Vorentscheidung bei Vorwahlen [Update]

Trump und Clinton gewinnen mehrere Bundesstaaten - Rubio steigt aus

Der folgende Beitrag ist vor 2021 erschienen. Unsere Redaktion hat seither ein neues Leitbild und redaktionelle Standards. Weitere Informationen finden Sie hier.

Gestern wurde in den USA in den Bundesstaaten Florida, Ohio, Illinois, Missouri und North Carolina sowie auf dem Territorium Nördliche Marianeninseln gewählt. Die wichtigste Wahl davon war die im bevölkerungsreichen Bundesstaat Florida, der mit Abstand die meisten Wahlmänner zu vergeben hatte.

Bei den Republikanern ging diese 99 Delegierten nach dem Winner-Takes-All-Prinzip komplett an Donald Trump, der den Bundesstaat mit 46 Prozent Stimmenanteil souverän gewann. Marco Rubio, der in seiner Heimat auf einen Sieg gehofft hatte, aber nur 27 Prozent erreichte, erklärte nach der Niederlage seinen Rückzug. Es sei, so Rubio zur Begründung, "nicht Gottes Wille", dass er 2016 Präsident werde.

In Ohio, dem zweitgrößten Brocken, gingen alle 66 Wahlmänner an den dortigen Gouverneur John Kasich, der am Wochenende im District of Columbia - der Bundeshauptstadt, in der viele Arbeitsplätze von der etablierten Politik abhängen - ganz knapp Zweiter hinter Marco Rubio wurde. Trotzdem hat Kasich bislang insgesamt so wenige Wahlmänner, dass er wahrscheinlich darauf hofft, dass keiner der Kandidaten eine absolute Mehrheit erreicht und ein Kandidat ausgehandelt wird, wenn er weitermacht. Rubio hatte die Wähler in Ohio letzte Woche dazu aufgerufen, für Kasich zu stimmen. Der wollte das Geschenk bezüglich Florida jedoch nicht erwidern.

Floridas Metropole Miami ist für ihre Art-Deco-Bauten bekannt. Foto: Massimo Catarinella. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Trump - der inzwischen vom aus dem Vorwahlkampf ausgestiegenen schwarzen Adventisten Ben Carson unterstützt wird - wurde in Ohio knapp zweiter, erhält dafür aber keine Delegierten. Dafür gewann der exzentrisch frisierte Milliardär in Illinois (69 Delegierte) und North Carolina (wo die 72 Delegierten proportional vergeben werden), was ihn dem Sieg wieder ein paar Schritte näher bringt.

In Missouri liegt Trump beim derzeitigen Auszählungsstand mit 40,8 Prozent nur zwei Zehntelprozentpunkte vor Ted Cruz, der dort immer noch auf einen Sieg hofft. [Update: Am Ende der Auszählung bestätigte sich Trumps knapper Vorsprung jedoch.] Am Wochenende hatte Cruz im Rancher-Bundesstaat Wyoming und auf der Pazifikinsel Guam gewonnen, wo jedoch nur wenige Delegierte vergeben wurden. Von den Marianeninseln, wo gestern nur die Republikaner neun Delegierte wählten, liegen noch keine Ergebnisse vor. [Update: Inzwischen steht fest, dass Trump auch die Marianen gewann - mit 73 Prozent vor Ted Cruz, der hier nur auf 24 Prozent kam. Für Kasich stimmten auf den Inseln lediglich zwei Prozent der Vorwähler.]

Störer könnten Trump genützt haben

Dass bei Trumps Wahlveranstaltungen Störer auftauchten, könnte dem Kandidaten eher genutzt als geschadet haben (ebenso wie der Vandalismus am Haus des jüdisch-russischen Landtagskandidaten Alexander Beresowski, zu dem sich Autonome bekannten, der AfD am Sonntag Stimmen gebracht haben dürfte). Fans, die in Auseinandersetzungen mit solchen Störern verwickelt werden, will der Milliardär die Anwalts- und Gerichtskosten erstatten. Er wirft Bernie Sanders vor, hinter den Störern zu stecken, was der Senator, der im letzten Jahr selbst Probleme mit SJWs hatte, die ihn am Reden hinderten, mit der Bemerkung zurückwies, Trump sei ein "pathologischer Lügner".

Sarah Palin, die in Florida für Trump Wahlkampf machte (bis sie wegen eines Schneemobil-Unfalls ihres Ehemannes nach Alaska zurück musste) nutzte die Aktionen der Störer für die in US-Medien leicht zensiert (aber dafür um so öfter) wiedergegebene Bemerkung, diese "kleinen Rotzlöffel-Ärsche" wollten den Amerikanern ihr in der Verfassung garantiertes Recht auf Redefreiheit wegnehmen und würden dafür von Teilen der Presse auch noch bejubelt.

