmeet Dhillon, äußerte gegenüber Fox Business ihre Hoffnung, dass die neue Richterin am Obersten Gerichtshof, Amy Coney Barrett, Trump helfen könnte, die Präsidentschaft zu gewinnen.

Harmeet Dhillon dazu: "Wir warten darauf, dass der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten, von denen der Präsident drei Richter nominiert hat, einschreitet und etwas unternimmt. Hoffentlich setzt sich dann Amy Coney Barrett durch." Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass es eine Klage gegen das landläufig unbestrittene Ergebnis bis zum Obersten Gerichtshof schafft.

Inzwischen hat in den USA durchaus auch eine Debatte über den Irrsinn in der Spätphase der Trumpschen Präsidentschaft begonnen. Gegenüber dem alternativen Nachrichtenportal Democracy Now verwies der investigative Journalist Allan Nairn noch einmal auf die Entwicklung der vergangenen Wochen und Monate:

  • die unbegründeten Behauptungen Trumps über Wahlmanipulationen während des Auszählungsprozesses;
  • der Aufmarsch schwer bewaffneter Trump-Anhänger vor Wahllokalen in Phoenix, Las Vegas, Atlanta, Detroit und Philadelphia;
  • die Festnahme von zwei Männern, nachdem die Polizei einen Hinweis erhalten hatten, dass mit AR-15 bewaffnete Männer aus Virginia gekommen waren, um – ebenfalls während des laufenden Auszählungsprozesses – das Pennsylvania Convention Center anzugreifen;
  • die Forderung des ehemaligen Wahlkampfmanagers von Trump, Steve Bannon, den US-Chefepidemiologen Anthony Fauci und FBI-Direktor Christopher Wray zu enthaupten;

"Trump und die extremistischen Republikaner, die eine Minderheit der Bevölkerung ausmachen und über eine Minderheit der Stimmen verfügen, versuchen, ihre Minderheitenherrschaft zu konsolidieren", so Nairn, der eine wichtige Schlussfolgerung zog: Die Situation wäre nicht einmal annähernd so weit eskaliert, "wenn wir die Wahl des Präsidenten, wie in den meisten Ländern, schlicht dadurch entscheiden würden, wer die meisten Stimmen erhält".