EU schätzt Gasstreit mit Russland kritischer ein als sie zugibt

Seite 4: Moskau versucht die Kontrolle zu behalten

Spätestens mit dem heutigen Lieferstopp an Polen und Bulgarien ist deutlich geworden, dass Russland ernst macht und die Maßnahmen Moskaus gegen die EU-Sanktionen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen sind. Anders als bei Kohle und Erdöl ist die Abhängigkeit der EU vom russischen Erdgaslieferungen nach wie vor groß – und die Versorgungslücken nicht geschlossen.

Ein Problem ist auch die Übertragung des Währungsrisikos auf die europäischen Importeure. Denn wenn sich im Verlauf des mehrstufigen Umtauschprozesses die Kurse zuungunsten der Käufer verändern, müssen diese die Differenz begleichen. Dabei legt die russische Zentralbank die Wechselkurse fest.

Zudem hat Gazprom inzwischen bekannt gegeben, dass eine Weitergabe von russischem Gas an andere Konsumenten als Vertragsverletzung gesehen werde und einen Lieferstopp zufolge haben könne. Das kann als Frontalangriff auf eine geplante EU-Gaseinkaufsplattform gewertet werden.

Mit dieser Plattform wollen die Mitgliedsstaaten ein Instrument schaffen, um auf dem Weltmarkt mit gemeinsamer Marktstärke aufzutreten. Die Russen wollen das für ihr Gas offenbar unterbinden.

Der Streit spitzt sich indes weiter zu: Der polnische Energiekonzern PGNiG hat in Reaktion auf den Lieferstopp angekündigt, keine Erdgaslieferungen in Rubel zu akzeptieren. Der Konzern PGNiG wertet die Entscheidung von Gazprom als Bruch bestehender Verträge. In einer Stellungnahme vom heutigen Mittwoch heißt es:

Nach Ansicht von PGNiG stellt die Reduzierung der Erdgaslieferungen einen Verstoß gegen den Jamal-Vertrag dar. PGNiG behält sich die Geltendmachung ihrer Ansprüche wegen der Zurückbehaltung von Lieferungen vor und wird zu diesem Zweck alle ihr zur Verfügung stehenden vertraglichen und gesetzlichen Rechte nutzen.

Stellungnahme der PGNiG