Geometrie der Angst: Joseph Loseys "The Damned"

The Damned

Der untypischste aller Hammer-Filme, wiedergesehen im Schatten der Corona-Pandemie (Teil 1)

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Manche Filme sind zeitlos gut, und doch sieht man sie immer wieder neu, weil die Umstände sich verändern und mitunter Ängste hervorrufen, die man längst überwunden glaubte. The Damned, eine Hammer-Produktion über nukleare Albträume, erkältungsresistente Kinder und eine Demokratie auf der Intensivstation, ist so ein Film.

Gesundheit vor Grundrechten

Warum fällt einem zu einem Ereignis wie der Corona-Krise ein bestimmter Film ein und andere nicht, obwohl sie genauso viel dazu zu sagen hätten? Meistens weiß man es nicht genau. In diesem Fall kann ich darüber Auskunft geben. Auslöser war ein Leserbrief in einer Münchner Tageszeitung am Beginn der Pandemie. Ein Herr war mit Familie zu einer Wanderung in die Berge gefahren, unterwegs von der Polizei kontrolliert und dann, beim Picknick in freier Natur und unter Einhaltung der Abstandsregeln, in geringer Höhe von einem Polizeihubschrauber überflogen worden.

Der Hubschrauber überwachte die Einhaltung der von Landesvater Söder verfügten Maßnahmen zur Eindämmung des Virus. Kurz zuvor hatte man von der Staatsregierung erfahren, welche modernste Technik bei solchen Kontrollflügen zum Einsatz kommen, und dass man da keine Kosten scheuen werde. Vielleicht war es so, dass die Polizeibeamten kein Vertrauen in diese Technik hatten und sich die Sache lieber aus der Nähe anschauten. Fürsorge kann man da schon mal als Machtdemonstration missverstehen. Die kleinen Kinder des Leserbriefschreibers jedenfalls hatte der Hubschrauber nachhaltig verstört.

Ein Fan des als Held der Volksgesundheit mit traumhaften Zustimmungswerten ausgestatteten Landesvaters war der Mann nicht. Ein Söder-Bild, teilte er mit, werde er nicht bei sich zuhause aufhängen. Die Resonanz war überwiegend negativ. Gesundheit vor Grundrechten, hieß es in einem Kommentar. Jemand forderte Solidarität als Wesensmerkmal der Demokratie ein; ob mit der Polizei oder mit der Staatsregierung, die nach Meinung eines Kommentators "alles, aber auch alles richtig gemacht" hatte, blieb unklar.

Gesundheit vor Grundrechten (18 Bilder)

The Damned

Inzwischen weiß man, dass man in einer Pandemie wie dieser, ausgelöst von einem neuen und daher unerforschten Erreger, schon froh über eine Regierung sein kann, die keine schwerwiegenden Fehler macht und diese, wenn sie ihr doch unterlaufen, offen zugibt und klar benennt, statt sich in Allgemeinplätze zu flüchten ("Mein Platz ist in Bayern"-Söder bei der Pressekonferenz zum Test-Fiasko an Bayerns Autobahnen: "Nichts ist perfekt."). Dem Vater, der sich um das seelische Wohl seiner Kinder sorgte, half das damals wenig. Er wurde abgekanzelt, als habe er sich der Majestätsbeleidigung schuldig gemacht. Weil der Mann einen Doktortitel hat, wurden gleich noch ein paar Vorurteile gegen Akademiker ventiliert.

Mir fiel dazu nicht Figures in a Landscape ein (oder erst etwas später), in dem Losey die Bedeutung des Hubschraubers konsequent zu Ende denkt, sondern ein spektakulärer Stunt in The Damned. Oliver Reed kämpft mit Männern in Schutzanzügen und flieht in einem Jaguar, verfolgt von einem Helikopter. Das sieht gefährlich aus. Man muss kein Kind sein, um da Angst zu kriegen. Der Jaguar fährt über eine Brücke, durchbricht das Geländer und stürzt ins Meer. Für den Stuntman, der mittlerweile am Steuer saß, hätte das böse enden können, weshalb der erschrockene Losey solche Szenen danach nicht mehr drehen wollte.

