Chinas Wirtschaft löst sich von den westlichen Regeln

Große Halle des Volkes, Peking/Bejing. Bild (2014): Mirko Kuzmanovic /shutterstock.com
Xi Jinping baut um. Nach Erfahrungen mit linearer Marktwirtschaft setzt man auf ein kreislauforientiertes Modell. Welche Folgen hat das für Deutschland?
Als China Ende 2001 der WTO beitrat, hatte man im Westen die Hoffnung, dass sich das Reich der Mitte endlich den jeweils aktuell gültigen Regeln der Industriestaaten unterwerfen will.
Doch da hatte man übersehen, dass China sich zuallererst an seinen eigenen Vorstellungen orientiert. Diese berücksichtigen auch die Erfahrungen, die man mit den imperialistischen Staaten des Westens einschließlich Japans zuvor machen musste.
Wer wundert sich darüber, dass alle Hoffnungen auf einen ″Wandel durch Handel″ nach westlichen Vorstellungen unerfüllt blieben?
China hat sich inzwischen für den Westen vom Hoffnungsträger zum bösen Buben der Weltwirtschaft gewandelt. Schon seit geraumer Zeit setzt China verstärkt auf den eigenen Binnenmarkt und hat den Exportanteil auf etwa 20 Prozent des BIP abgesenkt.
Im Vergleich dazu ist Deutschland zu über 40 Prozent auf den Export angewiesen. Die deutsche Wirtschaft ist also deutlich stärker vom Export abhängig als China.
Ausländische Investoren müssen sich an die Vorgaben der Partei halten
Es wird immer deutlicher, das China in zunehmendem Maße den globalen Takt bestimmt und sich gleichzeitig abkapselt und vor unerwünschten westlichen Einflüssen zu schützen beginnt. Europäische Unternehmen, die in China mitspielen wollen, sollten die dabei bestehenden Risiken und Nebenwirkungen kennen.
Geopolitisch ist China inzwischen zu einer bedeutenden Wirtschaftsmacht geworden, die in immer größerem Umfang die Regeln des globalen Handels mitbestimmt. Der Anteil Chinas am kaufkraftbereinigten globalen Bruttoinlandsprodukt ist laut IWF in den vergangenen 20 Jahren um knapp 11 Prozentpunkte auf 18,6 Prozent gestiegen.
Die Anteile der USA und der Europäischen Union sind im gleichen Zeitraum dagegen gesunken und liegen inzwischen deutlich unter den chinesischen Werten. Wenn China gute Wirtschaftszahlen vorlegt, werden sie im Westen gerne angezweifelt. Dabei wird gerne übersehen, dass bei Zahlen in der chinesischen Statistik die Zielerreichung am wichtigsten ist.
Wenn Trump seine Zoll-Drohungen gegen China wahr macht, womit zu rechnen ist, hat China neben der Anordnung von Zöllen gegen US-amerikanische Lieferungen auch noch die Möglichkeit, Investoren aus den USA die Steuerfahndung auf den Hals zu hetzen.
Das wird für diese sicher ein besonderes Vergnügen. Zudem können die ausländischen Vertreter auch vergleichsweise einfach aus dem Land gewiesen oder inhaftiert werden.
Deutschland mag keine chinesischen Investoren mehr
Das Frankfurter Zukunftsinstitut meldete im Dezember 2023.
Eine interessante Entwicklung zeigt sich bei den Direktinvestitionen chinesischer Unternehmen im Ausland. Diese Investitionen waren 2017 auf einen Rekordwert von 256 Milliarden Dollar gestiegen, sind aber 2022 auf 81 Milliarden Dollar zurückgegangen.
Das ist immer noch eine substanzielle Größe, doch erklärt sich der Rückgang durch die zunehmenden politischen Spannungen mit den westlichen Staaten, bei denen die Sorge wächst, dass China seinen Einfluss auf Unternehmen außerhalb der Landesgrenze ausbaut und nutzt.
Denn die eigentlich positiven Effekte von Auslandsinvestitionen gelten für China nur teilweise: Sie kaufen nämlich nicht nur Unternehmen auf, sondern auch deren Technologie. Dieser, aus westlicher Sicht, ungewollte Technologietransfer könnte China einen Wettbewerbsvorteil bringen, während der Standort Europa weiter ins Hintertreffen gerät.
Auch wenn China derzeit durchaus wirtschaftliche Probleme hat, was nicht mal die KPCh bezweifelt hat Xi Jinping dennoch das ganz große Ziel im Blick. Das ist ein wirtschaftlich und militärisch starkes, möglichst autarkes China bis zum Jahr 2049, dem 100. Geburtstag der Volksrepublik.
Er will letztlich eine Neuauflage des System-Wettstreits und ist fest entschlossen, diesen zu gewinnen. Dass er dabei nicht völlig chancenlos sein dürfte, zeigt das Beispiel DeepSeek von Liang Wenfeng, das mit gegenüber US-Lösungen deutlich reduziertem Hardware-Aufwand verblüffende Ergebnisse erzielt und deutliche Fragezeichen hinter den US-KI-Platzhirschen hinterlässt.
Deutschland sehnt sich zurück nach den Wirtschaftswunderjahren
Dabei ist Deutschland nicht nur von seinen Exporten nach China abhängig sondern beispielsweise bei Medikamentengrundstoffen von der Belieferung durch chinesisch Hersteller.
Die Versuche sich bei den Pharmazeutika von China zu lösen, sind zwar schon länger angekündigt, getan hat sich in dieser Sache bislang ganz offensichtlich noch nicht viel. Bislang fehlt den deutschen Behörden sogar jegliche Information über die konkreten aktuellen Lieferketten.
Der ehrfürchtige Blick über den Atlantik vernebelt zusätzlich den Blick auf den schon seit Jahren ablaufenden Wandel des chinesischen Wirtschaftsmodells. Dort wurden die Oligarchen, wie sie in den USA noch immer führend sind, viel konsequenter eliminiert als das in Russland nach Jelzin gelang.
Die Partei
Der Maßstab in China ist wieder die Kompetenz der Partei. Wer sich in diesem Sinne engagiert, darf durch seine Aktivitäten durchaus zu Reichtum kommen, darf der Partei jedoch keinesfalls in die Quere kommen.
Von der Mehrheit hierzulande noch immer kaum wahrgenommen, hatte Brüssel mit dem Green Deal erste Schritte weg von der linearen hin zur zirkularen Wirtschaftsweise eingeschlagen, die mehr Umwelt- und Klimaschutz ermöglicht.
Inzwischen beginnt man sich jedoch von beiden wieder zu verabschieden, ohne eine tragfähige Alternative zu haben.
Wenn die EU-Kommission in Kürze ihr Programm für die nächsten fünf Jahre offiziell vorstellt, wird deutlich werden, das künftig anstelle des Klimas die Entlastung der Wirtschaft im Zentrum steht.
Der erneute europäische Schwenk zur in den USA üblichen linearen Wirtschaftsweise wird zwar vorerst die internationalen Investoren beglücken, letztlich jedoch die Lebenserwartung der Bürger im Süden der EU gesichert reduzieren.