Google macht Privates öffentlich

Mit bestimmten Suchbefehlen lassen sich gezielt Internetseiten nach beliebigen Dateitypen durchsuchen

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Das Video erinnert ein wenig an den Numa-Numa-Dance, mit dem Gary Brolsma Anfang des Jahres für kurze Zeit zu einer Internet-Berühmtheit wurde. Aber der Sänger, der auf urkomische Weise auf Tschechisch ein Lied über "Tom und Jerry" singt und dazu unmögliche Grimassen schneidet, ist in diesem Fall kein spätpubertierender Schüler, sondern der Physiker Lubos Lumo Motl. Er stammt aus der Tschechei, arbeitet derzeit an Universität von Harvard und hat eine Leidenschaft: das Singen. Oder genauer gesagt: das Falschsingen. Und Kostproben seiner nicht vorhandenen, aber lustigen Sangeskunst hat er auf seiner Internetseite veröffentlicht, darunter das schon erwähnte kurze Video.

Auf Motls Seite wäre ich nie gestoßen, wenn es nicht Google geben würde. Denn Google findet bekanntlich fast alles, wenn man die richtigen Suchbefehle kennt. Wie nämlich jetzt die Google-Experten von Tech-Recipes herausgefunden haben, kann man mit der Suchmaschine gezielt offene, also nicht passwortgeschützte Bereiche von Internetseiten nach beliebigen Dateitypen durchsuchen.

Sucht man also beispielsweise nach Musikdateien gibt man bei Google ein: -inurl:htm -inurl:html intitle:"index of" mp3 . Und schon werden einem 163.000 Seiten genannt, auf denen zum Teil mp3-Dateien aufgelistet sind. Und auf die man dann eben Zugriff hat. Eine Möglichkeit, von der die Musikindustrie bestimmt nicht begeistert ist, vor allem weil man die Suche noch weiter konkretisieren kann, in dem man hinter "mp3" den Namen des gewünschten Künstlers setzt.

Aber das ist nicht das einzige Problem. Da viele Leute inzwischen im Netz nämlich ganze Familienalben oder kleine Videosammlungen abgespeichert haben, die oft nicht für fremde Augen gedacht sind, kann es schon ein wenig peinlich sein, wenn diese Bilder und Filmchen über Google auch für andere auffindbar sind. So habe ich testweise also statt nach mp3- mal nach jpg- und avi-Dateien suchen lassen, und fand neben vielen privaten Aufnahmen auch die Bilder eines FKK-Urlaubs, Filme über einen feuchtfröhlichen Ausflug nach Kanada und sogar das mittlerweile legendäre Sex-Video von Paris Hilton, das ein deutscher Student ausgerechnet auf einem Uni-Rechner abgespeichert hat. Und ich fand eben auch den fröhlichen Physiker Lubos Lumo Motl, der so wunderbar falsch singt.