Als unzutreffend erwies sich Trumps Einschätzung, ein 22-jähriger Störer, der in Kansas City (das nicht in Kansas, sondern in Missouri liegt) Trumps Bühne stürmen wollte, habe Verbindungen zur Terrorgruppe Islamischer Staat (IS). Der Eindruck entstand womöglich dadurch, dass Kritiker des 22-Jährigen, der in der Vergangenheit mit Schändungen der US-Flagge auf sich aufmerksam machen wollte, ein YouTube-Video, auf dem er das macht, mit Musik unterlegte, die wie die aus IS-Propagandavideos klingt.

Auch Barack Obama bescherte Donald Trump Aufmerksamkeit, als er am Samstag meinte, die unter dem Trump-Label angebotenen Weine könnten in Wirklichkeit "Fünf-Dollar-Produkte" sein, bei denen 45 Dollar für den Namen aufgeschlagen werde. Die Washington Post fragte auf diese Mutmaßung hin die professionelle Weinkennerin Erin Scala und bekam zur Antwort, dass der US-Präsident hier irrt.

Sanders hat nur noch geringe Chancen

Bei den Demokraten, die die Delegierten weiter proportional vergeben, eroberte Hillary Clinton, die am Wochenende mit 54 Prozent Stimmenanteil den Caucus auf den Marianen gewann, gestern erwartungsgemäß Florida mit 30 Punkten Abstand zu Sanders. Auch ihre mit jeweils 14 Punkten Vorsprung eingefahrenen Siege in North Carolina und Ohio zeigen, dass sie die Parteimaschine fest in der Hand hat.

Ihr Konkurrent Bernie Sanders, der in Illinois und in Missouri beim derzeitigen Auszählungsstand mit 49 zu 50 Prozent knapp zurückliegt, müsste nun allerdings nicht nur New York und Kalifornien, sondern einen Großteil der weiteren Bundesstaaten gewinnen, in denen noch nicht gewählt wurde, um Hillary Clinton, die fast alle "Superdelegierten - also Parteifunktionäre und Amtsträger, die beim Konvent als mit abstimmen dürfen - hinter sich hat, noch zu überholen. Und zwar nicht nur knapp, sondern mit größerem Abstand. Besonders wichtig sind dabei die bevölkerungsreichen Staaten Washington (26. März), Wisconsin (5. April), Pennsylvania (26. April), Indiana (3. Mai) und New Jersey (7. Juni). [Update: Auch bei den Demokraten bestätigten sich die Zwischenergebnisse der Auszählungen in Illinois und Missouri.]

Clinton verwechselt Aids mit Alzheimer

Dass Sanders trotz der geringen Chancen weiter im Rennen bleibt, liegt womöglich auch daran, dass Hillary Clinton immer wieder für Negativschlagzeilen sorgt: Bei der Beerdigung von Nancy Reagan ließ sich die 68-Jährige (deren Mimik die FAZ unlängst mit der des deutschen Fernsehkomikers Mario Barth verglich), in Ankuschelumarmung lächelnd mit dem Ex-Präsidenten George W. Bush fotografieren, der die USA (mit ihrer Stimme) in den Irakkrieg führte. Ähnlich bedingt gut an kam ihr bei der letzten Fernsehdebatte geäußerter Verweis auf ausländische Staatsmänner, die ihr anboten, sie zu unterstützen, um Donald Trump zu verhindern. Dabei nahm sie offenbar auf Tony Blair und Matteo Renzi Bezug. Für viele Amerikaner klang das nach ausländischer Einmischung in innere Angelegenheiten.

Dass auch 68-Jährige nicht mehr die Jüngsten sind, bewies die Ex-Außenministerin, als sie die verstorbene Nancy Reagan in einem MSNBC-Interview dafür lobte, dass sie und ihr Ehemann über Aids geredet hätten, als das noch niemand wollte. Als Aids-Selbsthilfegruppen darauf aufmerksam machten, dass dies erst 1987 - also sechs Jahre nach dem breiten Bekanntwerden der Krankheit - geschah, entschuldigte sie sich damit, sie habe das mit Stammzellenforschung und Alzheimer verwechselt.

Bernie Sanders erregte letzte Woche unter anderem durch eine neue SNL-Parodie des Seinfeld-Autors Larry David Aufmerksamkeit - und dadurch, dass der schwarzen Fernsehprediger und Trump-Unterstützer Mark Burns den Brooklyner Juden, der Verwandte im Holocaust verlor, dazu aufforderte, sich Jesus zuzuwenden. Sanders wurde bis zum Februar häufig als Atheist oder Agnostiker eingeschätzt, bekannte sich aber im Wahlkampf zu "sehr starken religiösen Gefühlen".

Empfohlener redaktioneller Inhalt

Mit Ihrer Zustimmmung wird hier eine externe Buchempfehlung (Amazon Affiliates) geladen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen (Amazon Affiliates) übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.