Beim genauen Hinschauen erkennt man, dass neben dem Royal Victoria Hotel Mitglieder der Filmcrew und Schaulustige stehen, die da eigentlich nicht sein sollten (die Kinder hatten schulfrei gekriegt, um das Spektakel miterleben zu können). Weiter hinten sind Autos geparkt, die dort abgestellt sind, weil die Brücke für den Stunt gesperrt wurde. Das ist wohl den Kompromissen geschuldet, die man machen muss, wenn das Budget begrenzt ist. Störend ist es nicht. Es fügt sich gut ein in einen Film, in dem die Fiktion auf die Wirklichkeit trifft und der Ausnahmezustand zur neuen Normalität geworden ist.

Helikopter-Solidarität

Wenn die Gaffer weniger eng beisammen stehen würden, könnte man die Momentaufnahme von der Brücke beim Royal Victoria Hotel nehmen, um zu illustrieren, was Angela Merkel scheinbar meinte, wenn sie in vom Fernsehen übertragenen Verlautbarungen das Wort "Solidarität" bemühte: Abstand zu Fremden halten und aus der Entfernung dabei zusehen, wie Italien beispielsweise in den Abgrund rauscht, und mit Italien die Europäische Union, für die in Merkels Reden der ersten Corona-Monate kein Platz blieb. Oliver Reed ist schließlich selber schuld, fährt er doch in einem Auto, das er nicht bezahlt hat, lebt also über seine Verhältnisse wie die Südeuropäer, die immer nur unser sauer erspartes Geld wollen.

Solidarität allerdings, habe ich in Vor-Corona-Zeiten gelernt, hat mit Zusammenhalt und aktiver Unterstützung zu tun, nicht mit passivem Weiter-Weg-Stehen, weil man da - vielleicht - nicht infiziert wird. Theoretisch sieht das die EU genauso. Paragraph 222 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union enthält eine Solidaritätsklausel, die vorsieht, dass die Mitgliedsstaaten gemeinsam handeln und sich im Katastrophenfall unterstützen. Um Verzögerungen zu vermeiden, gibt es das Internet-basierte Common Emergency Communication and Information System (CECIS). Wer die Solidaritätsklausel in Anspruch nimmt, kann da mit den anderen Staaten in Echtzeit Informationen austauschen.

Am 26. Februar bat Italiens Premierminister Giuseppe Conte um Hilfe. Im CECIS wurde hochgeladen, was sein Land dringend brauchte (Schutzausrüstung, Beatmungsgeräte), um das Sterben zu verringern. Niemand antwortete. Der für das Krisenmanagement zuständige EU-Kommissar heißt Janez Lenarčič. Der Guardian zitiert ihn mit dem Satz, dass das Schweigen nicht an einem Mangel an Solidarität gelegen habe, sondern an einem Mangel an Ausrüstung. Die anderen Länder hatten selber nichts, oder viel zu wenig. Noch warte ich auf ein Interview, in dem der Bundesgesundheitsminister gefragt wird, wie sich das mit seiner Behauptung vom 27. Januar verträgt, dass Deutschland gut vorbereitet sei, oder mit der vom 12. Februar.

Ob Contes mit peinlichem Schweigen bedachtes Hilfeersuchen etwas damit zu tun hatte, dass in Jens Spahns Einlassungen zum Thema das "gut vorbereitet" im März durch ein "Wir haben die Situation vom ersten Tag an sehr ernst genommen" ersetzt wurde? Bei einer Pandemie, sagen die Experten, kann man es nur falsch machen. Wer früh handelt wird als Alarmist, Totengräber der Wirtschaft und Spaßbremse verschrien (in Bayern wurden erst noch Starkbierfeste gefeiert, und niemand wollte den Bürgern die Faschingsferien mit Après-Ski in Tirol vermiesen, ehe die Regierung - nun ja - "alles, aber auch alles richtig" machte).

Wer dagegen abwartet muss sich später vorwerfen lassen, zu lange untätig geblieben zu sein. Nachher ist man sowieso grundsätzlich schlauer. Angesichts einer Situation, die zunächst niemand ernst nahm (mit einem "ersten Tag", der sich mit neueren Erkenntnissen immer weiter nach hinten verschob), wäre es allzu billig, einzelnen Politikern den schwarzen Peter zuzuschieben. Verklärung und Heldenverehrung müssen aber auch nicht sein. Bayern, wo der Ministerpräsident regelmäßig vor die Mikrophone tritt, um weiß-blaue Höchstleistungen im Kampf gegen das Virus zu verkünden, hat die meisten Corona-Toten pro 100.000 Einwohner und neben Nordrhein-Westfalen die meisten bestätigten Infektionen.

