USA verschärfen Handelskrieg gegen Chinas Werften

Freiheitsstatue verlangt Geld von Handelsschiff

Bis zu 1,5 Millionen Dollar soll das Anlegen in US-Häfen für Schiffe aus chinesischer Produktion kosten. Besonders die griechischen Reeder, die stark auf China setzen, müssen nun zittern.

China wurde zur Großmacht der Schiffsindustrie und geriet deshalb ins Visier des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Der Potus will die chinesischen Werften einschränken und daher einen Strafzoll auf Reedereien mit in China hergestellten Schiffen einführen.

Dieser Zoll trifft die griechischen Reeder besonders hart. Sie sind in der EU marktbeherrschend und stellen eine der weltweit größten Flotten. Der Strafzoll könnte weltweit die Inflation weiter anheizen.

1,5 Millionen Dollar Strafgebühr pro "made in China"

Trump erweitert den von ihm angezettelten Handelskrieg weiter. Der jüngste Vorschlag seiner Regierung ist, auf in chinesischen Werften montierte Schiffe für US-Häfen Landungsgebühren von bis zu 1,5 Millionen Dollar pro Schiff zu erheben. Die Strafgebühren werden auch für Schiffe aus anderen Herstellungsländern erhoben, wenn sie zu einer Flotte mit überwiegend in China hergestellten Schiffen gehören.

Konkret soll die Steuer auf Unternehmen erhoben werden, deren Flotte zu mindestens 50 Prozent aus chinesischen Schiffen besteht, während für Unternehmen mit einem geringeren Anteil chinesischer Schiffe geringere Abgaben gelten.

Dieser noch nicht endgültig definierte Betrag beträgt in einigen Modellrechnungen der Verantwortlichen 500.000 US-Dollar, wenn bis zu 25 Prozent der Flotte einer Reederei aus in China hergestellten Schiffen besteht. Bei Anteilen von 25 bis 50 Prozent wären es dann 750.000 US-Dollar für jedes Andocken an einen US-Hafen.

Die Strafgebühren verteuern, wenn sie eingeführt werden, Seetransporte und damit den internationalen Warenverkehr. Sie werden Importe von Waren in die USA und Exporte, auch von fossilen Energieträgern aus den USA, verteuern und damit direkt die Inflation anheizen.

Die Umsetzung der Pläne wird zu erheblichen Turbulenzen in der weltweiten Handelsschifffahrt führen. Mehrkosten werden sich für die Reedereien kaum vermeiden lassen. Schließlich können sie sich nicht umgehend von ihren in China vom Stapel gelaufenen Frachtern trennen. Bei Reedereien, die mehrere internationale Häfen, inklusive US-Häfen, miteinander verbinden, kann die neue Gebührenordnung zu einem auf alle Kunden umgelegten Anstieg der globalen Frachtraten führen.

Die Maßnahme wird zudem zahlreiche Reedereien davon abhalten, US-Häfen anzulaufen. Die Schiffe könnten dann alternativ kanadische oder mexikanische Häfen anlaufen. Der weitere Transport der Waren in Richtung USA müsste dann auf Schiene und Straße stattfinden. Ob Trump damit seine Ziele erreicht, ist fraglich.

Der Kompass zeigt auf "America first"

Gemäß den New York Times (NYT) entspricht der Vorschlag dem "America First"-Credo der Trump Administration. Man möchte mit dieser Maßnahme die amerikanischen Werften wiederbeleben. Obwohl die USA weiterhin Kriegsschiffe bauen und Europa eine führende Position im Kreuzfahrtschiffbau einnimmt, wird die kommerzielle Schiffbauindustrie von drei asiatischen Ländern dominiert.

China, Südkorea und Japan sind für knapp 90 Prozent der weltweiten Produktion verantwortlich. China hat in den vergangenen Jahren strategisch in die Schifffahrt, die Reedereien und die Logistik investiert und wurde so zum Global Player.

Rund 19 Prozent der weltweiten Handelsflotte sind in chinesischen Händen. Auch bei der Produktion von Containern für die Schifffahrt ist der chinesische Anteil mit knapp 95 Prozent überwältigend groß.

Fast 20 Prozent der in amerikanischen Häfen ankommenden Containerschiffe stammen laut der NYT aus chinesischer Produktion, und auf den Handelsrouten über den Pazifik sei dieser Anteil sogar höher. Fast 80 Gewichtsprozent des amerikanischen Außenhandels würden per Schiff transportiert, aber nur zwei Prozent würden auf Schiffen unter US-amerikanischer Flagge befördert.

Vorgebliches Ziel der Trump Administration ist es, die Abhängigkeit der Amerikaner von chinesischen Schiffen bei der Versorgung mit Produkten zu verringern, während gleichzeitig der brachliegende Handelsschiffbau auf amerikanischen Werften wiederbelebt werden soll. Statt der bisher propagierten Globalisierung stehen nun Protektionismus und Autarkie auf dem Programm.

Griechische Reeder – chinesische Schiffe

Besonders hart von den Strafgebühren betroffen sind offenbar die griechischen Reeder. Sie haben aktuell, bei steigender Tendenz, rund 65 Prozent ihrer neuen Schiffe in China bestellt. Im vergangenen Jahr wurden 230 Schiffe in China geordert. Im Gegenzug transportieren die hellenischen Reeder, die im Heimatland steuerfrei sind, etwa 50 Prozent der nach China importierten oder aus China exportierten Produkte und Rohstoffe.

Die Griechen haben trotz der kleinen Größe des Heimatlandes mit einem Marktanteil von rund 21 Prozent die weltweit größte oder eine der drei weltweit größten Handelsflotten. Auf EU-Ebene liegt der griechische Marktanteil bei 59 Prozent.

Die aus Griechenland stammenden Reeder kontrollieren 31,78 Prozent der weltweiten Öltankerflotte, 25,01 Prozent der Massengutfrachter der Welt, 22,35 Prozent der LNG- und 13,85 Prozent der LPG-Tanker. Zur Flotte gehören 15,60 Prozent der weltweiten Chemikalien- und Produkttanker und 9,33 Prozent der Containerschiffe.