Chomsky: Wir müssen insistieren, dass ein Atomkrieg eine undenkbare Politik ist

Seite 4: Irrational: Warum Gegner von US-Verbrechen das Experiment befürworten

Wir hören solche Äußerungen aber auch von Gegnern der US-Verbrechen, von Leuten, die das grausame Experiment, das sie befürworten, sicherlich nicht durchführen wollen.

Hier stellen sich andere Fragen: die zunehmende Flut von Irrationalität, die jede Hoffnung auf einen ernsthaften Diskurs untergräbt. Dieser Diskurs ist aber notwendig, um der Ukraine eine unbeschreibliche Tragödie zu ersparen, und darüber hinaus, um die menschliche Spezies vor dem Untergang zu bewahren.

Wenn wir Zynismus und Irrationalität jedoch einmal bei Seite lassen, ist die einzig humane und akzeptable Entscheidung für die USA und den Westen, eine diplomatische Lösung anzustreben oder zumindest diese Option nicht zu untergraben.

In dieser Frage ist die offizielle westliche Meinung geteilt. Frankreich, Deutschland und Italien fordern Verhandlungen, um einen Waffenstillstand zu erreichen und eine diplomatische Lösung anzustreben. Die USA und Großbritannien, die beiden kriegerisch ausgerichteten Staaten des Westens, sind dagegen. Sie sind der Meinung, dass der Krieg fortgesetzt werden muss. Sie sind für das düstere Experiment.

Die langjährige US-Politik, Diplomatie zu schwächen, über die wir schon öfter gesprochen haben, wurde vor einigen Wochen auf einem von Washington organisierten Treffen der Nato-Mächte und anderer Staaten auf dem US-Luftwaffenstützpunkt im deutschen Ramstein noch schärfer formuliert. Die USA gaben die Marschroute vor: Der Krieg muss fortgesetzt werden, um Russland zu schaden.

Das ist das weithin befürwortete "afghanische Modell" in den 1990er Jahren, das wir bereits diskutiert haben. In den Worten einer führenden wissenschaftlichen Studie zu diesem Thema ist es die Politik, "Russland bis zum letzten Afghanen zu bekämpfen" und gleichzeitig zu versuchen, den russischen Abzug zu verzögern und die diplomatischen Bemühungen der Uno zu untergraben, die schließlich zur Beendigung der Tragödie führten.

Bei der Erläuterung der US-Nato-Ziele in Ramstein sagte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin:

Wir wollen Russland so weit schwächen, dass es die Dinge, die es beim Einmarsch in die Ukraine getan hat, nicht mehr tun kann.

Lassen Sie uns darüber nachdenken. Wie können wir sicherstellen, dass Russland nie wieder in ein anderes Land einmarschieren kann? Wir lassen hier die mit absoluten Denkverboten tabuisierte Frage beiseite, ob eine Umgestaltung der US-Politik zu diesem Ziel beitragen könnte, indem wir zum Beispiel Washingtons offen erklärte Weigerung in Frage stellen, irgendwelche russischen Sicherheitsbedenken in Betracht zu ziehen, und viele andere Maßnahmen, die wir diskutiert haben.