Daraus zu schließen, dass Söder versagt hat, wäre ungerecht, weil sich die einzelnen Bundesländer, nicht nur der Unterschiede in Fläche, geographischer Lage und Bevölkerungszahl wegen, schlecht bis gar nicht vergleichen lassen. Umgekehrt braucht man aber einiges an gutem Willen, um ihm - auf Grundlage der zur Verfügung stehenden Statistiken - zu bescheinigen, dass er die Aufgabe besser erledigt hat als andere Ministerpräsidenten, wie er bei seinen öffentlichen Auftritten, medial versiert, gerne suggeriert.

Mein Land, mein Geld, meine Gesundheit

Im Artikel des Guardian ist nachzulesen, wie europäische Regierungen (die deutsche inklusive) das Virus zuerst unterschätzten und sich dann in einen unkoordinierten nationalen Protektionismus flüchteten, als hätten sie vergessen, dass es die EU gibt, und wofür. Die Kommission listet in ihrer Zeitleiste mit den EU-Maßnahmen die erste Sitzung des Gesundheitssicherheitsausschusses am 17. Januar auf (zur Besprechung eines gemeinsamen Vorgehens), versäumt aber zu erwähnen, dass nur 12 von 27 Mitgliedsstaaten daran teilnahmen.

Ein Ausschuss, der Empfehlungen zum Schutz der Gesundheit geben soll, nützt nicht viel, wenn die einen nicht hingehen, sich die anderen auf nichts einigen können und nationale Scheuklappen den Blick einschränken. Belgien und die Niederlande kauften in der Folge Inhaltsstoffe für dringend benötigte Medikamente auf, die man bei den europäischen Nachbarn besser hätte produzieren können. Frankreich und Deutschland (und viele andere Länder) belegten Schutzausrüstung mit einem Exportverbot. Grenzen wurden einseitig geschlossen, statt sich vorher mit den Nachbarn zu beraten und gemeinschaftlich zu handeln.

Mein Land, mein Geld, meine Gesundheit (8 Bilder)

The Damned

Maßnahmen zur Grenzsicherung bleiben in The Damned dezent im Hintergrund und sind doch gut sichtbar, wenn am Horizont Kriegsschiffe auftauchen. Losey hatte weder das Geld noch die Möglichkeiten, so etwas zu organisieren. Es war wohl so, dass die Royal Navy durch den Ärmelkanal fuhr, als er vor Ort war. Er fing mit der Kamera ein, was sich umsonst mitnehmen ließ und zu der Geschichte passte, die er erzählen wollte. In Corona-Zeiten hat das eine unheimliche Aktualisierung erfahren.

Wie Geisterschiffe liegen vor der Bucht von Weymouth, wo Losey drehte, Kreuzfahrtriesen vor Anker, die ohne Virus im Mittelmeer oder in der Karibik unterwegs wären. Umweltschützer beobachten das Phänomen mit Sorge. Zur Aufrechterhaltung eines Notbetriebs sind die Tourismusmonster gezwungen, ihre Generatoren laufen zu lassen und tragen so weiter zum Ausstoß von Treibhausgasen bei. Da im Lockdown nichts verdient wird ist bereits abzusehen, dass später das Geld fehlen wird, um schwimmende Dreckschleudern so umzurüsten, dass sie umweltverträglicher werden.

So erinnern einen die Geisterschiffe von Weymouth auch daran, dass Experten seit Jahren vor einer Pandemie warnen, ausgelöst durch den Raubbau an der Natur und die Zerstörung der Lebensräume von Wildtieren, die deshalb näher an den Menschen heranrücken, was das Überspringen eines Virus zunehmend wahrscheinlich macht. Nach der Pandemie ist vor der Pandemie. Mit Blick auf die Zukunft scheint es daher angebracht, die handelnden Politiker nicht nur danach zu beurteilen, wie erfolgreich sie mit Ad-hoc-Maßnahmen an Symptomen herumdoktern, sondern wie entschlossen sie die Ursachen der aktuellen Krise bekämpfen.

