Knien zur Nationalhymne

Hinknien muss im American Football nicht unbedingt Ausdruck eines Protests sein, wie dieses Team zeigt. Foto: Pixabay. Lizenz: CC0

In den USA wurde mit dem Bau der Mauer-Prototypen an der Grenze zu Mexiko begonnen - die dortigen Medien beschäftigt aber weniger das, als eine Äußerung Donald Trumps zum Profisport

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Am Dienstag haben südlich von San Diego die Erdarbeiten zum Bau der acht Prototypen einer Mauer an der Grenze zu Mexiko begonnen, die ein zentrales Wahlversprechen des US-Präsidenten Donald Trump war. Eine am 20. September eingelegte Naturschutzklage des kalifornischen Justizministers Xavier Becerra, hielt den Baubeginn nicht auf. Die Fertigstellung der Prototypen wird bis zum 10. November erwartet. Danach werden sie Tests unterzogen, um zu entscheiden, welche Firma den Zuschlag erhält (vgl. US-Grenzmauer soll zwischen fünfeinhalb und gut neun Metern hoch werden).

Die großen US-Medien beschäftigt jedoch grade weniger dieser Baubeginn, als vielmehr eine Äußerung Donald Trumps vom letzten Freitag. Auf einer Wahlkampfveranstaltung für den republikanischen Senator Luther Strange hatte der Präsident nämlich zu den Zuhörern gemeint: "Würdet ihr es nicht liebend gern sehen, wenn ein NFL-Eigentümer über jemandem, der unserer Flagge keinen Respekt erweist, sagt: 'Hol diesen Hundesohn sofort vom Spielfeld runter. Raus"! Er ist gefeuert. Er ist gefeuert!'" Später hatte er die NFL via Twitter dazu aufgerufen eine Pflicht zum Aufstehen während der Hymne in ihr Regelwerk aufzunehmen. Der NBA-Spieler LeBron James nannte Trump auf diese Anregung hin einen "Penner"; der NFL-Runningback LeSean McCoy bezeichnete ihn als "Arschloch" - und der demokratische Repräsentantenhausabgeordnete Al Green forderte wieder einmal seine Amtsenthebung (vgl. Amtsenthebungsforderungen: Gewöhnlicher als man denkt).

Redefreiheit?

Mit der Respektsverweigerung meinte Trump das Niederknien von Teilen der schwarzen Sportler während des Abspielens der Nationalhymne vor einer Begegnung zweier Mannschaften. Erfunden hatte diese Mode vor bereits 13 Monaten (also lange vor Trumps Amtsantritt) der damalige San-Francisco-49ers-Quarterback Colin Kaepernick, der damit seine Verbundenheit mit der BLM-Bewegung ausdrücken wollte (vgl. Whose Black Lives Matter?). Inzwischen wird sein Verhalten nicht nur in Football-, sondern auch in Baseballvereinen nachgeahmt, zum Beispiel vom Oakland A’s-Fänger Bruce Maxwell. Da der Trend vor allem von Sportlern übernommen wurde, die sich im Wahlkampf für Hillary Clinton aussprachen, gilt er inzwischen auch als Statement gegen Donald Trump.

Politiker wie John McCain und Mainstreammedienvertreter, die sich etwas gewählter ausdrückten als LeBron James und LeSean McCoy, begründeten ihre Kritik an Trumps Anregung damit, dass er den Spielern damit ihr Recht auf Redefreiheit nehme, welches sie auch durch Knien wahrnehmen könnten. Allerdings haben US-Profisportler große Teile dieses Rechts im Regelfall bereits durch ihre Arbeitsverträge abgegeben, welche ihnen in akribischen Detailregen sogar Vorschriften zu privaten Äußerungen machen, wie konservative Medien herausstellen.

Ist die große Zeit des American Football vorbei?

Die Amerikaner selbst sind einer neuen Ipsos-Umfrage unter 628 Demokraten 583 Republikanern und 222 Unabhängigen nach zu 58 Prozent dafür, dass Sportler durch Verbandsregeln dazu verpflichtet werden, während der Nationalhymne aufzustehen. 39 Prozent sprechen sich gegen eine solche Verpflichtung aus, weitere neuen Prozent geben sich unentschieden. Dass viele Amerikaner so eine Verpflichtung nicht als Einschränkung der Redefreiheit sehen, zeigt sich in ihren Antworten darauf, ob sich Spieler auch bei Sportereignissen politisch äußern sollen dürfen: Das befürwortet eine relative Mehrheit von 49 Prozent - nur 33 Prozent sind dagegen und sieben Prozent unentschieden.

Mit der bisherigen Handhabung der Angelegenheit durch die NFL ist nur eine Minderheit von 36 Prozent der Befragten zufrieden; eine 43 Prozent starke relative Mehrheit ist das explizit nicht. Auch Trumps Einmischung kommt nicht gut an: 53 Prozent der Befragten meinen, er solle sich aus der Sache heraushalten und 57 Prozent sind der Meinung, dass die NFL Spieler nicht hinauswerfen sollte, nur weil sie sich während der Nationalhymne hinknien.

Außer an die NFL wandte sich Donald Trump inzwischen auch an die American-Football-Fans, denen er riet, keine Spiele mehr zu besuchen, so lange Spieler den Respekt vor den US-Nationalsymbolen offensiv verweigern. Die Zuschauerzahlen der NFL sanken allerdings schon vorher deutlich, was darauf hindeutet, dass dieser Sport seine größte Zeit hinter sich haben könnte - ähnlich wie der Fußball in Deutschland, für den sich immer kleinere Minderheiten begeistern (vgl. Ein Einsparvorschlag für ARD und ZDF). Vorher ging es dem Baseball so, der einstigen Favourite Pasttime der Amerikaner, deren Unbeliebtheit bei Schulkindern heute Thema von South-Park-Episoden ist. Steigender Beliebtheit erfreut sich dagegen der E-Sport, dessen Fans nach dem Gamergate in republikanischen Kandidaten wie Donald Trump gegenüber Hillary Clinton und deren SJW-Anhängern häufig das kleinere Übel sahen.