Ölpreise in der Warteschleife: OPEC+ verzögert Produktionssteigerung

Illustration mit großen schwarzen Öltropfen vor Frackingtürmen

Ölpreise seit Monaten unauffällig. Ölkartell will Produktionskürzungen nun verlängern. Was das für die Spritpreise in Deutschland bedeutet.

Das Ölkartell OPEC+ steht kurz offenbar davor, bei seinem Treffen am Donnerstag die aktuellen Produktionskürzungen bis Ende des ersten Quartals 2025 zu verlängern. Die Entscheidung soll dem Ölmarkt zusätzlichen Halt bieten, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf vier OPEC-Insider.

Die OPEC+, die etwa die Hälfte der weltweiten Ölproduktion kontrolliert, wollte eigentlich bis 2025 die Förderkürzungen schrittweise zurücknehmen. Doch eine schwächere globale Nachfrage und steigende Produktion außerhalb der Gruppe machen diesem Plan einen Strich durch die Rechnung.

Trotz der Kürzungen durch OPEC+ verharrt der Ölpreis seit Monaten größtenteils in einer Spanne zwischen 70 und 80 US-Dollar pro Barrel. Am Dienstag notierte die Referenzsorte Brent oberhalb von 72 US-Dollar, nachdem sie im September ein Jahrestief unter 69 US-Dollar markiert hatte.

Experten sehen eine Verlängerung der Kürzungen bis Ende März bereits weitgehend im aktuellen Ölpreis eingepreist. "Die Wahrscheinlichkeit, dass OPEC die Kürzungen ins erste Quartal verlängert, ist fast vollständig eingepreist", sagt John Evans vom Ölbroker PVM.

Auswirkungen auf Benzin und Diesel

Für Verbraucher bedeutet die abwartende Haltung der OPEC+, dass die Preise an den Tankstellen vorerst stabil bleiben dürften. Deutliche Preissprünge nach oben oder unten sind aktuell nicht zu erwarten, solange OPEC+ an ihrer aktuellen Förderpolitik festhält.

Während ein zu niedriger Ölpreis die Gewinne des Kartells schmälern würde, könnten zu hohe Preise die fragile Nachfrage zusätzlich dämpfen. Außerdem würde ein höheres Preisniveau Konkurrenten außerhalb der OPEC+ wie die US-Schieferölindustrie zu mehr Produktion anreizen.

Ein zentrales Thema bei den hochrangigen OPEC-Gesprächen im Vorfeld des offiziellen Treffens ist dem Vernehmen nach die Dauer einer Verschiebung der eigentlich für Januar geplanten Fördererhöhung um 180.000 Barrel pro Tag.

OPEC-Staaten beraten Strategie

Am Wochenende flog der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman erstmals seit drei Jahren in die Vereinigten Arabischen Emirate, wie die staatliche Nachrichtenagentur SPA meldete. Zudem telefonierte der saudische Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman mit dem russischen Vize-Premierminister Alexander Nowak und dem kasachischen Energieminister Almasadam Satkaliyev.

Außerdem trafen sich Vertreter des Irak, Saudi-Arabiens und Russlands letzte Woche in Bagdad, um die Lage am Ölmarkt zu erörtern.

Die OPEC-Staaten warten Beobachtern zufolge ab, welche Pläne der designierte US-Präsident Donald Trump in Bezug auf mögliche Sanktionen gegen den Iran und Venezuela verfolgt.

Diese könnten das globale Ölangebot merklich verknappen. Gleichzeitig wollen die Förderländer die Entwicklung der Nachfrage in China im Blick behalten, wo die Regierung versucht, die Konjunktur anzukurbeln.

Die Herausforderung für das Ölkartell besteht darin, die richtige Balance zwischen Preisstützung und Verteidigung von Marktanteilen zu finden. Dies dürfte OPEC+ noch eine ganze Weile beschäftigen. Eine Schlüsselrolle kommt dabei der Förderdisziplin der Mitgliedsstaaten zu.