Als Klimakanzlerin und Retterin der Eisbären ist Angela Merkel gescheitert. Wir wollen hoffen, dass sie bei der Rettung der EU eine bessere Figur macht, nachdem sie und andere Regierungschefs erkannt haben, dass das Überleben des (für die deutsche Wirtschaft unverzichtbaren) Binnenmarktes auf dem Spiel steht. Merkel und Finanzminister Scholz haben die schwäbische Hausfrau in den Ruhestand verabschiedet, und wir haben den rekordverdächtigen "Mein Land, mein Geld"-Gipfel hinter uns, auf dem länger und um mehr Milliarden gefeilscht wurde als je zuvor.

Als Sieger gerierten sich danach zwei Gruppen, die in einem Leitartikel der Süddeutschen Zeitung (21.7.) als "die Rechtsstaatsignoranten" und "die national-populistischen Erziehungsbeauftragten" charakterisiert wurden. Die Autokraten um Victor Orbán werden, so steht zu befürchten, weiter finanziell unterstützt, während sie die Demokratie aushöhlen. Die Pädagogen um Kurz und Rutte behandeln die Südstaaten mit belehrender Herablassung und wissen, was richtig ist. Andere wissen es nicht und müssen darum gemaßregelt werden.

Losey ist auch da nichts weniger als visionär. Mit dem von Alexander Knox gespielten Bernard bietet er eine Figur auf, die den Rechtsstaatsignoranten und den Pädagogen in einer Person vereint. Wissenschaftler ist Bernard obendrein, mit der Expertise für das Überleben der Menschheit, oder wenigstens eines kleinen Teils davon. Knox wie Losey waren in England, weil sie in den USA keine Arbeit mehr fanden. Als Opfer des McCarthyismus hatten sie ein feines Gespür dafür, wie es ist, wenn unter Berufung auf die Sicherheit Grundrechte ausgehebelt werden. In The Damned ist es - vordergründig - die Gesundheit, die bedroht ist.

Oliver Reed rast übrigens durch die Straßen der Hafenstadt, über die, zeitgenössischen Quellen zufolge, im Sommer 1348 die Pest mit einem Schiff nach England kam, nachdem es zuvor Gerüchte über eine mysteriöse, irgendwo im Osten ausgebrochene Krankheit gegeben hatte. In The Damned ist der "Schwarze Tod" wieder da. Dieses Mal sitzt er allerdings im Hubschrauber, trägt einen Schutzanzug und sieht Menschen aus sicherer Distanz beim Sterben zu, weil sich einiges umgedreht hat in diesem Film und die Demokratie von einem tödlichen Virus befallen wurde.

Kunst und Kur im Badeort

Mit einem eindrucksvollen Kameraschwenk fängt es an. In einer Kreisbewegung sehen wir das Meer, karg und abweisend wirkende Kalksteinklippen und, nach einem vertikalen Schwenk nach unten, verkohlte Körperteile, die man, wenn überhaupt, erst als Kunstwerke erkennt, wenn ein Pferdekopf und die Gestalt eines gefallenen Mannes im Bild erscheinen, auf Gerüsten zur Bearbeitung. Die Skulpturen, informiert ein Vorspanntitel, sind von "Frink". Anstelle der Namen Christopher Lee (Dracula) oder Peter Cushing (Frankenstein) der Schriftzug einer von Auguste Rodin, Alberto Giacometti und Germaine Richier beeinflussten Avantgarde-Künstlerin.

Die Firma Hammer Film Production hatte in den vergangenen Jahren mit Invasionen aus dem Weltall, sehr rotem Leinwandblut, brave Hausfrauen zu sexuellem Leben erweckenden Vampiren und aus Leichenteilen gebastelten Monstern Furore gemacht. Man muss nicht dabei gewesen sein, um sich ausmalen zu können, wie James Carreras, dem mehr an knalligen Plakaten, reißerischen Titeln, großbusigen Heldinnen und anderen Verkaufsargumenten dieser Art als an Kunst und Inhalten interessierten Seniorchef des Unternehmens, die Galle hochkam, als ihm dieser Filmanfang vorgeführt wurde.

Kunst und Kur im Badeort (9 Bilder)

The Damned

Unter Hammer-Historikern gilt The Damned (US-Titel: These Are The Damned) als ein großes Missverständnis, entstanden aus der Begegnung eines Regisseurs und eines Studios, die nicht zueinander passten. Dabei herausgekommen ist ein grandioser, auf intelligente Weise subversiver Film, angesiedelt zwischen Genre- und Arthouse-Kino und in kein Schema einzuordnen. Wenn so etwas das Resultat eines Missverständnisses ist: Bitte mehr davon!

James Bernard, Hauskomponist der Firma Hammer, hat zum einleitenden Kameraschwenk eine minimalistische Eröffnungsmusik geschrieben, die mit hohen Flötentönen beginnt, um sich dann, die Geräusche der Seevögel und der anbrandenden Wellen aufnehmend und unter Einsatz von Posaunenklängen (bei Bernard immer ein Zeichen von Gefahr), zu etwas auszuweiten, das eine Stimmung voller Ungewissheit und vager Bedrohung erzeugt. Vor allem evoziert diese Musik ein Gefühl der Einsamkeit.

Der erste Schwenk ist programmatisch. Wir befinden uns vor dem Atelier einer Bildhauerin, die so heißt wie die nordische Göttin der Liebe und der Fruchtbarkeit: Freya. Von Anfang an teilt Loseys Kamera die Perspektive einer mit dubiosen Machenschaften der Behörden konfrontierten, mehr durch die Umstände als aus Absicht politisch werdenden Kunst. Im Felsen unter dem Atelier, wie wir bald erfahren werden, ist ein Labor versteckt, in dem die Regierung einen geheimen Plan verfolgt, mit in Zwangsquarantäne gesteckten Menschen. Die Einsamkeit ist eines der Themen dieses Films.

Von der ersten Einstellung an sucht Losey den dramatischen Kontrast. Darum schneidet er von den Klippen der Isle of Portland, einem hinaus in den Ärmelkanal ragenden Kalksteinfelsen, auf die in einer gut geschützten Bucht liegenden Esplanaden von Weymouth, vom Meer aus gesehen. Weymouth in der Grafschaft Dorset, über eine Landbrücke namens Chesil Bank mit der Halbinsel Portland verbunden, ist einer der ältesten englischen Urlaubsorte. Der Duke of Gloucester ließ sich hier, des milden Klimas wegen, eine Residenz erbauen.

Gloucesters Bruder, König George III., war kein stabiles Genie wie Donald Trump, sondern zeigte im November 1788 erste Anzeichen einer geistigen Instabilität, möglicherweise als Folge einer Stoffwechselerkrankung. Die Vorbereitungen, den Thronfolger als Regenten einzusetzen, waren weit gediehen, als es dem König wieder besser ging. Wirklich gesund war er nicht. Dr. Crane, Verfasser des Werkes Cursory Observations on Sea-Bathing, hatte die Seeluft, das Baden im Meer und das Trinken von Salzwasser (nicht von Desinfektionsmitteln, Donald!) als Heilmittel für Krankheiten aller Art ausgemacht.

Der Doktor empfahl einen Kuraufenthalt in Weymouth, seiner Meinung nach dem besten Seebad im Vereinigten Königreich; zufälligerweise war Weymouth auch die Heimatstadt von Dr. Crane. Der Duke of Gloucester stellte dem Bruder sein Haus zur Verfügung. Im Juni 1789 kam der König mit Königin, vier Prinzessinen und seinem Hofstaat angereist, der sich auf die umliegenden Gebäude verteilte. In Weymouth war die Begeisterung groß. Man hängte Spruchbänder mit "God Save the King" auf, trug Kappen oder - als Bademeister - Taillengurte mit dieser Aufschrift.

George III. fühlte sich in Weymouth so wohl, dass er im Sommer 1791 wiederkam und danach (mit zwei Ausnahmen) jedes Jahr bis 1805. Die Anwesenheit des Königs lockte Touristen an, die etwas vom royalen Glanz abbekommen wollten. Reiche Kaufleute ließen sich in seiner Nachbarschaft eigene Häuser errichten. Die aus Terrassen im georgischen Stil bestehenden, zwischen Ende des 18. und Mitte des 19. Jahrhunderts erbauten Esplanaden gegenüber der Seepromenade, sind eines der Wahrzeichen der Stadt.

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